(Neu: Aussagen aus CEO-Interview, mehr Details, aktualisierter Aktienkurs, Analystenstimme)
PADERBORN (dpa-AFX) - Der Geldautomaten- und Kassensystemhersteller Wincor Nixdorf hat im ersten Geschäftsquartal das schwankende wirtschaftliche Umfeld und die unsichere Lage der Banken zu spüren bekommen. Umsatz und Gewinn gingen zurück. "Viele Banken setzen momentan Entscheidungen aus, das ist für uns das Kritische. Wenn sich das Geschäft der Banken wieder normalisiert, werden wir das auch spüren", sagte Vorstandschef Eckard Heidloff der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Montag vor Beginn der Hauptversammlung. Angesichts der Staatsschuldenkrise in der Eurozone sind die Perspektiven für die kommenden Monate aber weiterhin schwer einzuschätzen.
Das zweite wichtige Standbein, der Verkauf von Kassensystemen und Software für den Handel, verbuchte hingegen ein deutliches Umsatzplus. "Die Handelsunternehmen sind aktuell bereit, in ihre Geschäfte zu investieren, weil sie wissen, dass der Wettbewerb um den Kunden auch in den Läden entschieden wird", sagte Heidloff. Als großer Kunde bestellte etwa Ikea Lösungen zur automatischen Bargeldverarbeitung für die Filialen der Möbelhauskette. Hier kommt die von Wincor Nixdorf entwickelte sogenannte intelligente Geldkassette zum Einsatz, die manuelles Zählen überflüssig macht. "Mit dem Auftrag von Ikea haben wir den Durchbruch gefunden."
HARDWARE-ABSATZ SCHWÄCHELT
Die höheren Umsätze mit dem Handel konnten den Nachfragerückgang bei den Banken aber nicht wettmachen. So sank zwischen Oktober und Dezember der Umsatz insgesamt um vier Prozent auf 608 Millionen Euro. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) ging um mehr als ein Fünftel auf 40 Millionen Euro zurück. Unter dem Strich blieben mit 25 Millionen Euro gut ein Viertel weniger als noch vor einem Jahr. Analysten hatten mit diesem Rückgang beim Gewinn gerechnet. Das Umsatzminus fiel indes kleiner aus als befürchtet. Die Aktie kletterte am Mittag an die MDAX (MDAX)-Spitze und gewann mehr als vier Prozent. Es habe keine negativen Überraschungen gegeben, hieß es an der Börse.
Das insgesamt schwächere Geschäft machte sich vor allem im rückläufigen Verkauf der Automaten bemerkbar: Der Umsatz im Hardwaregeschäft brach um 14 Prozent auf 285 Millionen Euro ein, während die Verkäufe von Software und Serviceleistungen um sieben Prozent auf 323 Millionen Euro zulegten. Damit verschoben sich die Gewichte. Normalerweise ist das Hardwaregeschäft zumindest leicht stärker. Wincor Nixdorf will mit beiden Standbeinen eigentlich gleich viel umsetzen.
AUSBLICK WEITER UNSICHER
Die Perspektiven für Wincor Nixdorf in den nächsten Monaten seien weiter schwer abschätzbar, hieß es vom Vorstand. Den wenig konkreten Ausblick für das laufende Geschäftsjahr (Ende September) bekräftigten die Paderborner. Demnach ist beim Umsatz eine Schwankungsbreite zwischen einem leichten Rückgang bis hin zu einem leichten Wachstum über dem Vorjahr möglich. Ebenso breit ist die Spanne beim operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita). Hier sei ein deutlicher Rückgang ebenso realistisch, wie ein Ergebnis leicht über dem Vorjahr.
Im November hatte Vorstandschef Heidloff angesichts der unsicheren Lage in Europa eine stärkere Fokussierung auf die wachsenden Schwellenländer angekündigt und gesagt, dass der Vertrieb dort ausgebaut werden solle. "Wir konzentrieren unsere gleichartigen Dienstleistungsprozesse aus verschiedenen Teilen von Wincor Nixdorf an wenigen Standorten", sagte Heidloff nun. Es werde auch in Deutschland punktuell einen Aufbau von Mitarbeitern geben, aber die Zahl insgesamt gehe herunter. "Bisher gehen wir davon aus, dass wir das nicht als Programm fahren werden und Zahlen auch nicht öffentlich kommunizieren." Im Jahresvergleich erhöhte sich die Mitarbeiterzahl zum 31. Dezember unterdessen leicht um 104 auf 9.275./stb/jha/tw