17.09.2017 15:10
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Golfstaaten: Dubai setzt jetzt auf Digitalisierung

Euro am Sonntag-Aktien-Tipps: Golfstaaten: Dubai setzt jetzt auf Digitalisierung | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Aktien-Tipps
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Im Bestreben, unabhängiger vom Erdöl zu werden, setzt Dubai auf neue Technologien. Egal, ob autonomes Fahren, Fintech oder Polizeiroboter - das Scheichtum will Vorreiter bei der Transformation sein.
€uro am Sonntag
von Gérard Al-Fil, Euro am Sonntag

Selbst fliegende Taxis. ­Roboter, die in der Bankfiliale Kunden begrüßen. Hightechbrillen, mit denen Investoren noch nicht gebaute Villen begehen und bei Gefallen gleich den passenden Bankkredit per Augenzwinkern beantragen können. Zukunftsmusik? Mitnichten. In ­Dubai soll das alles im laufenden Jahr Realität werden - wenn es nicht schon existiert.


Die Scheichs haben es eilig mit dem digitalen Wandel. Der Preis für Öl pendelt seit einiger Zeit beharrlich um die Marke von 50 Dollar je Barrel (159-Liter-Fass). Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), zu denen auch Dubai gehört, benötigen laut Internationalem Währungsfonds (IWF) jedoch einen Preis von 67 Dollar, um einen ausgeglichenen Staatshaushalt zu erreichen. Nach IWF-Schätzung wird das Barrel Öl aber auch 2018 nicht mehr als 55 Dollar kosten.

Das letzte Fass Öl feiern

Mohammed Bin Raschid, Premierminister der VAE und Emir von Dubai, schwört die zwei Millionen Einwohner des Emirats daher auf das digitale Zeitalter ein: "Damit wir 2050 das letzte Fass Öl verschiffen und dies auch feiern können", so der Scheich.

"Der Wille der VAE-Regierung, die Volkswirtschaft zu diversifizieren und ­neben Öl neue Wege zu finden, führt automatisch zu Themen der Digitalisierung in einem Land, in dem traditionell Öl und Gas gefördert werden", erläutert Dietmar Siersdorfer, Chef der Region Middle East bei Siemens.



Beispiele dafür gibt es viele. So entwickelt der Münchner Technologiekonzern mit Dubais Verkehrsbehörde RTA eine Nahverkehrs-App fürs Smartphone. Reisenden soll sie etwa den kürzesten Weg vom Flughafen zur künstlichen Insel The Palm zeigen und zugleich passende Bahn- und Tramtickets liefern.

Wenn die Reisenden nicht die Taxidrohne nehmen. Bis Ende 2017 soll der Volocopter, made in Germany im baden-württembergischen Bruchsal, Passagiere ohne Pilot befördern. Erste Tests der selbst fliegenden Vehikel in extremer Sommerhitze waren bereits erfolgreich.

Aber nicht nur in der Luft, auch auf den Straßen Dubais kommt das autonome Fahren. Mohamed Alabbar, Chef des Bauentwicklers Emaar, der mit dem Burj Khalifa das welthöchste Gebäude gebaut hat, schwärmt bereits, dass man die Parkgaragen in Bürogebäude umwandeln werde, sobald auf Dubais Straßen selbstfahrende Autos unterwegs seien, die hin und her pendeln, statt geparkt zu werden.

Ehrgeiz bei der Digitalisierung zeigt Dubai nicht nur im Verkehr. So hat der deutsche Softwareriese SAP mit Emirates NBD, der größten Bank Dubais, die eingangs erwähnte Brille mit Hololens-Technologie entwickelt, um Luxusvillen bereits vor der Fertigstellung zu vermarkten. Derlei Innovationen scheinen auch nötig; dem Makler JLL zufolge sanken die Immobilienpreise im zweiten Quartal um 6,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Eine virtuelle Einkaufsbrille, mit der Kunden online shoppen können, entwickelt gerade Mastercard in Dubai. Und ein Roboter namens Pepper begrüßt in der Filiale von Emirates NBD im noblen Geschäftsturm Emirates Towers die Kunden. Er informiert und zeigt auf seinem Monitor unter anderem neue Kreditkartenoptionen.

Und die Polizei stellte gerade den ersten Robocop in Dienst. Er schießt nicht scharf wie sein Namensvetter aus Hollywood, sondern filmt in den Straßen rund um den Burj-Khalifa-­Wolkenkratzer und sendet die Bilder in Echtzeit an die Einsatzzentrale der Polizei. Mit ihrer ­Digitalstrategie verfolgen die Scheichs also auch handfeste ­sicherheitspolitische Ziele.

Start-ups fördern

Die Proteste in Kairo, die 2011 zum Sturz von Ägyptens Präsident Hosni Mubarak führten, haben die Scheichs genau untersucht. Ein Vorwurf der jugendlichen Massen an Mubaraks ­Regime: Es sei ein rückwärts­gewandter Papiertiger, dessen Politiker nicht mal in sozialen Netzwerken auftauchten. Dubais Regent Scheich Mohammed war der erste Premier am Golf, der Profile bei Twitter und Facebook einrichtete und seitdem dort über Projekte informiert.

Eines davon ist der Fintech Hive - englisch für Bienenstock - in der Finanzfreihandelszone DIFC, mit dem Start-ups in Feldern wie künstliche Intelligenz und Blockchain gefördert werden. Die Banken Citi, HSBC und Standard Chartered unterstützen das Projekt. Die 32 Start-ups aus der MENA-Region, also Nahost und Nordafrika, kommen so im Hive mit potenziellen Investoren zusammen. "2016 wurden weltweit Fintech-­Deals über 23 Milliarden Dollar abgeschlossen, und 70 Prozent der Menschen im MENA-Raum haben noch keine Bankbeziehung. Fintech hat sehr viel Potenzial in der Region", so Hive-­Leiterin Raja Al-Mazrouei.

Rund 29 Prozent steuert der Rohstoff Öl heute noch zur Wirtschaftsleistung der VAE bei. Zum Vergleich: In Kuwait sind es 60 Prozent. Auch in diesem Sektor schlägt sich also der digitale Wandel nieder.

Expo 2020 als Bühne nutzen

"Wir planen mit Siemens-­Technologie, ganze Ölanlagen mit 3-D-Scannnern zu erfassen", sagt Siersdorfer. Denn nach einigen Jahren Nutzung, Ausbauten und Renovierungen sehen diese nicht mehr so aus wie bei der Einweihung. Bei der Überwachung sensibler Stellen sieht er viel Potenzial: Bereiche, die der Mensch nicht betreten kann, wohl aber ein Roboter, der die Bilder in die virtuelle Brille des Ingenieurs überträgt.

In drei Jahren ist Dubai Gastgeber der Weltausstellung. Siemens nimmt als Premiumpartner an der Expo 2020 teil. Danach will der ­Konzern mit seiner Dubai-­Niederlassung aufs Expo-Gelände übersiedeln. Dieses liegt zwischen dem Frei­hafen und dem neuen Airport Al Maktoum, der bei vollem Ausbau zum weltgrößten Flughafen werden soll. Dass die ­Passagiere dort dann von Ro­botern begrüßt und eingecheckt werden, gilt bei den Scheichs sicherlich schon als ausgemacht.

Investor-Info

Siemens
Spitze in der Digitalisierung

Der Konzern ist in der Industriedigitalisierung mit seiner Softwareplattform Mindsphere weltweit führend. Die jüngsten Zahlen des DAX-Titels fielen vor allem wegen der Kraftwerkssparte etwas schwächer aus. Das Geschäftsjahr bis Ende September soll aber laut Chef Joe Kaeser ein "weiteres operatives Rekordjahr" werden. Der geplante Börsengang der Medizintechnik birgt Fantasie.

Magna MENA Fund
Beimischung für Mutige

Mit dem Fonds investieren Anleger in Aktien von Firmen aus der MENA-Region, also Nahost und Nordafrika. Saudi-Arabien ist derzeit mit gut 50 Prozent am höchsten gewichtet, knapp 20 Prozent entfallen auf die Vereinigten Arabischen Emirate. Top-Fonds für die Region, der auch im Offensiven Musterdepot von €uro am Sonntag enthalten ist.

Bildquellen: hainaultphoto / Shutterstock.com, Parrot SA
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