FRANKFURT (Dow Jones)--Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch nach zunächst unentschlossenem Geschäft sehr schwach geschlossen. Der Dax fiel um 1,8% bzw 89 Punkte auf 4.937. Umgesetzt wurden an DAX-Titeln auf Xetra rund 137,3 (Vortag: 120,3) Mio Aktien im Wert von rund 2,87 (Vortag: 2,98) Mrd EUR. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen nach dem deutlichen Anstieg der vergangenen Tage.
Schwache US-Arbeitsmarktdaten und eine Gewinnwarnung von Intel hätten am Nachmittag die US-Börsen und im Gefolge auch den DAX auf Talfahrt geschickt, hieß es aus dem Handel. Angesicht der überkauften Marktlage sei dies zwar nicht ganz überraschend gekommen, aber die Nachrichten aus den USA hätten den zuletzt schon wieder zu großen Optimismus der Anleger merklich gedämpft, so Händler. Belastet habe zudem auch der Insolvenzantrag des Chemiekonzerns LyondellBasell.
Vor allem der ADP-Arbeitsmarktbericht wurde mit Sorgenfalten quittiert. Mit einem Minus im Dezember von 693.000 Stellen wurde die Erwartung von 515.000 weit überschritten. Der offizielle US-Arbeitsmarktbericht wird am Freitag veröffentlicht. Hier erwarten von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen einen Rückgang der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft von 500.000, die Arbeitslosenquote sehen sie bei 7,0%. Im November lag der Jobverlust bei 533.000 Stellen.
Bei 4.850 Stellen liege nun eine Auffangmarke, meinte ein Händler. Ohne die Aufschläge bei VW in Höhe von 3,5% auf 295,00 EUR wäre das Minus im DAX noch deutlicher ausgefallen. Händler vermuteten, dass wie schon am Dienstag Leerpositionen geschlossen werden mussten, nachdem Porsche den Anteil weiter aufgestockt hatte. Zudem setzten Anleger im Zuge einer Zwangsabfindung auf eine hohe Abfindung für die verbleibenden freien Aktien, so Börsianer.
Auch die übrigen Automobilwerte schlugen sich recht wacker. "Das von der Bundesregierung in Aussicht gestellte Rettungspaket von 100 Mrd EUR für deutsche Großkonzerne dürfte vor allem den Autoherstellern zugute kommen", sagte ein Händler. Daimler verloren 0,3 und BMW kletterten um 1,2%.
Unter Abgabedruck stand indes der Versorgersektor nach der Verschärfung des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine. E.ON gaben um 3,4% auf 28,99 EUR nach, RWE verloren 2,1% auf 66,00 EUR. Händler rechnen aber mit einer baldigen Lösung des Konflikts zwischen dem Gasexporteur Russland und der Ukraine. "Ich gehe davon aus, dass der politische Druck deutlich anziehen wird", sagte ein Teilnehmer.
Stärkster Verlierer waren jedoch ThyssenKrupp. Dass der Konzern mit einem wieder steigenden Auftragseingang zum Jahresbeginn rechnet, änderte nichts am insgesamt trüben Bild, hieß es. "Die Abnehmer dürften im vierten Quartal 2008 ihre Lager komplett leer geräumt haben", sagte ein Händler. Gleichzeitig seien ThyssenKrupp "anfällig für Gewinnmitnahmen". Vom Tief am 20. November hätten ThyssenKrupp um rund 75% zugelegt. Die Aktie verlor nun 6,8% auf 19,11 EUR.
Im Bankensektor richtete sich die Blick auf die Aktie der Commerzbank, nachdem J.P. Morgan das Papier am Berichtstag auf "Underweight" von "Neutral" gesenkt hatte. Die Aktie gab 4,8% auf 6,09 EUR nach. Allianz standen nach Berichten am Vortag über weiteren Abschreibungsbedarf bei der Dresdner Bank erneut unter Druck und büßten weitere 3,7% auf 70,50 EUR ein.
Der beschlossene Verkauf von ratiopharm sorgte für eine Erholung bei HeidelbergCement. Zudem bestätigte der Anteilseigner VEM, den Überbrückungskredit erhalten zu haben. Die Aktien stiegen um 5,3% auf 32,90 EUR. "Damit ist die Finanzierung von VEM gesichert und es besteht kein Risiko, dass sie ihre HeidelCement-Anteile zu ungünstigsten Preisen platzieren müssen", sagte ein Händler.
Der Kurssturz von knapp 17,2% auf 2,60 EUR bei Arcandor wurde mit der starken Volatilität begründet. "Wahrscheinlich sind da Leute vor dem Trading Statement von Praktiker morgen ziemlich nervös", meinte ein Händler. Die Aktie sei seit ihrer Bodenbildung rund 75% gestiegen, so dass Gewinnmitnahmen angesichts der unsicheren Aussichten des Unternehmens nicht überraschend kämen. SGL Carbon litten mit einem Abschlag von 6% auf 22,97 EUR ebenfalls unter Gewinnmitnahmen und reagierten als Zulieferer auch an der Schwäche der Stahlwerte.
Im TecDax führte die Abstufung von Jenoptik durch UniCredit auf "Hold" von "Buy" zu einem Verlust von 11,5% auf 5,48 EUR.
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