07.09.2017 17:13
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Kohle bleibt für den Transformationsprozess der Energieversorgung unverzichtbar

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Essen (ots) - Die zukünftige Energiepolitik in Deutschland sollte diskriminierungsfrei, technologieneutraler und kompatibler mit den europäischen Vorgaben und Richtlinien sein, fordert Dietmar Lindenberger vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln (EWI) in einem Beitrag für Energiewirtschaftliche Tagesfragen (Heft 9/2017). Der Energieexperte und Hochschullehrer schreibt: "Bei der Transformation der Energieversorgung einer hoch industrialisierten Volkswirtschaft hin zur überwiegenden Nutzung fluktuierender erneuerbarer Energien und erhöhten Energieeffizienz bleibt die ausgewogene Berücksichtigung der Ziele Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit von zentraler Bedeutung." Da Energie ein "essentieller Produktionsfaktor" ist, sei die Versorgungssicherheit von "elementarer Wichtigkeit" und eine "kritischer Erfolgsfaktor der Energiewende". Das gilt insbesondere für den Energieträger Elektrizität, meint Lindenberger. Die Sicherheit der Energieversorgung werde sowohl von der ökonomischen Theorie wie auch in der aktuellen energiepolitischen Debatte massiv vernachlässigt. Der derzeit laufende tiefgreifende Veränderungsprozess in der Energieversorgung verlangt, so der Kölner Wissenschaftler, dringend nach einer Aufarbeitung dieses Theoriedefizits. Energie ist ein mächtiger Produktionsfaktor aller industriellen Volkswirtschaften und Energieversorgungssicherheit von kritischer Wichtigkeit für Wachstum und Wohlstand.

Im Zuge der Energiewende ersetzt Strom aus Wind und Sonne zwar in zunehmendem Maße Strom aus fossilen Brennstoffen, aber kaum konventionelle Kraftwerkskapazität, die auch zukünftig wichtig und unverzichtbar bleibt. Für den Transformationsprozess müssen für lange Zeit zwei Stromerzeugungssysteme für eine Aufgabe bereitstehen. Durch politische Eingriffe wie einen schnellen Ausstieg aus einer Stromerzeugungstechnologie könne diese Entwicklung jedoch sehr schnell zum Abbau von Versorgungssicherheit und damit zu Wachstums- und Wohlstandsverlusten führen.

Wenn die verbliebenen Kernkraftwerke Ende 2022 vom Netz gehen, muss die Residuallast, also die Stromnachfrage abzüglich der fluktuierenden Erzeugung aus erneuerbaren Energien, durch andere Energien jederzeit zuverlässig abgedeckt werden. Eine gewisse Abdeckung können Pumpspeicherkraftwerke, Biomasseanlagen sowie eine zeitliche Verschiebung der Stromnachfrage leisten. Praktikabilität und Wirtschaftlichkeit dieser Maßnahmen und Technologien sind aber begrenzt, so dass die gesicherte Residuallast-Abdeckung in den kommenden ein bis zwei Dekaden nach wie vor hauptsächlich durch einen Mix aus Braunkohle-, Steinkohle- und Gaskraftwerken zu erfüllen sein wird.

Ob von den Strommärkten ausreichend Anreize zur Vorhaltung der benötigten Erzeugungskapazitäten ausgehen, ist nach Ansicht Lindenbergers fraglich. Der Kölner Wissenschaftler rechnet mit steigenden Redispatch-Kosten sowie der Notwendigkeit, jede vorgesehene Stilllegung eines Kraftwerks auf "Systemrelevanz" zu überprüfen und gegebenenfalls außerhalb des Marktes zu vergüten und auf gesetzlicher Basis weiter am Netz zu halten. "Wir bewegen uns hier in Richtung eines zunehmend administrierten Stromsystems, geraten tendenziell in Konflikt mit dem Binnenmarkt und werden diese Art von Regulierung spätestens dann weiter entwickeln müssen, wenn sich Stilllegungen aus Altersgründen nicht mehr vermeiden lassen und Kraftwerksneu¬investitionen nötig sind. Derzeit entfallen von den installierten konventionellen Erzeugungskapazitäten knapp zwei Drittel auf Kohlenkraftwerke, das sichert rund 50 Gigawatt Leistung. Angesichts einer Spitzenlast in Deutschland von rund 80 Gigawatt bilden Kohlekraftwerke damit einen wichtigen Sockel an Versorgungssicherheit.

Aus volkswirtschaftlicher Perspektive verdient, so Lindenberger, die Braunkohle besonderes Augenmerk als der einzige heimische Energieträger, der langfristig sicher und wirtschaftlich bereitgestellt werden kann. Der wirtschaftliche Vorteil der Braunkohle ist unabhängig von geopolitischen Unsicherheiten und der Variabilität der Energieweltmärkte, wovon der Industriestandort profitiert. Auch ist die Braunkohle von hoher regionalwirtschaftlicher Bedeutung. Zugleich passt sie sich den Erfordernissen der Energietransformation an. Die Braunkohlenförderung vermindert sich infolge der gesetzlich fixierten Sicherheitsbereitschaft, der Auskohlung mehrerer Tagebaue sowie des bis 2030 absehbaren Ausscheidens älterer Kraftwerke, mit entsprechend rückläufigen CO2-Emissionen. Der wirtschaftliche Vorteil der Braunkohle resultiert aus vergleichsweise geringen variablen Kosten und hat einen Strompreis entlastenden Effekt. Die neueren Braunkohleblöcke bleiben daher im europäischen Markt absehbar wettbewerbsfähig und können ihren Beitrag zur Stromversorgungssicherheit weiterhin zuverlässig leisten.

Die Langfassung dieser Nachricht ist unter http://bit.ly/et_lindenberger downloadbar

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