FRANKFURT (Dow Jones)--Nach zwei verlustreichen Handelstagen in Folge ist der deutsche Aktienmarkt leicht erholt in den Freitag gestartet. Gestützt werden die Kurse durch gute Unternehmensberichte und das ordentliche späte Geschäft an Wall Street am Donnerstag. "Den Markt vor dem Wochenende zu shorten wäre gefährlich", sagt ein Händler. Bis um 9.51 Uhr MESZ steigt der Dax um 0,5% oder 31 Punkte auf 6.200. Charttechnisch orientierte Analysten sehen den Leitindex weiter innerhalb der Spanne von 6.160 bis 6.311 Punkten. In der zweiten Reihe rückt der MDAX um 0,8% oder 68 Punkte auf 8.400 vor. Für den TecDax geht es um 0,3% oder 3 Punkte auf 844 nach oben.
Angesichts der sich dramatisch verschärfenden Refinanzierungsprobleme Griechenlands dürfte der Markt allerdings nervös auf jede neue Nachricht zu den Verhandlungen über Finanzhilfen zwischen der Athener Regierung und der EU sowie dem IWF reagieren. Diese latente Vorsicht zeigt sich in den Finanzwerten, die gegen den Trend schwächer tendieren. Für Impulse könnte darüber hinaus der ifo-Geschäftsklimaindex für April sorgen. Volkswirte erwarten, dass der wichtigste Stimmungsindikator für die deutsche Wirtschaft auf 98,9 von 98,1 Punkten im Vormonat gestiegen ist. Dies wäre die Fortsetzung des seit März 2009 anhaltenden Aufwärtstrends, der nur im Februar 2010 unterbrochen wurde.
Unter den Einzelwerten stehen unter anderem adidas im Fokus des Interesses. Der Sportartikelhersteller hat am Vorabend seine Zahlen für das erste Quartal vorgelegt und laut Analyst Heino Ruland damit auf ganzer Breite überzeugt. adidas steigen um 3,7% auf 44,39 EUR und sind damit bislang Tagesgewinner unter den deutschen Standardwerten. MAN legen, von guten Zahlen des Wettbewerbers Volvo für das erste Quartal befeuert, um 2,7% auf 68,82 EUR zu, für BMW geht es um 0,4% auf 36,78 EUR nach oben.
Angesichts einer am Markt mittlerweile offen diskutierten Restrukturierung der griechischen Schulden stehen die Finanzwerte hingegen abermals auf der Verliererseite. Deutsche Bank geben um 1,3% auf 53,26 EUR nach, Commerzbank fallen um 0,7% auf 6,05 EUR zurück. Deutsche Banken gelten als vergleichsweise stark in Staatsanleihen der Hellenen investiert, ein Teil- oder Komplettausfall des Landes als Schuldner würde daher zu weiteren schmerzhaften Abschreibungen auf neue Not leidende Kredite führen.
Für Salzgitter geht es um 1,9% auf 64,09 EUR nach unten. Anleger befürchten, dass Preiserhöhungen für Eisenerz die Margen des Stahlkochers zusammenschmelzen lassen werden. "Wenn es hart auf hart kommt, müssen wir unsere Prognose anpassen", sagte Salzgitter-CEO Wolfgang Leese der "Financial Times Deutschland" und bezifferte die Wahrscheinlichkeit dafür auf 50%.
Nur optisch im Minus notieren RWE und VW, die um 4,9% respektive 0,7% nachgeben. Bei beiden Unternehmen ist heute Zahltag, der Versorger schüttet für das abgelaufene Jahr 3,50 EUR je Aktie aus, der Automobilhersteller für seine Vorzugsaktien 1,66 EUR je Aktie. Rechnerisch entspricht dies Abschlägen von 5,3% respektive 2,2% gegenüber dem Schlusskurs des Vortags.
In der zweiten Reihe verteuern sich Heidelberger Druck nach Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr um 4,9% auf 5,60 EUR. Positiv sei die Entwicklung des operativen Ergebnisses zu werten, das mit einem Minus von 130 Mio etwas besser als prognostiziert ausgefallen sei, heißt es im Handel. Gleichzeitig habe das vierte Quartal bereits belegt, dass Schwung in das Geschäft des Unternehmens komme. Setze sich diese Entwicklung fort, sei nicht auszuschließen, dass nach Vorlage der Zahlen per 30. Juni auch der Ausblick angehoben werde.
Für Drägerwerk geht es im TecDAX um 4,3% auf 51,47 EUR nach oben. Das Unternehmen hat am Donnerstag wenige Minuten vor Xetra-Handelsschluss mitgeteilt, das obere Ende der bisherigen EBIT-Prognosespanne für 2010 erreichen zu wollen.
DJG/jej/ros
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April 23, 2010 03:51 ET (07:51 GMT)
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