FRANKFURT (Dow Jones)--Gut behauptet und mit Chancen auf weitere Kursgewinne im Tagesverlauf ist der deutsche Aktienmarkt in den Donnerstag gestartet. Bis 9.50 Uhr steigt der Dax um 0,1% oder 7 Punkte auf 6.285. Charttechnisch liegt die nächste Hürde für den Leitindex nun bei der "runden" Marke von 6.300 Punkten, Unterstützung findet sich auf dem Niveau von 6.230 Punkten. In der zweiten Reihe legt der MDAX um 0,2% oder 19 Punkte auf 8.476 zu, der TecDax rückt gar um 0,4% oder 3 Punkte auf 850 vor.
Gestützt wird die Stimmung der Börsianer vom ordentlichen späten Geschäft an Wall Street am Mittwoch. Dort legten die Indizes nach Handelsschluss in Europa weiter zu und beschlossen die Sitzung auf ihren Tageshochs. An den asiatischen Börsen wurde das Sentiment allerdings von Zinserhöhungsspekulationen belastet. In China ist die Wirtschaft im ersten Quartal um 11,9% gewachsen. Auch die wieder deutlich gestiegenen Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen drücken etwas aufs Gemüt.
"Es ist aber schon erstaunlich, wie konsequent Negatives derzeit beiseite gekehrt wird", meint ein Händler. Er verweist auf die Aktien von Morgan Stanley, die am Vortag im Fahrwasser guter Zahlen von J.P. Morgan zulegten, obwohl eine Immobilientochter von Morgan Stanley laut "Wall Street Journal" möglicherweise einen hohen Milliarden-Dollar-Verlust eingefahren hat.
"Auch der Tenor des Beige Book in Kombination mit Bernankes Aussage weiter niedriger Zinsen dürfte die Kurse stützen", meint der Marktteilnehmer. Wachstum ohne Zinsdruck sei Treibstoff für die Kurse. Am Nachmittag könnten freilich Gewinnmitnahmen einsetzen, sollten die angekündigten Konjunkturdaten dieses Szenario nicht stützen.
Veröffentlicht werden mit dem Empire-State- und Philly-Fed-Index die ersten beiden Frühindikatoren für die Wirtschaft in einzelnen Distrikten des Federal-Reserve-Systems. Darüber hinaus stehen die wöchentlichen Erstanträge auf Leistungen aus der US-Arbeitslosenversicherung auf dem Programm. Highlight ist aber sicher die Veröffentlichung der Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung in den USA im März. Volkswirte erwarten im Mittel ihrer Prognosen einen Anstieg der Fertigung der Industrie um 0,8% gegenüber dem Vormonat. Für die Kapazitätsauslastung wird mit einem leichten Anstieg auf 73,3% von 72,7% im Februar gerechnet.
Unter den Einzelwerten stehen unter anderem Deutsche Post im Fokus der Anleger. Der US-Wettbewerber UPS hat am Vorabend mit seinen Quartalszahlen die Markterwartungen deutlich übertroffen, nachbörslich legten die Aktien des Logistikers daraufhin um gut 4% zu. "Das günstige Umfeld treibt nun die Gewinne sehr konjunkturabhängiger Werte wie der Logistiker", so ein Händler. Für Deutsche Post geht es um 2,7% auf 13,20 EUR nach oben. Damit sind die Bonner bislang Tagesgewinner.
MAN verteuern sich um 0,8% auf 67,35 EUR. Laut "Financial Times Deutschland" hat ein VW-Manager zwar eine Dreier-Allianz der Nutzfahrzeugsparten von VW, MAN und Scania ausgeschlossen. "Es gibt aber genügend andere Optionen wie eine Zweier-Allianz zwischen MAN und Scania", sagt ein Marktteilnehmer. Ein weiterer Händler hält es sogar für eher positiv, wenn MAN nicht mit der VW-Nutzfahrzeugsparte zusammengehen müsse. Neue Impulse könnten von einer Pressekonferenz mit dem MAN-Vorstandschef ausgehen, heißt es am Markt.
Lufthansa steigen um 2,1% auf 13,32 EUR, zuvor haben sie mit 13,33 EUR bereits ein neues Jahreshoch markiert. Neben den UPS-Zahlen, die auf ein besseres Frachtgeschäft schließen ließen, stütze auch der mögliche Börsengang von Amadeus den Kurs, so ein Händler. Die Kranichlinie ist an dem Anbieter von Buchungssystemen beteiligt.
Schwächer als der Gesamtmarkt entwickeln sich als defensiv geltende Titel. So geben Henkel um 0,6% auf 40,73 EUR nach, für Beiersdorf geht es um 0,5% auf 44,40 EUR nach unten. In der zweiten Reihe setzen Hugo Boss ihren Höhenflug der vergangenen Tage fort und ziehen um 4,3% auf 33,12 EUR an. Gerresheimer rücken um 3,3% auf 26,82 EUR vor. HSBC hat die Aktien nach den überraschend guten Quartalszahlen vom Vortag auf "Overweight" von "Neutral" heraufgestuft. Besonders der Anstieg der EBITDA-Marge und der Abbau der Verbindlichkeiten hatten am Mittwoch bei Gerresheimer überzeugt.
Wirecard legen um 1,0% auf 7,85 EUR zu. Das Unternehmen hat am Morgen seine detaillierten Zahlen für 2009 vorgelegt. Der überraschend hohe bereinigte Cashflow dürfte für die Kursgewinne verantwortlich sein, vermutet ein Analyst. "Der Marktkonsens dürfte bei weniger als 50 Mio EUR liegen", sagt der Analyst. Laut dem Unternehmen ist der bereinigte Cashflow um zwei Drittel auf 69,5 Mio EUR gestiegen. "Nun muss man abwarten, was das Management auf der Pressekonferenz sagt, vor allem natürlich zu der Strafanzeige gegen WireCard." Die Bilanzpressekonferenz beginnt gegen 10.30 Uhr.
DJG/jej/raz
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April 15, 2010 04:01 ET (08:01 GMT)
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