25.02.2013 00:06
Bewerten
 (0)

"Ähnlich eines Immobilienbestandhalters können wir unsere Erträge aus der Stromeinspeisung sicher planen", Georg Hotar, Photon Energy Investments N.V.

Solar ist nicht gleich Solar, betont Georg Hotar, Gründer und geschäftsführender Vorstand, Photon Energy Investments N.V. Denn die Gesellschaft erzielt ihre Erträge ausschließlich aus der Produktion und dem Verkauf von nachhaltig erzeugtem Strom. Der Preisverfall bei Photovoltaik-Modulen wirkt sich dabei sogar positiv auf die Profitabilität der Projekte aus.

BOND MAGAZINE: In welchen Bereichen ist Photon Energy Investments tätig?

Hotar: Die Kernkompetenz der Photon Energy Investments ist die Bestandshaltung und das Management von Photovoltaik-Kraftwerken. Ähnlich eines Immobilienbestandhalters, der monatlich Miete erhält, können wir unsere Erträge aus der Stromeinspeisung sicher planen. Unser Mieter ist das Tageslicht, d.h. es gibt bei uns keinen Leerstand. Solange es Tageslicht gibt, produzieren unsere Kraftwerke Strom und generieren Erträge. Mit diesem fokussierten Geschäftsmodell sind wir in genau jenem Bereich tätig, in den derzeit auch Warren Buffet groß investiert. Derzeit befinden sich 25 Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 26,68 MWp in Tschechien, der Slowakei und in Italien in unserem Bestand.

BOND MAGAZINE:
Was unterscheidet Sie von anderen Anleiheemittenten aus der Solarbranche?

Hotar: Solar ist nicht gleich Solar. Als ein reiner Bestandshalter von Photovoltaik-Kraftwerken erzielen wir Erträge ausschließlich durch die Produktion und den Verkauf von nachhaltig erzeugtem Strom. Der Preisverfall bei PV-Modulen wirkt sich dabei positiv auf die Profitabilität der Projekte aus. Man kann es mit einem Kaffeehausbetreiber vergleichen, der von sinkenden Kaffeebohnenpreisen profitiert. In der Periode zwischen dem vierten Quartal 2011 bis zum dritten Quartal 2012 konnten wir so einen Finanzüberschuss, d.h. einen operativen Gewinn nach Zinsen und Tilgungsleistungen, von 2,8 Mio. Euro realisieren. Ich schaue positiv in die Zukunft. Denn unser Geschäftsmodell erlaubt es uns, die Trends der Märkte schnell und flexibel zu erkennen und zu nutzen: Zum einen setzen wir noch auf gegebene staatliche Subventionen. Zum anderen stellen wir mittelfristig eine Grid Parity-Strategie für Kunden in ländlichen Gegenden mit Bedarf an Off-Grid-Lösungen für Anlagen weitab vom Stromnetz in den Fokus.

BOND MAGAZINE:
Wie wollen Sie den Emissionserlös verwenden?

Hotar: Wir planen über die Anleihe, die wir als Eigenemission begeben, bis zu 40 Mio. Euro einzunehmen. Diese Erlöse werden wir als Anschubfinanzierung für mehr als 30 Projekte nutzen, die wir aktuell in unserer Projektpipeline verfolgen. Unser Ziel ist es, global zu expandieren und mit der Realisierung der geplanten Projekte internationale Märkte mit Wachstumspotenzial für PV-Anlagen zu erschließen. Den Fokus legen wir auf Australien, Rumänien, Nordamerika und die Türkei. In diesen Märkten werden wir künftig auch verstärkt auf Grid Parity-Projekte und  Off-Grid-Systeme setzen, d.h. wir vertreiben Strom in entlegenen Regionen, wo kein Stromnetz vorhanden ist. Mit dieser Strategie machen wir uns zunehmend unabhängig von politischen Einflüssen und können unser bereits etabliertes und erfolgreiches Geschäftsmodell sukzessive ausbauen. Die Flexibilität und die durch die Anleihe gewährleistete Finanzkraft werden uns den Eintritt in diese neuen Märkte erleichtern.

BOND MAGAZINE: Wie sind die Einspeisevergütungen in diesen Ländern und wie werden die Projekte jeweils finanziert?

Hotar: In den von uns identifizierten Zukunftsmärkten für die Photovoltaik - Australien, Rumänien, Nordamerika und die Türkei - werden erneuerbare Energien über einen Mix aus Einspeisetarifen, verbindlichen Zielvorgaben, Rabattprogrammen und sogenannten grünen Zertifikaten gefördert. Diese Einspeisevergütungen ermöglichen uns planbare und sichere Cashflows. Unser Finanzierungsmodell sieht vor, dass wir den Bau der Anlagen über eine Anschubfinanzierung aus Eigenmitteln vorfinanzieren, wofür wir den Emissionserlös der Anleihe einsetzen werden. Nach der vier- bis sechsmonatigen Bauphase und dem Netzanschluss erfolgt eine Umfinanzierung über langfristige Bankkredite mit einer Laufzeit zwischen 10 bis 18 Jahren. Dadurch werden die Mittel für die Vorfinanzierung zu großen Teilen wieder frei und werden dann erneut als Anstoß eines neuen Solarkraftwerks investiert.  Damit erweitern wir kontinuierlich unseren Kraftwerksbestand und damit unsere Ertragsbasis - ein wichtiges Argument auch für die Gläubiger der Anleihe.

BOND MAGAZINE: Welche Renditeerwartung haben Sie bei den Solarparks?

Hotar:
Die geografische Diversifikation des Bestands und der Pipeline als auch die diversifizierte Wachstumsstrategie mit subventionsgetriebenen und subventionsunabhängigen Projekten sind eine stabile Basis für nachhaltige Erträge. Grundsätzlich müssen verschiedenen Anforderungen erfüllt sein, damit wir in Projekte investieren. Eine mindestens zweistellige Projekt-Renditeerwartung und eine realisierbare Projektfinanzierung sind dabei Grundvoraussetzungen. Daneben werden alle Projekte vor dem Erwerb auf mehrere, strenge Kriterien hin geprüft. Wir übernehmen Projekte beispielsweise nur nach positiver Due Diligence in das Portfolio. Außerdem nehmen wir Projekte ausschließlich in Ländern in Angriff, in denen eine Planungssicherheit durch stabile Rahmenbedingungen gewährleistet ist, wobei größere Projekte erst nach einem erfolgreichen Abschluss kleinerer Pilotprojekte folgen.

BOND MAGAZINE: Wie wird die Anleihe am Laufzeitende zurückgezahlt?

Hotar:
Wir haben für die Tilgung unserer Anleihe mehrere mögliche Zahlungsrückflüsse definiert, um so die Rückzahlungssicherheit für unsere Anleger zu erhöhen. Unser bestehendes und geplantes Portfolio wird planbare und sichere Cashflows über langfristige Abnahmegarantien generieren. Diese Erträge werden wir für die Tilgung der Anleihe heranziehen. Unser Finanzierungsmodell sieht außerdem wie erwähnt vor, dass das zur Anschubfinanzierung von Projekten benötigte Kapital nur zur Zwischenfinanzierung der Bauphase über einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten benötigt wird. Nach dem Netzanschluss der PV-Kraftwerke erfolgt eine Umfinanzierung über langfristige Bankkredite, wodurch die Mittel aus der Anleihe zum Großteil an die Emittentin zurückgeführt werden können. Diese Mittel stehen der Emittentin dann zur Verfügung, um beispielsweise weitere Projekte anzustoßen und die Anleihe zu tilgen. Auf Basis der zu erwartenden nachhaltigen Cashflows und der Sicherung über unsere werthaltigen Anlagen sehen wir daher eine Refinanzierung der Anleihe als unproblematisch an.

Das Interview führte Robert Cleve.

----------------------------------------
Soeben erschienen: BOND YEARBOOK 2012/13 -
Das Nachschlagewerk für Anleiheinvestoren und -Emittenten
Renommierte Autoren und Interviewpartner nehmen Stellung zu den Themenfeldern High Yield-Anleihen, Mittelstandsanleihen, Covered Bonds, Investmentstrategien sowie Tax & Legal. Das jährliche Nachschlagewerk erscheint bereits im 4. Jahrgang und hat einen Umfang von 108 Seiten. Die Ausgabe kann zum Preis von 29 Euro beim Verlag bezogen werden:
http://www.fixed-income.org/fileadmin/2012-11/Flyer_Bestellformular_BondBook_12_13.pdf
----------------------------------------



Quelle: fixed-income.org - Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.
Artikel empfehlen?
Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Private Krankenversicherung Tarifvergleich




Die Bundesregierung hat ein "starkes Signal" von Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland angekündigt: Was halten Sie von dieser Haltung?
Abstimmen
Direkt zu den Ergebnissen

Anzeige