08.08.2017 20:36
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Börsen-Zeitung: Rekord zum Jubiläum, Kommentar zu US-Kreditkarten von

Stefan Paravicini

Frankfurt (ots) - Aus den USA wird pünktlich zum zehnjährigen

Jubiläum des Ausbruchs der Finanzkrise der nächste Schuldenrekord

gemeldet. Standen die US-Haushalte bereits zum Ende des ersten

Quartals mit 12,7 Bill. Dollar so tief in der Kreide wie noch nie,

haben die Verbraucher jetzt auch ihre Kreditkartenschulden auf ein

Allzeithoch geschraubt. Nachdem im Februar erstmals seit 2008 das

Kartenlimit von 1 Bill. Dollar überschritten wurde, haben sich auf

den Kreditkartenkonten nach Angaben der US-Notenbank bis Ende Juni

1,021 Bill. Dollar Miese angesammelt. Zusammen mit gestiegenen

Autokrediten und Studentendarlehen liegt die Verschuldung bei 3,9

Bill. Dollar. Hinzu kommen Hypothekenschulden, die Ende März gut 8,6

Bill. Dollar ausmachten.

Mit den Schulden der US-Verbraucher wächst auch die Zahl der

Marktbeobachter, die vor einer neuerlichen Subprime-Krise in den USA

warnen. Denn die Ausweitung von Kreditkartenbilanzen und Autokrediten

ist den US-Banken zuletzt nur gelungen, weil sie bei der Bewertung

von Kreditrisiken wieder öfter ein oder gleich zwei Augen zudrücken.

Der Anteil der Kreditkunden aus dem Subprime-Segment hat signifikant

zugenommen, was sich auch in gestiegenen Ausfallquoten und höheren

Rückstellungen der Banken niederschlägt.

Im zweiten Quartal haben die acht größten Anbieter von

Kreditkarten in den USA mit 3,29% der ausstehenden

Kreditkartenschulden in ihrem Portfolio einen so hohen Anteil wie

zuletzt vor vier Jahren verloren gegeben. Es war nach Angaben von

Fitch Ratings das fünfte Quartal in Folge, in dem diese Kennziffer

gestiegen ist. Dazu passt, dass die US-Verbraucher nach Einschätzung

von Barclays von ihrem verfügbaren Nachsteuereinkommen so viel für

den Schuldendienst aufwenden wie seit 2009 nicht mehr. Die American

Bankers Association hält dagegen, dass die Kreditkartenschulden

gemessen am verfügbaren Einkommen im ersten Quartal sogar gesunken

sind.

Wer noch unentschieden ist, ob man jetzt Alarm schlagen oder von

einer Normalisierung sprechen sollte, wird von Analysten auf den

starken US-Arbeitsmarkt verwiesen. Denn wer einen Job hat, der

bezahlt erfahrungsgemäß auch seine Schulden. Im diesjährigen

Stresstest der Federal Reserve sind die Risiken im

Kreditkartenportfolio dennoch in die erste Reihe aufgerückt. Den

Banken hätten im Krisenszenario der Fed Verluste in der Größenordnung

von 100 Mrd. Dollar ins Haus gestanden. Ähnlich hohe Abschreibungen

mussten die Institute im Zuge der Finanzkrise auf ihr

Kreditkartenportfolio vornehmen.

OTS: Börsen-Zeitung

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