21.09.2017 21:15
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Nach Fusionsgerüchten um Commerzbank: Droht jetzt eine Übernahme der Deutschen Bank?

Gedankenspiele: Nach Fusionsgerüchten um Commerzbank: Droht jetzt eine Übernahme der Deutschen Bank? | Nachricht | finanzen.net
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Deutsche Bankaktien gehörten heute zu den Gewinnern am Parkett. Hintergrund waren auch aufkommende Spekulationen um eine mögliche europäische Bankenfusion. Wird auch die Deutsche Bank nun zum Übernahmekandidaten?
2017 ist bislang kein gutes Jahr für Deutsche Bank-Aktionäre. Die Aktie notiert im September mehr als 13 Prozent unter ihrem Januar-Kurs. Doch am Donnerstag gehörten die Titel zu den größten Gewinnern am Parkett. Im Windschatten der Commerzbank-Titel zog auch Deutsche Bank-Anteilsscheine kräftig an. Auslöser für das Plus bei den Finanzhäusern waren neben dem gestrigen Fed-Entscheid auch Spekulationen um eine mögliche Großfusion in der Branche: Einem Bericht der "Wirtschaftswoche" zufolge favorisiert die Bundesregierung eine Fusion der Commerzbank und ihrer französischen Konkurrentin BNP Paribas. Die Gedankenspiele rund um die Nummer 2 auf dem deutschen Bankenmarkt bringt auch den Branchenprimus Deutsche Bank wieder ins Visier der Investoren. Droht nun dem deutschen Marktführer eine Übernahme?

Bankenbranche auf der Suche nach dem Heilsbringer

Seit geraumer Zeit wird am Markt über mögliche grenzüberschreitende Zusammenschlüsse diskutiert. Denn die europäische Bankenbranche steht unter gewaltigem Druck: Nicht nur das anhaltende Niedrigzinsumfeld macht den Finanzhäusern zu schaffen, auch die Digitalisierung bringt die Banken unter Zugzwang. Hinzu kommen Altlasten infolge der Finanzkrise, die viele Häuser bis heute in ihren Bilanzen mit sich herumschleppen. Das oberste Gebot ist daher: Kosten sparen. Ein Zusammenschluss mit einem anderem Haus gehört dabei zu den beliebtesten Gedankenspielen in den Vorstandsetagen europäischer Finanzhäuser. Doch in Sachen länderübergreifende Fusion hat sich bislang so gut wie nichts bewegt.

Druck auf Deutsche Bank besonders groß

Die Deutsche Bank hat neben den allgemeinen Sorgen der Branche noch ein weiteres großes Problem: Investoren melden zunehmend Zweifel an der Führungsspitze des Unternehmens, speziell an Vorstandschef John Cryan, an. "Er ist nicht mehr der Richtige", wird ein anonymer Großaktionär im "Handelsblatt" zitiert. Er habe "schlicht zuwenig" verändert, so ein anderer Investor. Auch aus Katar ist offenbar Kritik zu hören: Der Großaktionär, der mit mehr als neun Prozent an dem DAX-Konzern beteiligt ist, scheint sich mit der möglichen Dauerrolle von Cryan als Vorstandschef nicht anfreunden zu können.

Neben der zunehmenden Kritik an der Führungsebene kämpft das Finanzhaus auch zunehmend mit operativen Problemen, die auch der von Cryan eingeleitete Strategiewechsel bislang nicht beheben konnte. Das Analysehaus Autonomous Research LLP glaubt nicht, dass die Deutsche Bank das Ruder noch herumreißen kann. Die Bank sei "nicht mehr zu reparieren", so die Einschätzung der Experten. Es müsse schon ein Wunder passieren, damit das Finanzhaus die Probleme in den Griff bekomme. Besonders der Anleihen- und Devisenhandel macht dem Analysehaus Sorgen. Einst war das ertragreiche Segment ein Einnahmengarant. Inzwischen ist der Bereich von seinen besten Zeiten weit entfernt. Hinzu komme, dass das Finanzhaus seit mehr als einem Jahrzehnt die Digitalisierung verschlafen habe. Zahlreiche Skandale hätten zudem die Reputation der Bank bei Kunden kräftig beschädigt, so Stuart Graham, Mitgründer von Autonomous. Für ihn sei es daher unvermeidlich, dass Investoren hinterfragen, ob die Bank noch die richtige Führung habe.

Immerhin spiegelt sich die enttäuschende Bilanz von Cryan auch im Aktienkurs des Unternehmens wieder: Seit seinem Amtsantritt hat das Deutsche-Bank-Papier 45 Prozent verloren - allerdings hatte der Manager das Finanzhaus auch mit einer Masse an Altlasten übernommen, die ihm seine Vorgänger hinterlassen hatten und die es aufzuarbeiten galt. Das hat er offenbar nicht zur Zufriedenheit der Investoren und Großaktionäre geschafft.

Deutsche Bank vergleichsweise günstig zu haben

Der Druck auf die Führungsebene steigt also zunehmend und zwingt den Vorstand, nach möglichen Handlungsalternativen Ausschau zu halten. Eine Fusion mit einem Konkurrenten wäre eine derartige Option. Aktuell hat die Deutsche Bank eine Marktkapitalisierung von 28,05 Milliarden Euro. Verglichen mit den Global Playern wäre das Finanzhaus damit für potenzielle Fusions- oder Kaufinteressenten ein echtes Schnäppchen: US-Großbanken wie JPMorgan und Goldman Sachs kommen umgerechnet auf 277 beziehungsweise 74,2 Milliarden Euro. Auch in Europa gehört das deutsche Finanzhaus nicht zu den Top-Playern: Die französische BNP Paribas etwa kommt auf eine Marktkapitalisierung von 82,3 Milliarden Euro, selbst die italienische Unicredit-Bank ist mit 39 Milliarden Euro deutlich teurer. Selbst von der britischen Barclays-Bank, die infolge des Brexit-Votums kräftige Kursverluste hinnehmen musste, sieht der deutsche Branchenprimus in Sachen Marktkapitalisierung nur die Rücklichter.

Wer will die Deutsche Bank?

Doch unabhängig davon, dass die Deutsche Bank vergleichsweise günstig zu haben wäre: Wer könnte ein Interesse an dem Frankfurter Geldhaus haben?

Ein möglicherweise von politischer Seite favorisierter Zusammenschluss der beiden heimischen Großbanken Deutsche Bank und Commerzbank war im vergangenen Jahr zwar ausgelotet worden, zustande kam er aber nicht. Zu groß schienen die Hürden, schließlich steckten beide Institute mitten im Umbau. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, so dass eine Fusion der beiden Häuser weiterhin unwahrscheinlich bleibt. Ein ähnliches Bild ergibt sich auch beim Blick über die Ländergrenzen hinaus: Auch wenn die Deutsche Bank für viele europäische Konkurrenten auf dem Papier ein Schnäppchen wäre: Nahezu alle Finanzhäuser haben ihre eigenen Baustellen, die Deutsche Bank in ihrem jetzigen Zustand dürfte sich eher als Klotz am Bein denn als Möglichkeit, zur Sanierung beizutragen, erweisen.

Bliebe noch eine Komplettübernahme von Seiten eines Großaktionärs. Dem Königshaus Katar werden immer wieder entsprechende Ambitionen unterstellt, immerhin liegen fast zehn Prozent der Stimmrechte in der Hand der Araber. Erst im Mai gab es Gerüchte, das Emirat plane eine Aufstockung des Anteils auf bis zu 25 Prozent, die aber umgehend dementiert wurden.

Der zweite Großaktionär des Finanzhauses kommt aus China: Die HNA Group hält ebenfalls fast zehn Prozent an dem deutschen Branchenprimus. Und die Chinesen waren in den vergangenen Monaten in Europa vermehrt auf Shoppingtour: Neben der Übernahme der Wiener Fondsgesellschaft C-QUADRAT, hat sich das Unternehmenskonglomerat auch mehrheitlich am Flughafen Hahn beteiligt und hält darüber hinaus zahlreiche Beteiligungen im Touristiksegment. Welche Pläne das Firmengeflecht verfolgt, ist weiterhin unklar. Auch ob eine mögliche Aufstockung des Deutsche-Bank-Anteils in Planung ist, steht derzeit in den Sternen.

Berlin und EZB haben das letzte Wort

Ohnehin dürften sich die Chinesen mit Plänen für eine mögliche Komplettübernahme der Deutschen Bank äußerst schwer tun. Nicht nur die Bundesregierung wird sich wohl gegen eine Übernahme des Branchenprimus durch einen chinesischen Käufer stemmen, auch die EZB dürfte wohl wenig begeistert auf derartige Pläne reagieren. Erst recht, wenn eine grenzübergreifende Fusion der Commerzbank tatsächlich Realität werden würde - dann hätte die deutsche Bankenlandschaft nämlich nur noch einen nennenswerten Vertreter auf internationaler Ebene.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Slava2009 / Shutterstock.com, Cineberg / Shutterstock.com, Martynova Anna / Shutterstock.com, Nessluop / Shutterstock.com
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