"Ob sich der Markt in China wieder grundsätzlich ins Positive gedreht hat, lässt sich derzeit nicht seriös vorhersagen", sagte Vossloh-Vorstandschef Werner Andree der "Financial Times Deutschland" (Mittwochausgabe). Der Monat Juni sei für Vosslohs China-Geschäft sehr stark gewesen. Juli und August aber wieder etwas schwächer ausgefallen.
Im vergangenen Jahr hatte Vossloh mehrmals die Prognose für Umsatz und Gewinn senken müssen, unter anderem weil das Geschäft in China hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Das Land hatte nach einem schweren Zugunfall und Korruption im Eisenbahnministerium den Bau von Strecken gestoppt. Deshalb wurden etwa Schienenklemmen, die Vossloh produziert, nicht mehr bestellt.
"Die Hochgeschwindigkeitsstrecken werden in einigen Jahren gebaut sein", sagte der Manager mit Blick auf die künftige Entwicklung. Nun rücke die Infrastruktur für den Nahverkehr in den Vordergrund. Aber auch in China gebe es keine unbegrenzten Investitionen des Staates. Der Manager glaubt daher nicht, dass Vossloh in China wieder Umsätze wie im Rekordjahr 2010 erreichen wird. Vor zwei Jahren hatte der China-Umsatz rund zehn Prozent an den Gesamterlösen von gut 1,3 Milliarden Euro ausgemacht.
Um weiter wachsen zu können, arbeitet der Manager auch an Übernahmen. "Im Moment sind wir im Prozess einer näheren Prüfung, bei der es um etwas Größeres geht." Genauere Angaben, wann es zum Deal kommen könnte, machte er nicht. "Es gibt vielversprechende Regionen, in denen wir unterrepräsentiert sind - vor allem in Südamerika, wo wir jetzt mit kleineren Akquisitionen Fuß fassen wollen, Nordamerika und Südafrika", sagte Andree. Zudem gebe es zunehmend Projekte in Asien, die aber wohl den Rückgang in China nicht ganz ausgleichen könnten.
Zu den Ambitionen des Vossloh-Großaktionärs und Milliardärs Heinz Hermann Thiele wollte sich Andree nicht weiter äußern. Man habe "zur Kenntnis genommen", dass Thiele die Schwelle von 20 Prozent der Anteile überschritten habe und Einfluss auf Managementpositionen bei Vossloh nehmen wolle. Thiele sei ein wichtiger Aktionär und der Vorstand habe auch schon Gespräche mit ihm geführt."Dabei ging es aber nicht um die Geschäftsentwicklung. Das wäre schon aus Insidergründen gar nicht gestattet". Thiele habe schließlich angekündigt, noch weitere Aktien kaufen zu wollen.
Thiele kauft seit dem Frühjahr 2011 im großen Stil Aktien des sauerländischen Unternehmens und hat sich abseits von Pflichtmitteilungen recht bedeckt über seine Motive für den Einstieg gehalten. Thiele ist Eigentümer des Bremssystemherstellers Knorr-Bremse und hatte den Einstieg als langfristige und strategische Investition bezeichnet. Die Gründerfamilie von Vossloh, die als größter Aktionär im Besitz von 34 Prozent der Anteile an dem Unternehmen ist, will nach eigenen Bekunden nicht an Thiele verkaufen. Im März hatte das Bundeskartellamt grünes Licht für eine Minderheitsbeteiligung von Thiele gegeben.
HAMBURG (dpa-AFX)