FRANKFURT (Dow Jones)--Der Dax hat am Mittwoch sehr fest geschlossen und damit einen Teil der Verluste seit Wochenbeginn wieder aufgeholt. Der deutsche Leitindex kletterte um 2,7% bzw 129 Punkte auf 4.836. Umgesetzt wurden in DAX-Titeln auf Xetra rund 105,1 (Vortag: 100,8) Mio Aktien im Wert von rund 2,62 (Vortag: 2,93) Mrd EUR.
Die US-Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter sorgten am Nachmittag für einen Schub. Wie das US-Handelsministerium am Mittwoch berichtete, erhöhten sich die Orders im Mai gegenüber April um 1,8%. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten dagegen mit einem Rückgang um 0,8% gerechnet. Der Vormonatswert wurde auf plus 1,8% (vorläufig: plus 1,7%) nach oben revidiert.
Der bereits zweite deutliche Anstieg in Folge bei den Aufträgen langlebiger Güter lasse eine Stabilisierung der Konjunktur im zweiten Halbjahr ein Stück näher rücken, meinte ein Volskwirt. Die US-Neubauverkäufen lagen allerdings etwas unter den Erwartungen. Die Ansätze zu einer Stabilisierung des US-Immobilienmarkts würden damit aber nicht in Frage gestellt, so ein Ökonom.
Gestützt wurde der Markt auch ein wenig von der Aussage des OECD-Generalsekretärs Angel Gurria, dass sich beim wirtschaftlichen Abschwung in den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine Bodenbildung abzeichne.
Nach Handelsschluss rückt dann die US-Notenbank in den Fokus. Dass das aktuelle Leitzinsniveau zwischen 0% und 0,25% bestätigt wird, gilt als ausgemachte Sache. Den Volkswirten von HSBC Trinkaus zufolge könnten die Währungshüter um Chairman Ben Bernanke für den weiteren Jahresverlauf zwar eine konjunkturelle Stabilisierung in Aussicht stellen. Eine Verschärfung der geldpolitischen Rahmenbedingungen stehe in diesem Jahr aber wohl nicht mehr auf der Agenda. Auch beim Umfang der Kaufprogramme für Vermögenswerte zeichne sich zum jetzigen Zeitpunkt keine Ausweitung ab.
Gesucht waren zyklische Werte und Finanztitel, die zu Wochenbeginn deutliche Verluste hatten hinnehmen müssen, während die defensiven Titel zu Abgaben neigten. Deutsche Bank stiegen um 6,6% auf 42,86 EUR und reagierten damit auch auf eine Hochstufung auf "Hold" von "Sell" durch die Citigroup. Deutsche Börse schlossen 2,9% im Plus bei 56,61 EUR. Das Kursziel für die Aktie war von HSBC auf 73 von zuvor 69 EUR erhöht worden.
Die Stahlwerte waren ebenfalls gefragt. Hier stiegen Salzgitter um 4,6% auf 62,72 EUR sowie ThyssenKrupp um 6,3% auf 18,04 EUR. Fester zeigten sich auch SAP nach den Viertquartalszahlen von Oracle. Die Aktien stiegen um 3,2% auf 28,94 EUR. "Das operative Geschäft mit Business-Software-Lizenzen scheint besser zu laufen als erwartet", meinte ein Händler.
Tagesgewinner VW legte um 11,7% auf 250,50 EUR zu. Die extrem marktenge Aktie hatte vom Verlaufshoch am 10. Juni bis zum Tief am Montag rund 17% eingebüßt. "Käufe in die Schwäche", brachte ein Händler die Erholung kurz und knapp auf den Punkt. Laut einem anderen Marktteilnehmer half auch, dass die CS Group das Kurspotenzial der Vorzugsaktien von Porsche auf 40% taxiert.
RWE blieben als defensiver Werte zurück. Bei dem Energiekonzern bahnt sich eine tiefgreifende Veränderung der Aktionärsstruktur an, die vor allem die bisher dominierende Position der kommunalen Anteilseigner bedroht. Die angeschlagene WestLB muss ihre Beteiligung an dem Versorger verkaufen, um Vorgaben der EU umzusetzen. Bis Ende Juni müssten rund 3,4 Mio RWE-Aktien im Wert von rund 190 Mio EUR verkauft werden, berichtet die "Welt". Die Aktie legte nur 0,2% auf 56,52 EUR zu, während E.ON um 3,2% auf 26,13 EUR anzogen.
Im MDAX waren ebenfalls die Zykliker gesucht. Anschlusskäufe trieben Praktiker um 11,9% auf 6,77 EUR. Arcandor neigten indes zur Schwäche. "Dass es für Quelle voraussichtlich keine Bürgschaften geben wird, belastet den Kurs", sagte ein Händler. Die Aktie fiel um 9% auf 0,61 EUR.
Im TecDax erholen sich die Solarwerte von den vorausgegangenen Kursverlusten. Mit einem Plus von 5,2% auf 15,60 EUR ging es auch für die MorphoSys-Aktie nach oben. Händler verwiesen auf den Antrag zur Durchführung einer klinischen Studie der Phase 1b/2a an Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) für den Medikamenten-Kandidaten MOR103, den das Unternehmen eingereicht hat.
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