FRANKFURT (Dow Jones)--Sehr schwach ist der deutsche Aktienmarkt aus dem Handel am Dienstag gegangen. Vor allem die enttäuschend ausgefallene Stimmung der US-Verbraucher drückte das Sentiment ins Minus. Zuvor hatte ein Mangel an Unternehmensnachrichten für ein überwiegend lustloses Geschäft mit geringen Umsätzen gesorgt. Der Dax verlor 1,6% oder 76 auf 4.809 Zähler. Umgesetzt wurden in DAX-Titeln auf Xetra rund 87,9 (Vortag: 86,5) Mio Aktien im Wert von rund 2,31 (Vortag: 2,14) Mrd EUR.
Die Stimmung unter den US-Verbrauchern hat sich im Juni überraschend deutlich abgekühlt. Wie das Forschungsinstitut Conference Board mitteilte, fiel der Index des Verbrauchervertrauens auf 49,3 Zähler. Volkswirte hatten hingegen überwiegend mit einem Anstieg gerechnet. Die US-Verbraucher spielen eine Schlüsselrolle für die US-Wirtschaft, weil rund 70% des Bruttoinlandsprodukts vom Privatkonsum abhängen.
Der besser ausgefallene Einkaufsmanagerindex aus Chicago konnte sich dem nicht entgegenstellen, obwohl hier deutliche Hoffnungszeichen für eine US-Konjunkturerholung erkennbar waren. So stiegen die wichtigen Komponenten Beschäftigung und Auftragseingang stärker an als erwartet. Der Gesamtindex kletterte auf 39,9 nach 34,9 im Mai und damit auch höher als die Prognose der Analysten von 39,0. Ebenfalls Zeichen für einen gebremsten Fall der Konjunktur zeigte der Case-Shiller-Hauspreis-Index. Er wies eine reduzierte Fallgeschwindigkeit bei den US-Hauspreisen aus. Technische Analysten rechnen damit, dass der Index bis zur breiten Unterstützungszone um 4.750 Punkte fallen kann.
Finanzwerte konnten am Berichtsgag noch mit relativer Stärke glänzen und verloren geringer als der Markt. Allianz stiegen sogar um 0,5% auf 65,63 EUR, nachdem die Analysten von J.P. Morgan das Kursziel für die Versicherungsaktie auf 80 nach bisher 70 EUR heraufgenommen hatten. Berichte über möglicherweise hohe Verluste mit Derivaten beim US-Versicherungskonzern AIG drückten die Werte aus dem Bankensektor jedoch vom Tageshoch zurück. Deutsche Bank gaben um 2,9% nach auf 43,19 EUR, Commerzbank schlossen unverändert bei 4,43 EUR.
Auch Deutsche Telekom gaben nur um 0,4% nach auf 8,40 EUR. Einem Bericht der "FAZ" zufolge erwartet der Telekom-Konzern um 50 Mio bis 100 Mio EUR höhere Synergieeffekte aus der Beteiligung an der griechischen OTE.
VW-Vorzüge zogen gegen den Markt um 3,3% auf 49,76 EUR an. Händler verwiesen auf die Entwicklung um Porsche und VW, nachdem Katar laut Porsche ein Angebot für einen Einstieg bei Porsche und die Übernahme von VW-Optionen aus dem Eigentum von Porsche vorgelegt hat. Die Vorzüge könnten zudem in den DAX nachrücken und dort ein Gewicht von etwa einem Prozent erhalten. "Aus Index-Gründen macht ein Investment in die Vorzüge eher Sinn als in die Stämme", so Christian Stocker, Index-Spezialist beim UniCredit. Porsche stiegen um 2,9% auf 47,80 EUR, die noch im DAX notierten VW-Stämme verloren 4% auf 241,14 EUR.
Lanxess legten nach Aussagen von CEO Axel Heitmann um 1,6% zu auf 17,66 EUR. Heitmann erklärte, das Unternehmen habe die Ziele für das zweite Quartal erreicht. Zwar glaube er, dass die Krise eher später als früher überwunden werde, hieß es mit Blick auf Aussagen in der "FAZ". "Heitmann gilt aber als konservativ und vorsichtig, Anleger sollten sich von den Aussagen nicht verunsichern lassen", kommentierte Analyst Heino Ruland.
Arcandor mussten hingegen ihre Kursgewinne von zwischenzeitlich rund 10% Plus völlig abgeben und schlossen 1,6% tiefer bei 0,61 EUR. Dem insolventen Versandhaus Quelle wurde vom Bund und den betroffenen Ländern ein Massekredit über 50 Mio EUR zugesagt. "Das Überleben von Arcandor ist damit allerdings nicht gesichert", so ein Marktteilnehmer.
Erfolgreich ist dagegen der erste Börsengang des Jahres verlaufen. Der Onlinebroker flatex schloss am ersten Handelstag bei 4,33 EUR und damit über dem Emissionspreis von 3,90 EUR.
DJG/mod/ros
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June 30, 2009 12:06 ET (16:06 GMT)
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