10.12.2014 17:00
Bewerten
(2)

Frauenschwund: Ein statistischer Fehler

Zum Thema Frauenquote: Frauenschwund: Ein statistischer Fehler | Nachricht | finanzen.net
Zum Thema Frauenquote
Die gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent für die Kontrollgremien der großen Unternehmen in Deutschland ist beschlossene Sache. Doch gibt es rein statistisch gesehen überhaupt genügend geeignete Bewerberinnen?
€uro am Sonntag
von Katharina Schüller, Gastautorin von Euro am Sonntag

Warum schaffen es Frauen seltener als Männer, einen einmal ergatterten Vorstandsposten zu behalten? Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG schlussfolgert aus einer Befragung, dass es dafür einen "Mann plus" brauche - Frauen mit dem gleichen Profil wie Männer und zudem typisch weiblichen Kompetenzen. Dabei gebe es nicht einmal genug geeignete Frauen, selbst wenn man auf den Plus-Faktor verzichte. "Wegen des öffentlichen Drucks versuchen Unternehmen zunehmend, Frauen in sichtbare Top-Positionen zu bringen. Oft sind das Quereinsteigerinnen, die schnell Karriere gemacht haben", schreibt die "Süddeutsche Zeitung", und Studienautor Christoph Lesch von Simon-Kucher & Partners vermutet, "da war dann offensichtlich manchmal das Geschlecht wichtiger als die beste fachliche Eignung".

Lesch will herausgefunden haben, dass die aus dem DAX 30 ausgeschiedenen weiblichen Vorstände im Schnitt lediglich drei Jahre im Amt waren, ihre männlichen Kollegen hingegen acht Jahre und somit fast dreimal so lang. Kein Wunder, dass angesichts des kollektiven weiblichen Versagens die Organisationen, so KPMG, den potenziellen "Flurschaden" befürchten, "der aus einer Beförderung unerfahrener Frauen in den Vorstand oder Aufsichtsrat resultieren könnte".

"Jeder Statistiker weiß, dass systemisch irgendetwas schiefläuft, wenn acht von insgesamt 17 weiblichen Vorständen nach nicht mal der Hälfte ihrer Vorstandsperiode ausscheiden", analysierte Thomas Sattelberger, Ex-Personalvorstand der Deutschen Telekom.­ Ein nicht näher genannter Teilnehmer der KPMG-Studie spricht sogar von "sieben von zehn Frauen".

Tatsächlich läuft systemisch etwas schief - und zwar bei der "Statistik", auf die der Skandal um die Frauenquote aufbaut. Lesch untersuchte DAX-30-Vorstände seit dem Jahr 2000. Erst ab 2007 begannen DAX-Unternehmen, Frauen zunehmend in ihren Vorstand zu berufen. Vor Bettina von Oesterreich gab es nur vereinzelt weibliche Gastspiele. Keine Frau hat die Chance, bis heute schon seit acht Jahren im Amt zu sein, wenn es erst seit sieben Jahren Frauen in den Vorständen gibt.

Von extern berufene Vorstände
scheiden rascher wieder aus

Ein fairer Vergleich, den wir zusammen mit der Initiative FidAR - Frauen in die Aufsichtsräte - angestellt haben, analysiert nur die DAX-30-Unternehmen ab 2007 und dort auch nur die neu berufenen Vorstände. Schon ändert sich das Bild gewaltig. Ausgeschiedene Männer waren im Schnitt 3,2 Jahre lang aktiv, Frauen 2,7 Jahre - sechs Monate weniger. Das Geschlecht hängt also nach wie vor mit der Überlebensdauer im Vorstand zusammen,­ aber ist es die Ursache? Korrelation und Kausalität zu verwechseln, ist schließlich einer der Lieblingsfehler im Umgang mit Statistik.

Ursachenforschung zeigt: Es besteht vielmehr ein Zusammenhang zwischen der Erfahrung im Unternehmen und der Verweildauer im Vorstand. Von extern berufene Vorstände scheiden rascher wieder aus. Dies gilt insbesondere für das Personalressort, das besonders gute Unternehmenskenntnisse und interne Netzwerke verlangt. Simone Menne, Finanzvorstand der Lufthansa AG, bestätigt gegenüber der "Welt": "Das Personalressort ist das schwierigste Ressort überhaupt." Es lässt sich nachweisen, dass gerade die Kombination aus Personalressort und Quereinstieg häufig "tödlich" verläuft, für Männer genauso wie für Frauen. Hingegen spielen Alter und Ausbildung, die Rückschlüsse zulassen auf die fachliche Eignung und das Aufstiegstempo, statistisch gesehen keine Rolle.

Es ist eine Tatsache, dass weibliche Vorstände zu 60 Prozent von extern berufen wurden, männliche hingegen nur zu 40 Prozent. Jede zweite Frau übernahm das Personalressort, aber nur jeder zehnte Mann. Was wäre, wenn Männer und Frauen gleiche Voraussetzungen hätten? Wer die Statistik des Überlebens in einem DAX-30-Vorstand um die Faktoren "Personalressort" und "Quereinstieg" bereinigt, stellt fest: Es gibt keine signifikanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Im Vorstand erfolgreich zu sein ist deshalb keine Frage des Geschlechts, sondern es hängt neben individuellen Einflüssen systematisch von der persönlichen Verankerung im Unternehmen ab. Das gilt ganz besonders für Personalvorstände.

Unter den vier seit Oktober bestellten Frauen sind zwei Quereinsteigerinnen, eine von ihnen im Personalressort. Wir dürfen ­gespannt sein.

Kurzvita

Katharina Schüller, Geschäftsleiterin
und Gründerin von STAT-UP

Schüller studierte Psychologie und Statistik in Dresden und München sowie Management an der Bayerischen Elite­Akademie. Seit 2003 ist sie mit dem von ihr gegründeten und geleiteten ­Unternehmen STAT-UP (München, Madrid, London) im Statistical Consulting für Unternehmen und in der Wissenschaft tätig. Sie ist Verfasserin einschlägiger Publikationen zur angewandten Statistik, Lehrbeauftragte an mehreren Hochschulen und wöchentlich als ­Statistikexpertin im Deutschlandradio zu ­hören.

Bildquellen: OPOLJA / Shutterstock.com, Peshkova / Shutterstock.com
Anzeige

Nachrichten zu Deutsche Telekom AG

  • Relevant
    3
  • Alle
    5
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Deutsche Telekom AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
13:31 UhrDeutsche Telekom overweightJP Morgan Chase & Co.
08:26 UhrDeutsche Telekom Conviction Buy ListGoldman Sachs Group Inc.
27.06.2017Deutsche Telekom Neutralequinet AG
23.06.2017Deutsche Telekom market-performBernstein Research
22.06.2017Deutsche Telekom buyUBS AG
13:31 UhrDeutsche Telekom overweightJP Morgan Chase & Co.
08:26 UhrDeutsche Telekom Conviction Buy ListGoldman Sachs Group Inc.
22.06.2017Deutsche Telekom buyUBS AG
19.06.2017Deutsche Telekom Conviction Buy ListGoldman Sachs Group Inc.
14.06.2017Deutsche Telekom overweightJP Morgan Chase & Co.
27.06.2017Deutsche Telekom Neutralequinet AG
23.06.2017Deutsche Telekom market-performBernstein Research
21.06.2017Deutsche Telekom Neutralequinet AG
19.06.2017Deutsche Telekom market-performBernstein Research
06.06.2017Deutsche Telekom Neutralequinet AG
24.05.2017Deutsche Telekom verkaufenJefferies & Company Inc.
09.05.2017Deutsche Telekom UnderperformJefferies & Company Inc.
09.03.2017Deutsche Telekom UnderperformMacquarie Research
13.02.2017Deutsche Telekom UnderperformJefferies & Company Inc.
03.11.2016Deutsche Telekom UnderperformJefferies & Company Inc.

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Deutsche Telekom AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Stabile Dividendenaktien gehören in jedes Depot!

Die Investition in ausgewählte Blue-Chip-Dividendenaktien gehört zu den sichersten Strategien, um an den Aktienmärkten langfristig ein Vermögen aufzubauen. Dividendenaktien von hochkapitalisierten Unternehmen werfen langfristig höhere Renditen als der Gesamtmarkt ab und bieten einen guten Schutz in unsicheren Börsenzeiten. Wir stellen im aktuellen Anlegermagazin drei Aktien mit stabilen und attraktiven Dividendenrenditen vor.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX im Minus -- Dow Jones im Plus -- Analyse belastet HeidelDruck-Aktie -- Deutscher Bank drohen wohl 60 Millionen Dollar Verlust -- RWE, Nestlé, Facebook im Fokus

EZB fühlt sich wohl missverstanden bei Draghi-Äußerungen. Geschäfte mit Sojabohnen beflügeln Monsanto. Buffett kritisiert Entwurf für Obamacare-Umbau. Hella-Aktie unter Druck. Bundesbank-Vorstand Dombret sieht Immobilienboom in Deutschland mit Sorge. ProSiebenSat.1 verkauft Media-for-Equity-Beteiligungen. Analystenkommentar schickt Aurubis-Aktie wieder abwärts. Delivery Hero angeblich in oberer Hälfte der Preisspanne.

Top-Rankings

Die reichsten Länder der EU
Das sind die reichsten Länder der EU
KW 25: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
KW 25: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten

Umfrage

Von wem lassen Sie sich bei Entscheidungen über Ihre Geldanlage beraten?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
CommerzbankCBK100
Deutsche Bank AG514000
Fresenius SE & Co. KGaA (St.)578560
Daimler AG710000
Apple Inc.865985
Schaeffler AGSHA015
VapianoA0WMNK
TeslaA1CX3T
E.ON SEENAG99
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Nordex AGA0D655
Deutsche Telekom AG555750
EVOTEC AG566480
Amazon906866
Nestlé SA (Nestle)A0Q4DC