ZEW betont Bedeutung von Stromnetzausbau
Mannheim (aktiencheck.de AG) - Die aktuellen Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) zur Regelung eines "Lastabwurfs" von Großverbrauchern im Stromnetz gehen nach Angaben des ZEW-Energiemarktbarometers in die richtige Richtung. Ein weiterer Netzausbau sei jedoch die wichtigste Maßnahme zur Sicherung der Stromversorgung.
Wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitteilte, sprechen sich 64 Prozent der Befragten Experten der Energiewirtschaft für den weiteren Ausbau der Stromnetze aus um die Netzstabilität bei der Stromversorgung zu gewährleisten. Die Hälfte aller Befragten befürwortet eine Versteigerung eines möglichen Lastabwurfs. Hierbei würden die Netzbetreiber die Möglichkeit kurzfristiger Versorgungsunterbrechungen unter ihren Großkunden ausschreiben und die jeweils günstigsten Gebote auswählen. Der aktuelle Entwurf für eine Abschaltverordnung des BMWi legt hingegen die Kompensationszahlungen für bilaterale Verträge zwischen Großabnehmern von Elektrizität und den Netzbetreibern fest. Prof. Dr. Andreas Löschel, Leiter des Forschungsbereichs "Umwelt- und Ressourcenökonomik, Umweltmanagement" am ZEW, gibt zu bedenken: "Auf Seiten des Regulierers ist wenig bekannt über die tatsächlichen Flexibilisierungspotenziale bei den industriellen Großkunden. Erst deren Berücksichtigung ermöglicht aber eine effiziente Regelung des Lastabwurfs. Es muss sich zeigen, ob die jetzt geplante Regelung die Flexibilisierung der Nachfrage vorantreibt. Dies wäre ein wichtiger Schritt bei der Umsetzung der Energiewende."
Auch die Stromnachfrage von Haushaltskunden kann zur Stabilisierung der Netze beitragen. So sehen knapp die Hälfte (49 Prozent) der befragten Energiemarktexperten im Einsatz von Smart Metern ein geeignetes Mittel, um den Stromverbrauch von Haushalten bei Höchstlast zu reduzieren. Smart Meter sind "intelligente" Stromzähler, die den Haushalten anzeigen, zu welchen Zeiten Strom besonders günstig zur Verfügung steht. Sie können so dazu beitragen, den Stromverbrauch in nachfrageschwache Zeiten zu verlagern. Wenig optimistisch sind die Experten, dass Informations- und Werbekampagnen zielführend wären. Lediglich 30 Prozent von ihnen können sich vorstellen, dass den Haushalten durch Werbung ein anderes Verhalten beim Stromverbrauch abgerungen werden kann, um Lastspitzen zu vermeiden. (30.01.2012/ac/n/m)


