26.03.2013 10:28
Bewerten
 (8)

Coeure kritisiert Dijsselbloem nach Zypern-Aussagen

Zypern als Vorbild?
EZB-Direktor Benoit Coeure hat Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem für sein Interview zur Zypernrettung kritisiert, das am Montag für heftige Kursbewegungen gesorgt hat.
"Ich denke, Herr Dijsselbloem lag falsch mit dem, was er da sagte. Die Erfahrung von Zypern ist kein Modell für den Rest der Eurozone", sagte Coeure dem französischen Radiosender Europe 1. "Es war eine Lösung für eine Lage, die verzweifelt geworden ist. Ich sehe keinen Grund, warum diese Methoden woanders angewendet werden sollte."

Der niederländische Finanzminister hatte einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters und der Financial Times den Eindruck vermittelt, dass die im Falle Zyperns angewendete Beteiligung von Guthaben über 100.000 Euro ein Beispiel für künftige Rettungsprogramme sein könnte. Das hatte schwere Verluste bei Bankaktien zur Folge. Danach versuchte Dijsselbloem die Wogen zu glätten, legte aber am späten Montagabend im niederländischen Fernsehen nach. Bei der Rettung von Banken sollten nicht alle Risiken von den Steuerzahlern getragen werden. "Anteilseigner, Anleihenbesitzer und Kontoinhaber können ebenfalls ihren Teil leisten", sagte Dijsselbloem in der Talkshow Pauw & Witteman. "Diese Linie kann ich verteidigen, auch wenn es der Finanzsektor nicht gerne hört."

Währungshüter Coeure versicherte, dass die europäische Zentralbank die zyprischen Banken mit Liquidität versorgen werde. Die EZB habe Vertrauen in das Versprechen des Finanzministers, die Geldhäuser zu rekapitalisieren.

Die Gefahr einer Ansteckung anderer Euroländer durch Zypern sieht der EZB-Direktor nicht. Das Land sei in einer spezielle Situation, die nicht auf andere Euroländer übertragen werden könne. "Die Situation in Zypern ist sehr speziell und die Banken in anderen Euroländern haben nicht die gleichen Probleme", sagte Coeure. Zypern sei das einzige Steuerparadies im Euroraum.

Seinem Heimatland Frankreich riet der Notenbanker, die Staatsausgaben zu senken anstatt Steuern zu erhöhen. Die Wirtschaft werde sich 2013 nur langsam erholen. Das Wachstum sei aber zu niedrig, damit die Arbeitslosigkeit ab Ende des Jahres zurückgeht, wie es die französische Regierung voraussagt.

  (Paris) Dow Jones Newswires

Bildquellen: carballo / Shutterstock.com
Artikel empfehlen?

Heute im Fokus

DAX schließt nach Rekord über 1 Prozent im Minus -- US-Börsen schwach -- Heidelberger Druck nach Zukauf an SDAX-Spitze -- Ukraine: Notenbank hebt Leitzins drastisch an -- Apple, RWE, Merck im Fokus

US-Automarkt verliert im Februar etwas an Fahrt. Dänemarks Notenbank kämpft mit massiven Interventionen gegen Kronen-Aufwertung. Air Berlin kündigt Umbau und Billigtarif an. BMW-Chef kündigt weiteren Absatzrekord in 2015 an. Schweizer Wirtschaft wächst Ende 2014 doppelt so stark wie erwartet. Deutsche Finanzexperten halten Grexit für immer wahrscheinlicher.
Wer besitzt wieviel Vermögen?

Diese Aktien sind auf den Verkauflisten der Experten

Diese Unternehmen werden die meisten Jobs streichen

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Wissenswertes rund um die Investorenlegende

Welche Titel entwickelten sich im Jahr 2014 am besten?

Diese Artikel waren auf finanzen.net 2014 am beliebtesten

Hier ist der Schuldenstand besonders hoch

Mit welchen Techniken sparen Weltkonzerne Steuern?

mehr Top Rankings

Umfrage

Die EU will den Verbrauch von Plastiktüten begrenzen. Unterstützen Sie solche Pläne?