FRANKFURT (Dow-Jones)--Der deutsche Aktienmarkt bewegt sich am Donnerstag im frühen Geschäft etwas auf Erholungskurs. Der Dax steigt gegen 9.43 Uhr um 0,1% oder 3 Punkte auf 4.803. Händler sprechen von einer technischen Reaktion, einer kleinen Gegenbewegung nach dem Minus von knapp 7% in den vergangenen Tagen. Etwas gestützt wird die Stimmung vom Umfeld: Euro und Ölpreis ziehen wieder an, das wird als Hinweis gesehen, dass Anleger wieder risikobereiter sind. An Wall Street war der S&P-500-Index nach dem Handelsschluss in Europa etwas gestiegen, in Tokio und Hongkong geben die Kurse allerdings deutlich nach.
Händler bleiben wegen der Entwicklung im Verlauf der Sitzung aber vorsichtig: "Nach wie vor stecken die Anleger in dem Dilemma, dass sich zwar die Früh- und Stimmungsindikatoren verbessern, die realwirtschaftlichen Kennziffern jedoch noch keine Bodenbildung erkennen lassen", so ein Marktteilnehmer zur gegenwärtigen "Paralyse" an den Börsen. Von daher könnte die Unterstützung bei 4.800 Punkten erneut getestet werden, darunter liege die nächste technische Unterstützung bei 4.650 Punkten. Auf Widerstand treffe der DAX bei 4.950 Punkten.
Neue Impulse dürften dem Geschäft die für den Nachmittag avisierten US-Konjunkturdaten geben. Neben der wöchentlichen Zahl zur Entwicklung der Erstanträge auf Leistungen aus der US-Arbeitslosenversicherung stehen der Philly-Fed-Index für Juni sowie der Index der Frühindikatoren für Mai auf der Agenda. Darüber hinaus wird sich US-Finanzminister Timothy Geithner vor dem Ausschuss des Repräsentantenhauses für Finanzdienstleistungen zur Modernisierung der Regularien für die US-Finanzindustrie äußern.
Vorsichtig sind Händler auch wegen neuer Konjunkturaussagen von BASF. Das Unternehmen teilte mit, es gebe keine Indikationen, nach denen die Wirtschaft bereits aus der Talsohle heraus sei. BASF geben um 0,7% auf 29,08 EUR nach. K+S fallen um weitere 1,9% auf 41,58 EUR, nachdem Analysten nun mit Abstufungen auf die Gewinnwarnung vom Mittwochnachmittag reagiert haben. Der Kurs war am Mittwoch bereits stark gefallen. adidas verlieren 0,6% auf 26,69 EUR, laut adidas kann die Sanierung von Reebok noch dauern.
Auf der anderen Seite erholen sich vor allem Werte, die zuletzt stärker gefallen waren. So steigen Allianz um 1,4% auf 64,48 EUR, Deutsche Bank um 1,4% auf 43,51 EUR und BMW um 1,6% auf 27,60 EUR. Hannover Rück ziehen ebenfalls um 1,8% an auf 25,30 EUR. Bei den defensiven Werten legen Fresenius um weitere 2,2% zu auf 40,42 EUR.
In der zweiten Reihe brechen Pfleiderer nach einer Gewinnwarnung um etwa 16,3% auf 4,11 EUR ein. "Das gestern war ja ein kompletter Warnungs-Rundumschlag", sagt ein Händler. Pfleiderer rechne nun nicht nur mit einem Margenrückgang, sondern sehe auch noch keine Erholung des Marktes. Des Weiteren rechne das Unternehmen mit einem Preisverfall und weise auf verletzte Nebenabsprachen bei den Firmenkrediten hin. "Das macht die Sache für den Markt zunächst völlig unkalkulierbar", so der Händler weiter.
HeidelbergCement steigen um 13,3% auf 30,01 EUR. Die Verlängerung der Kredite könnte bald unter Dach und Fach sein, heißt es im "Handelsblatt". TUI steigen um 6,2% auf 5,47 EUR, die Deutsche Bank hat das Kursziel auf 4,40 EUR korrigiert, nachdem sie es am Dienstag auf 1,90 EUR gesenkt hatte. Der MDAX steigt um 0,6% und der TecDax um 0,6%. Im TecDAX verlieren Q-Cells 7% auf 14,50 EUR. Der Finanzvorstand verlässt das Unternehmen. "Das überrascht", so ein Händler. Infineon steigen dagegen um 4,6% auf 2,36 EUR, nachdem die Analysten der Credit Suisse das Kursziel auf 2,70 von 1,70 EUR erhöht haben.
-Von Herbert Rude, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29 725 217,
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