19.06.2017 13:57
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Starmanager Gebhardt: "Eine kleine Korrektur schadet nie"

Euro am Sonntag-Interview: Starmanager Gebhardt: "Eine kleine Korrektur schadet nie" | Nachricht | finanzen.net
Henning Gebhardt
Euro am Sonntag-Interview
Henning Gebhardt » "Mister Aktie" will bei der Privatbank Berenberg seine Aktien-Expertise zum Aufbau neuer Fonds einsetzen. Seine Favoriten, seine DAX-Prognose.
€uro am Sonntag
von Andreas Hohenadl, €uro am Sonntag

Rund 20 Jahre stand Henning Gebhardt der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank zu treuen Diensten. Zuletzt war er globaler Aktienchef und saß in der Geschäftsleitung. Außerdem managte er mit dem Investa und dem DWS Aktien Strategie Deutschland zwei Flaggschifffonds des Hauses. Der Diplom-Kaufmann ist einer der wenigen Starmanager, die Deutschland zu bieten hat.

Entsprechend groß war das Medien­echo, als der 49-Jährige im Sommer vergangenen Jahres seinen Abschied von der Deutschen Asset Management verkündete. "Mister Aktie", wie Gebhardt zuweilen genannt wird, suchte eine neue Herausforderung - und fand sie bei der Hamburger Privatbank Berenberg.

Seit Januar ist er dort Leiter Wealth and Asset Management und Mitglied der erweiterten Geschäftsführung. Da er in der Frankfurter Niederlassung arbeitet, bleibt er seinem gewohnten Umfeld treu und kann zum Beispiel weiterhin den Nachwuchs beim Homburger Golfclub betreuen. Die Zeit dafür wird freilich knapp bemessen sein, denn Gebhardt soll bei Berenberg den Bereich Vermögensverwaltung ausbauen. Die Bank will künftig deutlich mehr Publikumsfonds anbieten.

Das Personal dazu rekrutieren Gebhardt und Co auch bei der Konkurrenz. Zum Beispiel Matthias Born, der bei Allianz Global Investors den Deutschland-Fonds-Klassiker Concentra lenkte. Born wird im Oktober seinen Dienst bei Berenberg antreten.

€uro am Sonntag: Herr Gebhardt, nach 20 Jahren bei der Fondstochter der Deutschen Bank sind Sie Anfang des Jahres als Anlagechef zur Hamburger Privatbank Berenberg gewechselt. Was reizt Sie an diesem Neuanfang?
Henning Gebhardt: Zunächst einmal das Arbeitsumfeld in einem kleineren Haus. Hier sind die Entscheidungswege einfach deutlich schneller. Vor allem aber auch das Unternehmerische. Wir wollen hier eine Plattform für weitere Portfoliomanager aufbauen und damit unsere Aktienexpertise stärker in den Vordergrund rücken. Im Bereich des Aktienresearchs ist Berenberg ja bereits eine etablierte Adresse. Nun wollen wir versuchen, auch mit aktiv gemanagten Aktienfonds den Geschmack der Kunden zu treffen.

Mit was beschäftigen Sie sich aktuell?
Ich baue das Investmentteam für die ­geplanten Fonds aus und bereite die neuen Portfolios vor. Das ist mit vielen technischen Dingen verbunden. Aber die müssen funktionieren, bis die neuen Teams kommen.

Zu den neuen Fondsmanagern bei ­Berenberg wird bald auch Matthias Born gehören, der von Allianz GI kommt. Wie gut kennen Sie sich schon?
Die Welt der deutschen Fondsmanager ist ja leider etwas kleiner als die in London oder New York. Da kennt man sich natürlich über die Zeit, vor allem dann, wenn man sozusagen im selben Teich geschwommen ist. Matthias Born ist wie ich ein All-Cap-Manager. Das heißt, er betrachtet bei der Suche nach überdurchschnittlicher Wertentwicklung Unternehmen aller Größen. Denn oft findet man gerade bei den kleineren Titeln attraktive Chancen. Ich bin daher überzeugt davon, dass sich unsere Philosophie gut ergänzen wird.

Sie selbst gehen in diesen Tagen auch mit einem neuen Fonds an den Start?

Ja, mit dem Berenberg Aktien Strategie Deutschland.

Das klingt stark nach dem Portfolio, das Sie für Ihren vorherigen Arbeitgeber ­gemanagt haben …
Jetzt könnte ich sagen: Uns ist nichts Besseres eingefallen. Aber Spaß beiseite, natürlich setze ich mit dem Fonds meine bewährte Strategie fort. Ich habe den DWS Aktien Strategie Deutschland von 2000 bis 2016 gemanagt und den Fonds in dieser Zeit groß gemacht. Basis ist eine erfolgreiche Investmentphilosophie, die wir jetzt auch wieder anwenden werden: zum Beispiel ein hoher Nebenwerte-Anteil und eine klare Über- oder Untergewichtung bei den größeren Titeln.

Wie sehen Ihre langfristigen Ziele bei Berenberg aus?
Kunden sollen mit der Bank erfolgreiche Investmentstrategien verbinden. Wir wollen mit guter und sehr guter Performance den Bekanntheitsgrad steigern und Berenberg als erfolgreichen Assetmanager etablieren.

Nicht leicht in einer Zeit, in der passive Investments in Form von günstigen ETFs immer beliebter werden.
Mir ist um das aktive Fondsmanagement trotzdem nicht bange. Gerade mit Blick auf deutsche Aktien haben die vergangenen Jahre gezeigt: Der Markt ist sehr wohl zu schlagen. Das gilt auch für den europäischen Aktienmarkt. Viel schwieriger war es dagegen beim amerikanischen Leitindex S&P 500. Man muss jedoch sehen: Dieser Index ist in den vergangenen Jahren sehr stetig gestiegen. Es wird aber wieder Seitwärtsbewegungen oder Rücksetzer geben, und dann sind Sie in einem gut gemanagten Aktienfonds besser aufgehoben.

Sind die vergangenen Jahre den ETFs mit ihrer breiten Aufstellung entgegengekommen?
In gewisser Weise ja. Der Markt war über die vergangenen Jahre hoch korreliert. Man konnte als Fondsmanager innerhalb einzelner Sektoren kaum Akzente setzen. Im Prinzip kam es nur auf die Auswahl der Sektoren an. Das war schon sehr ungewöhnlich. Doch seit Anfang des Jahres sind die Korrelationen gefallen, und aktiven Fondsmanagern fällt es damit leichter, ihren Markt zu schlagen. Wenn sich dieser Trend fortsetzen sollte, ist mir nicht bange.

Wo sehen Sie denn derzeit die größten Chancen?
Viele langfristige Trends sind weiter intakt. Ich würde aber auch etwas anti­zyklisch sagen, man muss sich mit dem Thema Automobil auseinandersetzen. Es gibt auf der einen Seite positive Treiber wie E-Mobilität, autonomes Fahren und immer mehr Elektronik in den Fahrzeugen. Das betrifft einige Zulieferer in Deutschland, die dadurch schöne Wachstumsraten haben. Auf der anderen Seite wächst auch der klassische Auto­markt weiterhin. Ich bin der Meinung, da ist im Augenblick etwas zu viel Skepsis eingepreist, was die negativen Effekte der E-Mobilität angeht. Das kann durchaus die eine oder andere hervorragende Chance geben.

Bei Anlegern hat Europa wieder enorm an Attraktivität gewonnen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Viele internationale Investoren haben die letzten Jahre einen Bogen um Europa gemacht, weil sie die Politik nicht mehr verstanden haben und es ihnen zu unübersichtlich geworden war. Diese Wahrnehmung hat sich gewandelt - vielleicht auch, weil es mittlerweile in den USA unübersichtlich geworden ist. Zudem wurden in Europa in den ver­gangenen zwei Jahren erhebliche Fortschritte bei der Sanierung der Bankbilanzen gemacht. Da dieses Thema mittlerweile vom Tisch ist und man eine Normalisierung der Ergebnisse im wichtigen Finanzsektor sehen kann, ist die Gewinndynamik inzwischen auf einem Niveau mit den USA oder sogar darüber.

Wie beurteilen Sie die gegenwärtige ­Bewertung von Aktien?
Ich halte die Bewertung der Märkte im Moment für adäquat, sprich fair. Aufgrund des Zinsumfeldes ist das Bewertungsniveau gerechtfertigt. Probleme ergäben sich aus meiner Sicht nur, wenn die Zinsen schnell steigen. Langsam steigende Zinsen kann der Markt ver­arbeiten. Von daher machen mir die Aktienbewertungen derzeit keine Kopfschmerzen. Vor allem dann nicht, wenn die Gewinne so steigen, wie sie im ersten Quartal gestiegen sind. Das war eine super Saison und hat sicherlich das Bewertungsniveau bestätigt.

Wo sehen Sie den DAX am Jahresende?
Ich denke, dass wir noch in diesem Jahr den Anlauf auf die 13 000 Punkte sehen werden. Ob wir am Jahresende darüber stehen, hängt von den Sommermonaten ab. Schließlich hatten wir jetzt eine lange Phase, in der es sukzessive nach oben ging. Eine kleine Korrektur schadet da nie - und die passiert eben häufig während des Sommers.

Wie legen Sie persönlich Ihr Geld an? Fließt alles in Aktien?
Ja. Anleihen besitze ich keine - außer vielleicht in einigen Multi-Asset-Fonds, die ich mir mal zugelegt habe. Ansonsten habe ich Aktien von Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen, die in den vergangenen Jahren aber sehr ­solide Wachstumsraten aufwiesen. Ich habe außerdem häufig dann, wenn es schwierig war an den Märkten, investiert. Langfristig wird man so mit einer besseren Rendite belohnt.

Vita

Mister Aktie
Henning Gebhardt, geboren 1967 im niedersächsischen Northeim, studierte BWL an der Uni ­Göttingen. 1996 begann er seine Laufbahn bei der DWS (heute: Deutsche Asset Management) und arbeitete dort bis 2016. Seit Anfang des Jahres ist der zweifache Vater Anlagechef bei Berenberg. Seine Erfahrung fließt unter anderem in den Fonds Berenberg Aktien Strategie Deutschland (ISIN: LU0146485932) ein.

Berenberg

Bank mit langer Tradition
Die Privatbank Berenberg mit Stammsitz in Hamburg führt ihren Ursprung auf das Jahr 1590 zurück und gilt als eine der ältesten Banken der Welt. Mit rund 100 Aktienanalysten verfügt das Institut heute über eines der größten Researchteams in Europa. Die Bank beschäftigt aktuell etwa 1500 Mitarbeiter und verwaltet ein Vermögen von mehr als 40 Milliarden Euro.

Bildquellen: DWS
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