30.07.2017 15:00
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Tipps zu grünen Anlagen

Euro am Sonntag-Meinung: Tipps zu grünen Anlagen | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Meinung
Bei der Geldanlage liegen sogenannte ESG-Faktoren (Environmental Social Governance) im Trend. Sechs Tipps, die Privatanleger dabei beachten sollten.
€uro am Sonntag
von Christoph Klein, Matthias Meitner, Gastautoren von Euro am Sonntag

Aktuelle Marktdaten belegen ­einen Zuwachs nachhaltiger Geldanlagen um 15 Prozent allein im vergangenen Jahr. Institutionelle Investoren sind die maßgeblichen Treiber der Entwicklung (90 Prozent der Investments), aber auch Privat­anleger legen zunehmend Wert auf ­umweltfreundliche und sozialverträgliche Anlageoptionen. Aufgrund der großen Vielfalt von (vermeintlich) grünen Investments und fehlenden einheitlichen Standards, ist es für Privat­anleger aber oft schwer, die richtigen Anlageziele zu identifizieren. Die CFA Society Germany hat daher sechs Grundregeln aufgestellt, die den Einstieg in die nachhaltige Geldanlage erleichtern.


1. ESG nicht als Selbstzweck betrachten. Bei aller Freude an Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit: Eine Geldanlage muss zunächst finanziell sinnvoll sein und eine attraktive Rendite ­ermöglichen. Ebenso sollten Sie bei ESG-Investments auf ein sorgfältiges ­Risikomanagement achten. Gerade in den Bereichen Umwelt und Soziales streben viele innovative, junge Unternehmen in den Markt und machen ihn schwer vorhersagbar. Das bringt Ver­lust­risiken für Investoren mit sich. Auf die Rendite zu achten ist nicht nur für den Geldbeutel gut, ­sondern stärkt auch die Idee des ESG-­Investing als Ganzes. Denn: Geschäftsmodelle, die gut gemeint sind, aber nicht profitabel laufen, sind nur selten dauerhaft tragfähig.

2. Stärker auf E und S achten, weniger auf G. Wer kein Investmentprofi ist, der sollte sich bei der Bewertung möglicher Anlageziele vorrangig auf ökologische und soziale Aspekte (das E und das S von ESG) konzentrieren. Diese Kategorien sind zumeist auch für Laien mit der ­notwendigen Recherche und Zeit gut einzuschätzen. Ob aber Unternehmen eine gute Corporate-Governance-Struktur aufweisen (das G von ESG), ist für durchschnittliche Privatanleger nur sehr schwer erkennbar. Hier sind professionelle Investmentfachleute und ­institutionelle Investoren gefragt.

3. Wählen Sie Fonds aus, die von ­engagierten Portfoliomanagern verwaltet werden. Erkundigen Sie sich, ob der Portfoliomanager Kontakt zu Unternehmen aufnimmt, um Verbesserungen einzelner ESG-Kriterien einzufordern. Erfragen Sie auch, welche Konsequenzen es hat, wenn diese nicht oder nur unzureichend beantwortet werden. Zum Beispiel: Setzen globale Nahrungsmittelhersteller auf biologisch abbaubare Plastikverpackungen? Wenn nein, warum nicht? Wie sehen die Konzerne das Risiko, an Aufräumkosten (etwa im Pazifik) beteiligt zu werden? Gute Portfoliomanager nehmen die Bedürfnisse ihrer Investoren ernst und sind für den Dialog mit ihnen offen.


4. Vorsicht vor Greenwashing. Bleiben Sie kritisch und setzen Sie immer auf ­Ihren gesunden Menschenverstand. Das Kapital eines Green Bond dient vielleicht der Finanzierung dezentraler Wasserkraftwerke - aber werden die künftigen Kupons dieses Green Bonds aus den Cashflows von Atomreaktoren bedient? Und: Unternehmen geben sich gern nachhaltiger, als sie eigentlich sind. Dieses sogenannte Greenwash­ing oder Social Washing ist eine der größten Fallen des ESG-Investierens.

5. Keine reine Häkchentechnik anwenden. Gerade weil ESG-Kriterien noch so vielfältig und komplex sind, operieren viele Anleger mit Check­listen, um zu prüfen, ob etwas als ESG- Investment gelten kann. Diese Technik ist zwar als Basis­analyse geeignet, als ­alleiniges Entscheidungstool ist sie aufgrund des sehr individuellen Charakters von ESG-Investments aber eher nicht angebracht. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Unternehmen sich bereits gezielt auf diese Checklisten hin ausrichten. Dies führt zu einer neuen, milderen Form des Greenwashings: das Optimieren des Geschäftsmodells genau bis an das Minimum, das von Investoren gefordert wird.

6. Zeit und Geduld mitbringen. Wer sein Portfolio kurzfristig optimieren will, für den sind ESG-Investments nicht das Richtige. Die Idee einer ökologischen und sozialen Güte ist meist auf eine gewisse Dauer angelegt. Es kann länger als nur wenige Quartale dauern, bis Unternehmen und Staaten ESG-Faktoren umgesetzt haben und diese sich auch auf Bonitäten, Cashflows et cetera auswirken. Ein Vergleich mit ähnlichen Fonds ohne ESG-Kriterien ist hier nicht zielführend.

zu den Personen:

Christoph Klein, Matthias Meitner
Experten der CFA Society Germany

Klein ist Partner des auf festverzinsliche Wertpapiere spe­zialisierten Asset­managers ­NordIX.
Prof. Dr. Meitner ist Leiter des Center of Business Values der International School of Management (ISM) sowie Managing Partner von Valuesque.
Die CFA Society Germany ist mit über 2.700 Mitgliedern der mitgliedsstärkste Berufsverband für professionelle Investoren und Investmentmanager in Deutschland und setzt sich für ethische und professionelle Branchenstandards in der Invest­ment­industrie ein.
Bildquellen: nordIX AG, International School of Management
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