10.08.2017 12:49
Bewerten
(0)

Nordkorea-Krise: Südkoreaner bleiben gelassen - Politik rüstet auf

DRUCKEN

SEOUL (dpa-AFX) - Auch wenn die Zehn-Millionen-Metropole Seoul gerade einmal 55 Kilometer von der nordkoreanischen Grenze entfernt liegt, ist von Krisenstimmung im Stadtbild nichts zu spüren: Im Geschäftsviertel rund um den Rathausplatz strömen die Angestellten gegen Mittag in die umliegenden Restaurants, ältere Frauen verteilen Werbeflugblätter in den Fußgängerzonen, Touristen flanieren entlang des restaurierten Cheonggyecheon-Bachs.

Die Drohungen aus dem Norden der koreanischen Halbinsel lassen die meisten Menschen hier ziemlich kalt. "Die meisten Koreaner sind gerade viel mehr besorgt wegen der Sommerhitze", sagt die 23 Jahre alte Studentin Lee Ji Yoon, die im Moment ein Praktikum im Stadtzentrum von Seoul absolviert: "Nordkorea versucht ja seit Ewigkeiten, die Welt zu bedrohen. Die meisten von uns denken, dass das schon wieder vorbeigehen wird."

Für Lars-André Richter, den Leiter der Friedrich-Naumann-Stiftung in Seoul, ist die öffentliche Meinung jedoch nur bedingt ein Indikator für den Ernst der Lage: "In der Gelassenheit der Leute steckt immer auch ein wenig Fatalismus." In seinen bisher fünf Jahren in der südkoreanischen Hauptstadt habe er zwar schon einige Nordkorea-Krisen erlebt. So angespannt wie jetzt sei die Lage aber noch nie gewesen: "Das liegt wohlgemerkt nicht nur an (US-Präsident Donald) Trump, sondern vor allem an den Fortschritten der nordkoreanischen Atom- und Raketenpolitik."

Bislang hat die deutsche Botschaft keine Reisewarnung für Südkorea herausgegeben oder interne Sicherheitsmeetings einberufen. Unter vorgehaltener Hand lässt sich jedoch in diplomatischen Kreisen eine gewisse Angespanntheit feststellen.

Während eines am Donnerstag einberufenen Dringlichkeitstreffens des nationalen Sicherheitsrates in Seoul, an dem neben hochrangigen Sicherheitsberatern auch Außenministerin Kang Kyung Wha teilnahm, wurde Nordkorea dazu aufgefordert, sämtliche Provokationen einzustellen. Die Möglichkeit zum Dialog bleibe jedoch weiterhin offen, hieß es nach Angaben von Präsidentensprecher Park Soo Hyun.

Für den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In ist die aktuelle Krise vor allem eine Gratwanderung zwischen seinen pazifischen Überzeugungen und einem sich zuspitzenden Konflikt mit Nordkorea. Kurz nach seinem Amtsantritt erteilte er noch Genehmigungen für humanitäre Hilfsprojekte in Nordkorea, visierte Familienzusammenführungen der im Korea-Krieg getrennten Familien an und stellte sogar eine Wiedereröffnung der Sonderwirtschaftszone Kaesong in Aussicht.

Von den einstigen Plänen ist nun jedoch keine Rede mehr: Stattdessen rief der 64-Jährige zur "vollständigen" Reform seiner Streitkräfte auf und bat US-Präsident Trump während eines Telefongesprächs am Montag darum, die Bestimmungen des bilateralen Militärabkommens neu zu verhandeln, um mächtigere Raketensprengköpfe herstellen zu können.

Der konservativen Opposition gehen die Verteidigungspläne der Regierung in Seoul jedoch nicht weit genug. Die Liberty Korea Partei rief bereits am Montag dazu auf, dass das US-Militär atomare Sprengköpfe auf südkoreanischem Boden stationieren solle: "Frieden werden wir nicht erreichen, wenn wir darum betteln, sondern nur durch eine Machtbalance", sagte Parteivorsitzender Hong Joon Pyo.

Die nordkoreanische Volksarmee erneuerte währenddessen am Donnerstag ihre Androhung eines Raketenangriffes auf die US-Pazifikinsel Guam. Zwar veröffentlicht die staatliche Nachrichtenagentur KCNA nahezu im Wochentakt martialische Androhungen möglicher Vergeltungsschläge. Unüblich ist aber, dass dieses Mal ein konkretes Angriffsziel genannt wurde.

Lars-André Richter von der Friedrich-Naumann-Stiftung glaubt dennoch, dass Nordkorea mit seinen Provokationen vor allem Aufmerksamkeit erreichen möchte, die das Land auch für innenpolitische Zwecke ummünzt. "Kim Jong Un und seine Entourage wollen der Welt zeigen, dass es sie gibt", sagt Richter: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das Land ins offene Messer stürzen will."/lw/fk/mk/DP/tos

Melden Sie sich jetzt an!

Gold, Öl und Industriemetalle erleben ein Comeback: Kupfer legte beispielsweise seit Jahresbeginn über 20 Prozent zu. Welche Einstiegschancen sich nun ergeben, erfahren Sie im Online-Seminar am 19. Dezember.
Hier zum Rohstoff-Webinar anmelden!
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Charttechnischer Ausblick auf die Finanzmärkte 2018

Nicht verpassen: Am 4. Januar Live-Webinar mit einer Analyse der langfristigen Chartbildern von Zinsen, EUR/USD, Rohstoffen und Aktien. Exklusiv für den Börse Stuttgart Anlegerclub.
Kostenfrei registrieren und dabei sein!

Heute im Fokus

DAX geht grün ins Wochenende -- Wall Street schließt im Plus -- Bitcoin: Neues Rekordhoch -- H&M-Aktie stürzt ab -- Airbus-Konzernchef Enders geht 2019 -- Oracle, HelloFresh, Merck KGaA, VW im Fokus

Luxemburg klagt gegen EU-Steuernachforderung an Amazon. EU strebt schnelle Fortschritte bei Bankenunion und ESM an. Tui verstärkt sich im Kreuzfahrtgeschäft. Ryanair wirft bei Fluggesellschaft Niki Hut in den Ring. Ripple marschiert auf Platz drei der größten Kryptowährungen. Steinhoff bekommt Hilfe von Tochter Steinhoff Africa Retail. Gemalto offenbar doch bereit zu Übernahmegesprächen mit Atos. CropEnergies verdient im dritten Quartal weniger.

Top-Rankings

KW 49: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
KW 49: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Weihnachtsgeld 2017
Wer bekommt wo wieviel?

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Diese Aktien hat George Soros im Depot
Welche ist die größte Aktienposition?
Diese Aktien hat Warren Buffett im Depot
Neuer Platz Eins
Die wertvollsten Unternehmen nach Marktkapitalisierung 2017
Welches Unternehmen macht das Rennen?
Renteneintrittsalter
Hier arbeiten die Menschen am längsten
Bizarre Steuereinnahmen
Das sind die bizarrsten Steuereinnahmen der Welt
mehr Top Rankings

Umfrage

Kommt die Jahresendrally des DAX noch?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Steinhoff International N.V.A14XB9
EVOTEC AG566480
Deutsche Bank AG514000
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
AIXTRON SEA0WMPJ
Daimler AG710000
RWE AG St.703712
BP plc (British Petrol)850517
Sabina Gold & Silver Corp.A0YC9U
CommerzbankCBK100
Apple Inc.865985
E.ON SEENAG99
BYD Co. Ltd.A0M4W9
Deutsche Telekom AG555750
Amazon906866