16.01.2015 14:50
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UPDATE: SNB-Entscheid ruiniert so manchen Devisenbroker

   -- Behörden weltweit sammeln Informationen über Folgen des Kursbebens

   -- Devisenhandelshäuser mussten schließen oder enorme Verlust verbuchen

   (NEU: weitere Details und Stimmen)

   Von Tommy Stubbington, Anjani Trivedi und Lucy Craymer

   Die Entscheidung der Schweizer Nationalbank (SNB), ihren Franken-Mindestkurs zu kippen, schlägt bei vielen Marktteilnehmern tief ins Kontor. Ein großer US-Währungsbroker erlitt nach eigenen Angaben "beträchtliche Verluste", die sein Eigenkapital praktisch ausradierten. Auswirkungen des Entscheids aus Bern schwappten auf die ganze Welt über: Von London bis Neuseeland mussten Devisenhandelshäuser schließen oder enorme Verluste verbuchen.

   Am Freitag mühten sich die Behörden in Japan, Hongkong, Singapur und Neuseeland, von den Brokern Informationen zu erhalten, was genau passiert ist. In Japan überprüft das Finanzministerium Handelsfirmen, nachdem Branchenquellen über riesige Verluste bei kleinen Devisenhändlern berichtet hatten.

   Der SNB-Schachzug entfachte neuerliche Volatilität bei Anleihen und Währungen rund um den Globus. Das Aus für den seit dreieinhalb Jahren bestehenden Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro löste einen Euro-Kollaps von bis zu 30 Prozent gegenüber der Schweizer Währung aus. Das sei der größte Tages-Kursausschlag, an den sie sich auf einem entwickelten Markt erinnern könnten, berichten Händler. Händler, die gegen die Schweizer Währung gesetzt hatten, erlitten durch deren sprunghafte Aufwertung große Verluste.

   Auch der größte Devisenbroker in den USA und Asien - FXCM - kam schwer unter die Räder. Wegen der einmalig hohen Schwankungen im Franken-Euro-Kurs wies die Eigenkapitalbilanz einen Fehlbetrag von 225 Millionen US-Dollar auf. "Angesichts dieser Bilanzprobleme könnte unser Unternehmen gegen einige regulatorische Kapitalauflagen verstoßen. Wir sprechen aktiv über Alternativen, um zu den Kapitalniveaus von vor den heutigen Ereignissen zurückzukehren. Diese diskutieren wir auch mit unseren Aufsehern", erklärte FXCM, das auf eine Marktkapitalisierung von rund 700 Millionen Dollar kommt. Die Aktien des Unternehmens brachen im Handel um 15 Prozent ein, nachbörslich ging es nochmals um 12 Prozent auf Tauchkurs.

   Global Brokers aus Neuseeland ging in kürzester Zeit bankrott. Das Unternehmen kann nach eigenen Angaben nicht mehr die regulatorischen Mindestkapitalanforderungen erfüllen. Die SNB habe eine außergewöhnliche Volatilität und Illiquidität auf dem Devisenmarkt ausgelöst.

   Ein Sprecher der neuseeländischen Finanzmarktaufsicht sagte, seine Behörde habe Global Brokers um neue Informationen zur Lage ersucht und werde sich vergewissern, dass Kundengelder geschützt worden seien, wie es das Unternehmen versichert habe.

   Der britische Broker Alpari erklärte am Freitag, er sei in die Insolvenz gerutscht. "Wenn ein Kunde diesen Verlust nicht abdecken kann, wird er an uns weitergereicht", teilte das Unternehmen mit. Der Konkurrent IG Group muss eigenen Angaben zufolge nach der "plötzlichen und extremen Bewegung" im Franken eine Belastung von bis zu 30 Millionen Pfund verbuchen.

   Damit Verluste nicht außer Kontrolle geraten, nutzen Investoren und Handelsfirmen oft automatische Verkaufsaufträge, die ausgelöst werden, sobald sich eine Währung stark bewegt. Doch der große Sprung im Kurs des Schweizer Franken geschah so schnell, dass alle Marktteilnehmer ihre Geschäfte zur gleichen Zeit schließen wollten. Das Resultat: Die Liquidität verschwand, die Geschäfte konnten unmöglich geschlossen werden und die Verluste wuchsen in schwindelnde Höhen.

   Die Broker "konnten (diese Positionen) unmöglich abdecken, weil der Markt sich praktisch sofort bewegt hat", sagte Mirza Baig, Leiter Asia FX und Zinsstrategie bei BNP Paribas in Hongkong. "Es gab keine Liquidität im Markt beim Stop-Loss-Level", sagte er mit Bezug auf Handelsaufträge, die automatisch ausgelöst werden, sobald eine Währung bestimmte Kursniveaus durchbricht.

   HSBC, eine der größten Banken in dem Markt, teilte mit, sie habe ihren Handel mit dem Franken am Donnerstag zeitweise ausgesetzt. Der Handel sei nun wieder aufgenommen worden. Eine mit der Sache vertraute Person sagte, die Citigroup habe das Gleiche getan. Ein Sprecher der Bank wollte sich dazu nicht äußern. Die Deutsche Bank hat ihren Franken-Handel ebenfalls zeitweise ausgesetzt, wie eine informierte Person sagte.

   Die Handelsverluste entstanden innerhalb von Minuten nach der Ankündigung der SNB. Weil große Währungen normalerweise sich in kurzer Zeit üblicherweise kaum stärker als um 1 oder 2 Prozent bewegen, können Investoren sich große Summen leihen, um damit zu wetten. Händler müssen oftmals nur 50.000 Dollar oder sogar weniger einsetzen, um eine Wette im Wert von über 1 Millionen Dollar oder sogar mehr einzugehen. Die Kehrseite dieses enormen Hebels: Schon eine kleine Kursbewegung kann zum Bankrott führen.

   Nach der Ankündigung der SNB, den Mindestkurs des Franken gegenüber dem Euro zu kippen, brach die europäische Gemeinschaftswährung fast unmittelbar von 1,2009 Franken per Euro auf 1 Franken ein - dazwischen bestand kaum eine Möglichkeit zu handeln. Von dort ging es weiter runter bis auf 0,9750 und dann 0,85 Franken, ehe sich der Kurs ein wenig erholte.

   Das bedeutet, jeder, der auf einen Anstieg des Euro gesetzt hatte und sich in Form einer Verkaufs-Order bei rund 1,20 Franken abgesichert hatte, hatte das Nachsehen. Zudem waren die Systeme der Händler nicht in der Lage, die Kurse in Echtzeit anzugeben.

   Die dänische Saxo Bank schrieb ihren Kunden, sie werde sich die Geschäfte aller ihrer Kunden in Franken von Donnerstag anschauen und warnte: Die Kurse, zu denen die Geschäfte ausgeführt wurden, könnten schlechter sein, als den Kunden zunächst angezeigt worden sei.

   Saxo-Bank-CEO Steen Blaafalk bezeichnete dies als einen fairen Weg, um damit umzugehen. "Die Bewegung war einfach so extrem. Ich bin seit 30 Jahren im Markt und ich habe so etwas noch nie gesehen", sagte er.

   Auch das australische Devisenhandelshaus OANDA musste angesichts "schwindender Liquidität" auf dem Markt beträchtliche Verluste hinnehmen. Nach eigenen Angaben nahm OANDA alle negativen Kundenkontostände auf seine Kappe, die entstanden, als Händler nicht schnell genug ihre Positionen schließen konnten.

   Die Devisenmärkte seien von der Schweizer Entscheidung völlig auf dem falschen Fuß erwischt worden, erläutert Währungsanalyst Tom Williams von Go Markets. Weitere Kursbeben seien nicht ausgeschlossen. Die Illiquidität auf dem Markt für Schweizer Franken verursache allgemeine Unsicherheit, in welche Richtung die Währung letztlich weitermarschiere. Es könnten einige Handelstransaktionen revidiert werden, was manchen Währungsbrokern zusätzlich ziemlich schmerzhafte Verluste einbrocken dürfte.

   Mitarbeit: Ewen Chew und James Glynn.

   Kontakt zu den Autoren: unternehmen.de@dowjones.com

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