FRANKFURT (Dow Jones)--Die Hängepartie um einen Schuldenschnitt für Athen und die schwachen Geschäftszahlen des Industriegiganten Siemens haben den deutschen Aktienmarkt mit Verlusten in den Dienstag starten lassen. Im frühen Geschäft sorgen dann allerdings starke Konjunkturdaten dafür, dass die Indizes einen Teil ihrer Verluste wieder aufholen. Bis 10.13 Uhr verliert der Dax 0,4 Prozent oder 29 auf 6.407 Punkte. In der zweiten Reihe gibt der MDAX um 0,7 Prozent bzw 68 auf 9.786 Zähler nach, für den TecDax geht es um 1,2% oder 8 auf 740 Punkte nach unten.
Eurogruppen-Leiter Jean-Claude Juncker hat in der Nacht erklärt, es sei offensichtlich, dass das griechische Programm aus der Spur geraten sei. Die Privaten Gläubiger müssten im Rahmen der Umschuldung Zugeständnisse machen, um sicherzustellen, dass die Verbindlichkeiten des Landes langfristig tragfähig würden. Athen müsse mit den Gläubigern eine Vereinbarung erreichen, bei der der durchschnittliche Zinssatz klar unter 4 Prozent liege. Zuvor kündigte das griechische Finanzministerium an, dass es Banken, Hedgefonds und Versicherungen voraussichtlich am 13. Februar ein offizielles Angebot vorlegen werde.
Dafür sind die Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland für Januar besser als erwartet ausgefallen. Für das Verarbeitende Gewerbe stieg der Index auf 50,9 von 48,4 Punkten im Dezember. Volkswirte hatten lediglich 49,0 Punkte erwartet, gleichzeitig stieg der Index damit wieder über die wichtige Expansionsschwelle von 50,0 Punkten. Für das Dienstleistungsgewerbe stieg der Index auf 54,5 von 52,4 Punkten im Vormonat. Hier hatte der Ökonomenkonsens auf 52,5 Punkte gelautet.
Am Nachmittag steht der belgische Geschäftsklimaindex für den ersten Monat des laufenden Jahres auf der Agenda. Hier rechnen Volkswirte mit minus 10,1 nach minus 10,6 Punkten im Vormonat. Die belgische Ökonomie ist auf so genannte Vorprodukte spezialisiert. Springt dort also beispielsweise die Produktion von Lacken an, könnte der Auftragseingang der deutschen Automobilindustrie angezogen haben. Daher gilt der Index als guter Vorläufer des heimischen ifo-Geschäftsklimaindex.
Unter den Einzelwerten stehen Siemens im Fokus, die nach dem Unternehmensbericht für das erste Geschäftsquartal um 3,5 Prozent auf 75,63 Euro nachgeben. Die zusätzlichen Belastungen in der Mobilitätssparte und das schwache Ergebnis bei den Erneuerbaren Energien seien zwar enttäuschend, sagt Silvia-Quandt-Analyst Michael Busse. Dessen ungeachtet machten die frühzyklischen Geschäftsfelder Mut. Das Ziel eines Nettogewinns von 6 Milliarden Euro im Gesamtjahr sei angesichts der Probleme bei Projekten auf See zwar schwieriger erreichbar geworden, könne aber immer noch geschafft werden.
Commerzbank geben nach einem Plus von 41,4 Prozent seit Jahresbeginn um 5,2 Prozent auf 1,84 Euro nach, Deutsche Bank fallen nach einer Herabstufung durch J.P. Morgan auf "Neutral" von "Overweight" um 3,2 Prozent auf 32,45 Euro. In der zweiten Reihe verlieren Software AG 4,4 Prozent auf 24,56 Euro. Das Darmstädter Unternehmen erwartet für das laufende Geschäftsjahr im Wachstumssegment BPE, in dem es Integrations- und Prozess-Software anbietet, ein Umsatzplus von fünf bis 15 Prozent. Im traditionellen Geschäftsbereich ETS, bisher die "cash cow" des Unternehmens, wird dagegen ähnlich wie 2011 ein Rückgang um sieben bis zwölf Prozent erwartet. Vor allem die Breite der Spannen sorge für Verunsicherung, erklärt DZ-Bank-Analyst Oliver Finger.
Q-Cells brechen um 14,1 Prozent auf 0,43 Euro ein. Nach weiteren Abschreibungen hat das Photovoltaikunternehmen die Hälfte des Grundkapitals aufgebraucht und strebt einen Schuldenschnitt an. "Die Aktionäre zahlen die Zeche", kommentiert ein Händler.
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January 24, 2012 04:16 ET (09:16 GMT)
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