Wandelanleihen: Papiere für unsichere Zeiten
Kein Anleger mag Unsicherheit. Doch leider ist es dieser Faktor, der sich in den Märkten immer wieder breit macht. Gerade einmal die ersten drei Monate dieses Jahres wurden Investoren davon verschont. Dann hat sich die Unsicherheit unbarmherzig eingenistet und ist bis heute geblieben. Für Anleger sind deshalb Wandelanleihen eine gute Alternative. Denn sie haben eine Timinghilfe eingebaut, die vor weiteren Kursverlusten der Aktienmärkte schützt und bei einem Anstieg partizipiert: die Asymmetrie.
Wie „normale“ Anleihen verfügen Wandelanleihen über drei festgelegte Faktoren: Laufzeit, Rückzahlung zum Nominalwert und Verzinsung. Hinzu kommt eine Besonderheit —das Wandelrecht. Dieses berechtigt den Inhaber der Wandelanleihe jederzeit zum Tausch des Papiers in eine festgelegte Anzahl Aktien desselben Schuldners. Aus dieser Konstruktion resultiert das wichtigste Merkmal einer Wandelanleihe — das asymmetrische Kursverhalten.
Die Kombination aus garantiertem Rückzahlungspreis (limitiertes Risiko) und unlimitiertem Kurspotenzial macht die Attraktivität der Wandelanleihen aus. Denn dank des Wandlungsrechts profitieren Anleger von steigenden Aktienmärkten, da diese auch zu Kursgewinnen bei der Wandelanleihe führen. Da aber kein Zwang zur Wandlung besteht, kann bei schlechter Börsenlage die Anleihe behalten werden und man hat damit eine garantierte Rückzahlung. So bieten Wandelanleihen einen effizienten Kapitalschutz.
Aus der Asymmetrie ergibt sich ein besonderer Effekt. Denn Asymmetrie ist gleichbedeutend mit Timinghilfe. Diese entspricht einer Anlagestrategie, die Verluste begrenzt und Gewinne laufen lässt. Schwierige Investmententscheide werden dem Investor dadurch teilweise abgenommen. Die Wandelanleihe reduziert gewissermaßen „selbstständig“ das Aktienexposure (also das über die Wandelanleihe indirekt gehaltene Wertänderungsrisiko der Aktie aufgrund der Call-Option) bei fallenden Märkten und erhöht es bei steigenden Börsen. Denn häufig halten Anleger, auch professionelle, Verlustpositionen zu lange oder verkaufen im Aufschwung zu früh. Man kann daher auch sagen, dass Wandelanleihen helfen, die Anlegerpsychologie auszuschalten.
Allgemein tiefes Zinsniveau
erhöht die Attraktivität
In der momentanen Marktphase ist diese Timinghilfe sicher das wichtigste Argument für diese Anlageklasse. Neben der Aktienmarktentwicklung, die meist der Haupteinflussfaktor auf Wandelanleihen ist, spielen weitere Faktoren eine Rolle. So reagieren Wandelanleihen auch auf Zinsschwankungen. Doch es besteht eine deutlich geringere Zinssensibilität gegenüber „normalen“ Anleihen. Das ist ein weiterer Vorteil für Wandelanleihen, für die das tiefe Zinsniveau ein ansprechendes Umfeld darstellt. Denn auf der Suche nach Ertrag bieten Anleihen mit guten Bonitäten meist zu niedrige Kupons, sodass vergleichbare Wandelanleihen mit der Aktienkomponente deutlich interessanter sind.
Das belegt auch die Outperformance von Wandelanleihen in Perioden steigender Zinsen — immer ausgehend von einem niedrigen Zinsniveau. Wandelanleihen schneiden beim Vergleich von vier solchen Zeiträumen seit 1999 am besten ab, gefolgt von High-Yield-Anleihen. Diese Erfahrung erklärt, warum zurzeit Wandelanleihen von den Investoren verstärkt gesucht werden. Es ist zwar auch im Fall der Zinsentwicklung unsicher, wann die Zinsen steigen werden, aber es scheint relativ wahrscheinlich, dass sie wieder steigen werden. Und dann ist es gut, Wandelanleihen im Portfolio zu haben.
Im Wandelanleihemarkt selbst gibt es innerhalb der Sektoren enorm große Unterschiede, sodass es momentan und künftig sehr auf das Stock-Picking ankommt. Favorisierte Branchen lassen sich daher nicht identifizieren. Es gilt, mittelfristig Trends zu erkennen und dann investiert zu sein. Langfristig erscheint Asien trotz der momentanen Volatilität positiv. Die Verschuldungssituation und die Wachstumsaussichten sprechen für ein Investment. Auch in den USA ist die Situation ansprechend, während die Peripherieländer der Eurozone strikt zu meiden sind.
Anleger sollten sich von der Unsicherheit in den Märkten nicht zu sehr irritieren lassen und Wandelanleihen zur sinnvollen Diversifikation einsetzen. Denn sie gehören mit Sicherheit zu den Anlageklassen, die sich in Phasen allgemeiner Verunsicherung durch Stabilität auszeichnen.
zur Person:
Klaus
Göggelmann,
Senior Portfolio
Manager bei Fisch Asset Management
Nach dem Studium der Volkswirtschaft promovierte der Autor bei Professor Wolfgang Franz, Präsident des ZEW (Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung). Nach verschiedenen Stationen als Portfoliomanager arbeitet er seit 2007 bei Fisch Asset Management. Das Schweizer Unternehmen gehört zu den weltweit führenden Anbietern im Bereich Wandelanleihen. Fisch Asset Management wurde 1994 gegründet und verwaltet aktuell ein Kundenvermögen von sechs Milliarden Schweizer Franken.
Weitere Links:



