13.08.2017 11:51
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Fernost wegen Nordkorea-Krise vor Rüstungswettlauf

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- von Christine Kim und Heekyong Yang

Seoul (Reuters) - Die eskalierende Nordkorea-Krise könnte nach Auffassung von Experten einen neuen Rüstungswettlauf in der Region auslösen.

Im Fokus steht dabei Südkorea, das sich besonders bedroht sieht. Der kürzlich von der Regierung noch kritisch beäugte Aufbau des US-Raketenabwehrsystems Thaad wird dort mittlerweile auf Drängen von Präsident Moon Jae In vorangetrieben. Auch kursieren Pläne, ein atombetriebenes U-Boot zu bauen und Raketen mit größerer Zerstörungskraft zu erlauben. Einige Politiker fordern gar, wieder US-Atomwaffen auf der Halbinsel zu stationieren, nachdem diese vor 25 Jahren abgezogen worden waren. "All das könnte zu einer weiteren Militarisierung Südkoreas führen", sagt der Wissenschaftler Yang Uk vom Korea Defence and Security Forum.

Doch auch andere Staaten in der Region sind beunruhigt. In Japan etwa macht man sich Sorgen, dass die Raketenabwehr einem Angriff nicht gewachsen sein könnte. Das Land wird daher wohl unter anderem ein Aegis-Abwehrsystem an Land aufbauen, das bisher lediglich auf Schiffen installiert ist. Zudem erwägt es den Kauf von Munition, die gegen nordkoreanische Raketenstellungen eingesetzt werden könnte.

1000-KILOGRAMM-SPRENGKÖPFE

Formal befinden sich Süd- und Nordkorea nach wie vor im Krieg. Der Konflikt von 1950 bis 1953 endete in einem Waffenstillstand, einen Friedensvertrag gibt es nicht. Südkoreas Militär umfasst 625.000 Soldaten. Hinzu kommen mehr als 28.000 Soldaten des wichtigsten Verbündeten USA, die in dem Land stationiert sind. Etwa ein Zehntel des südkoreanischen Staatsetats fließt in den Verteidigungshaushalt. Neben dem Abwehrsystem Thaad befindet sich auch das in den USA gebaute Patriot-System im Einsatz.

Vor allem die Raketen-Streitkräfte will die Regierung in Seoul stärken. Dazu dringt sie auf eine Änderung der Vorschriften, nach denen das Land nur über ballistische Geschosse verfügen darf, die Sprengsätze von maximal 500 Kilogramm transportieren und höchstens 800 Kilometer weit fliegen können. Die Reichweite deckt ganz Nordkorea ab. Um nicht Russland, China oder Japan auf den Plan zu rufen, geht es der Regierung nach Angaben hochrangiger Vertreter aus Seoul nicht darum, Waffen mit größerer Reichweite zu erhalten. Vielmehr wollen die südkoreanischen Streitkräfte stärkere Gefechtsköpfe verwenden dürfen von einer Tonne oder mehr. Damit ließen sich auch unterirdische Bunker oder Atomanlagen zerstören.

"ATOMARES GLEICHGEWICHT"

Forderungen konservativer Abgeordneter gehen aber bereits weiter. Sie wollen, dass auf der koreanischen Halbinsel ein "atomares Gleichgewicht" hergestellt wird. "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich aktiv damit zu befassen, taktische Atomwaffen zurückzubringen", sagte der Oppositionspolitiker Chung Woo Taik der Nachrichtenagentur Reuters. "Nordkorea hat die Denuklearisierungsvereinbarung vor langer Zeit gebrochen." Die USA zogen 1992 ihre Atomwaffen aus Südkorea ab, als sich die beiden Nachbarn darauf einigten, die Halbinsel zu einem atomwaffen-freien Gebiet zu machen. Trotzdem hat Nordkorea seitdem fünf Atomtests vorgenommen.

Gegenwärtig gilt eine neue Stationierung amerikanischer Atomwaffen aber als unwahrscheinlich. Ein solcher Schritt ließe sich kaum mit Forderungen aus Seoul und Washington vertragen, die Führung in Pjöngjang solle ihr Atomprogramm aufgeben. Dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un wiederum darauf eingeht, scheint derzeit aber ebenfalls mehr als unwahrscheinlich.

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