17.10.2017 10:00
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"Wir befinden uns im frühen Stadium der Robotik-Revolution" - Tom Riley, Fondsmanager des AXA WF Framlington Robotech

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Tom Riley, Fondsmanager bei AXA Investment Managers, spricht im Interview über die Robotik und passende Investitionsmöglichkeiten.

Wie werden Roboter in den nächsten 5 bis 20 Jahren unser Leben verändern? Kommt es zu einer Robotik-Revolution?

Tom Riley: Durch die Robotik haben sich schon heute viele Aspekte unserer Arbeit und unseres täglichen Lebens grundlegend geändert. Als Folge des technologischen Fortschritts können Roboter inzwischen komplizierte und sensible Tätigkeiten verrichten und zudem auch auf sichere Weise Hand in Hand mit Menschen arbeiten. Ein höherer Automatisierungsgrad bringt höhere Präzision und Qualität in der Produktion mit sich, aber auch Kostenvorteile und eine sicherere Arbeitsumgebung.

Viele Menschen denken zuerst an Star Wars und ähnliche Science-Fiction-Welten, wenn sie an Roboter denken. Wie definieren Sie den Begriff?

Tom Riley: Als langfristig orientierte Aktieninvestoren schauen wir besonders auf Bereiche, in die wir über viele Jahre hinweg investieren können, wenn wir an Automatisierung und Robotik denken. Dabei konzentrieren wir uns vor allem auf drei Segmente, in denen die entsprechenden Technologien zunehmend häufiger Anwendung finden: die Automatisierung der Industrie, den Transportsektor und das Gesundheitswesen. Wichtig ist dabei, dass unsere Strategie auch in Aktien von Unternehmen investiert, die derartige Entwicklungen durch ihre Technologien ermöglichen - zum Beispiel Software, Sensoren, Halbleiter und das Internet der Dinge.

Warum ist es eine gute Idee, jetzt in Robotik zu investieren?

Tom Riley: Weil wir uns noch in einem frühen Stadium der Robotik-Revolution befinden. Experten erwarten, dass der Robotik-Markt bis ins Jahr 2025 jährlich um 10 bis 15 Prozent wächst. Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die für eine positive Entwicklung des Sektors sprechen. Roboter sind günstiger als früher - und zudem leichter zu programmieren. Sie sind präziser, zuverlässiger und effizienter und werden damit für immer mehr Einsatzbereiche interessant. Gleichzeitig schrumpft die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter in vielen Ländern, beispielsweise in China oder Japan. Automatisierung wird dadurch im Grunde zu einer Notwendigkeit.

Ist der Sektor zu klein, um eine ausreichende Diversifikation zu gewährleisten?

Tom Riley: Immer mehr Anleger erkennen das langfristige Potenzial der Robotik. Angesichts gleich mehrerer Teilbereiche, die noch für Jahrzehnte wachsen könnten - vom autonomen Fahren bis hin zur robotergestützten Chirurgie - wird Robotik zunehmend als gangbares Investmentthema auch für professionelle Investoren anerkannt. Das Anlageuniversum umfasst etwa 350 börsennotierte Aktien und wächst weiter. Es bietet ausreichende Diversifikation im Hinblick auf die regionale und sektorale Streuung, aber auch mit Blick auf verschiedene Marktkapitalisierungsbereiche.

Besteht die Gefahr einer Robotik-Blase, analog zur Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende?

Tom Riley: Als Aktieninvestoren konzentrieren wir uns darauf, langfristige Wachstumschancen der Robotik zu identifizieren. Dabei versuchen wir kurzlebige Trends und schmale Nischen zu meiden. Wir sind uns bewusst, dass ein Hype entstehen kann, und in der Vergangenheit gab es immer wieder Zeiten, in denen disruptive Technologien hoch bewertet wurden - ein vergleichsweise aktuelles Beispiel dafür ist der 3D-Druck. Dieses Segment durchlief in den Jahren 2012 bis 2014 eine Phase, in der die Wachstumserwartungen einfach zu hoch waren. Letztlich floss zu viel Kapital in den Sektor, und die Performance blieb hinter den Erwartungen zurück. Im Einklang mit unserer Investmentphilosophie haben wir den Hype damals allerdings nicht mitgemacht, weil wir die Technologie noch nicht für marktreif hielten. Hinzu kommt, dass die Gewinnmarken unseres Portfolios im Mittel über der Durchschnittsmarge des MSCI All Country World Index liegt. Das ist ein gravierender Unterschied zur Dotcom-Euphorie vor zwei Jahrzehnten.

Hier erfahren Sie mehr zum Thema Robotik-Revolution.

Was sind die wichtigsten Themen und Sektoren für den AXA WF Framlington Robotech?

Tom Riley: In der Industrie war der Einsatz von Robotern traditionell auf den Automobil- und Luftfahrtsektor beschränkt. Durch den technologischen Fortschritt gib es nun allerdings viel Potenzial in neuen Märkten - beim Testen von Halbleitern oder im Nahrungsmittelsektor etwa. Durch die Entwicklung fortgeschrittener Sensoren und Prozessoren im vergangenen Jahrzehnt wurde zudem der Einsatz sogenannter "Co-Bots" ermöglicht, die gemeinsam mit Menschen arbeiten.

Im Transportsektor werden immer öfter Software und Halbleiter eingesetzt. Lange Entwicklungs- und Produktionszyklen ermöglichen hier zudem eine vergleichsweise hohe Gewissheit über die künftige Entwicklung des Geschäfts von Zulieferern. Im Gesundheitswesen konzentrieren wir uns auf zwei Bereiche: die robotergestützte Chirurgie und die Nutzung von Daten zur Verbesserung des Behandlungserfolgs.

Können Sie uns einige für Investoren interessante Namen nennen?

Tom Riley: Wie gesagt, wächst im Gesundheitsbereich vor allem die robotergestützte Chirurgie stark. Dominiert wird das Feld derzeit von Intuitive Surgical, dem Hersteller des robotergestützten Da-Vinci-Operationssystems. Das Unternehmen ist in den vergangenen zwei Jahren um durchschnittlich etwa 13 Prozent gewachsen. Die Marktkapitalisierung der Aktie liegt inzwischen bei etwa 35 Milliarden US-Dollar. Die Da-Vinci-Roboter haben allein im Jahr 2016 750.000 Operationen ausgeführt.

In anderen Bereichen dürfte sich die Robotik ebenfalls als Segen für Unternehmen darstellen, weil sie es ihnen ermöglicht, immer effizienter und produktiver zu werden. Ein Beispiel dafür ist der US-amerikanische Konzern Cognex, ein an der Börse mit etwa acht Milliarden US-Dollar bewerteter Hersteller von Bildverarbeitungssystemen für Industrie und Logistik. Wir haben im Jahr 2015 in die Aktie investiert, weil wir festgestellt hatten, dass die immer besseren Bildverarbeitungssysteme zunehmend in der industriellen Produktion zum Einsatz kamen. Das Unternehmen hat in den vergangenen drei Jahren ein jährliches Umsatzwachstum von etwa 14 Prozent gemeldet und verfügt über eine sehr vielversprechende Pipeline, weil es in neue Bereiche expandiert.

Wie zufrieden sind sie mit der Entwicklung Ihres Fonds? Welche Performanceziele gibt es?

Tom Riley: Wir haben uns mit unserem Themenfonds eine langfristige Outperformance im Vergleich zum breiten Aktienmarkt zum Ziel gesetzt. Die Performance der Robotech-Strategie war seit ihrer Lancierung im Dezember 2015 mit einem absoluten Plus von 30 Prozent nach Kosten und einer Outperformance gegenüber dem MSCI All Country World Index sehr stark. Zurückzuführen ist das im Wesentlichen auf unsere Aktienauswahl in Kombination mit einer starken Performance des Technologie-Sektors insgesamt. Dieser macht etwa 45 Prozent unserer Strategie aus.

Profitiert haben wir seit der Lancierung der Strategie zudem von fünf Fusionen beziehungsweise Übernahmen. Diese stützten einerseits die Performance und gaben uns andererseits einen Hinweis darauf, dass Robotik-Unternehmen auch für Großkonzerne zunehmend interessanter werden.

Können Sie die Bewertung des Robotik-Sektors insgesamt kommentieren?

Tom Riley: Unserer Ansicht nach rechtfertigt das starke Wachstum des Sektors die Outperformance im bisherigen Jahresverlauf. Mit Blick auf die zukünftig zu erwartenden Gewinne ergibt sich für unsere Strategie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 20,2. Das KGV des Gesamtmarktes liegt bei 16,1. Unsere Strategie wird auf dieser Basis also mit einem Aufschlag von etwa 25 Prozent gehandelt. Wir ziehen zur Bewertung allerdings lieber eine andere Kennzahl heran, bei der wir das Enterprise Value (EV) durch den Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (EBITDA) teilen. Auf dieser Basis ergeben sich Werte von 15,9 für unsere Strategie und 13,6 für den Gesamtmarkt. Der Unterschied liegt also lediglich bei 17 Prozent. Angesichts der hervorragenden Wachstumsaussichten des Sektors fühlen wir uns damit wohl. Die Aktien im Portfolio unseres Fonds haben in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt ein Umsatzwachstum von 8,3 Prozent pro Jahr verzeichnet. Der Gesamtmarkt brachte es nur auf 3,6 Prozent - also nicht einmal halb so viel.

FinTechs werden immer populärer. Werden auch Fondsmanager irgendwann durch Roboter ersetzt?

Tom Riley: Wer weiß? Ganz fest glaube ich allerdings daran, dass man einen aktiven Fondsmanager braucht, um erfolgreich Zugang zu neuen Wachstumsfeldern wie der Robotik zu finden. Immerhin gibt es praktisch keine etablierten Benchmarks. Aktuell sehen wir Robo Advisors jedenfalls eher als mögliche Investmentchance denn als Konkurrenten unserer Strategie.

Hier erfahren Sie mehr zum Thema Robotik-Revolution.

Bildquellen: AXA Investment Managers
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