12.11.2012 19:32

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"Als drittgrößter Milchproduzent Russlands verfügen wir über eine starke Position", Stefan Dürr und Wolfgang Bläsi, Ekosem-Agrar


Nach der erfolgreichen ersten Anleiheemission plant die Ekosem-Agrar, deutsche Holdinggesellschaft der auf Milchproduktion ausgerichteten Unternehmensgruppe Ekoniva, eine neue Unternehmensanleihe mit einem Volumen von 60 Mio. Euro, einem Zinssatz von 8,50% und einer Laufzeit von 6 Jahren. Der Erlös soll überwiegend zur Umfinanzierung genutzt werden. Darüber hinaus soll Ackerland gekauft werden. Im Interview erläutern die Ekosem-Geschäftsführer Stefan Dürr und Wolfgang Bläsi die Strategie.

BOND MAGAZINE: Was hat sich seit der ersten Anleihe im März bei Ihnen getan?

Dürr: Eine ganze Menge. Wie angekündigt sind wir in allen Bereichen kräftig gewachsen. Wir haben unsere Herde um 6.300 Rinder - davon allein 4.900 weibliche Jungtiere aus den USA - vergrößert und sind damit auf einem guten Weg, bis 2015 unseren Milchkuhbestand von aktuell 13.850 auf mehr als 30.000 zu vergrößern. Darüber hinaus haben wir allein in den vergangenen sechs Monaten 12.500 Hektar Ackerland gekauft. Operativ steigern wir kontinuierlich unsere Milchleistung und haben in diesem Sommer auch eine sehr gute Ernte eingefahren. Die Halbjahreszahlen belegen die Dynamik unseres Geschäfts: Die Betriebsleistung stieg um 34% auf 53,8 Mio. Euro, das EBITDA um 108% auf 16,8 Mio. Euro und das EBIT um 174% auf 9,7 Mio. Euro.

BOND MAGAZINE: Weshalb haben Sie sich für eine zweite Anleiheemission entschieden?

Bläsi: Die Anleihefinanzierung passt zu unseren aktuellen Vorhaben. Wir wollen in erster Linie ein Darlehen in Höhe von 40 Mio. Euro ablösen. Darüber hinaus wollen wir weiter Ackerland an unseren bestehenden sechs Standorten kaufen. Ackerland ist die Basis unseres integrierten Geschäftsmodells. Das heißt wir bauen unser Futter selbst an. Das macht uns unabhängig von Schwankungen bei den Preisen für Agrarrohstoffe. Derzeit können wir den Hektar am Primärmarkt in Russland noch für rund 250 Euro kaufen. Nach der Arrondierung und Eintragung steigt der Preis am Sekundärmarkt dann schon auf 1.000 Euro - Tendenz weiter steigend.

BOND MAGAZINE: Mit der Anleihe haben Sie aber nun ein Währungsrisiko.


Bläsi: Unser Währungsrisiko ändert sich nicht wesentlich, auch das abzulösende Darlehen ist auf Euro-Basis.

BOND MAGAZINE: Wie hoch sind die Zinsaufwendungen, die Sie durch die Umfinanzierung jährlich einsparen?

Bläsi: Bezogen auf die 40 Mio. Euro werden wir unsere Zinsaufwendungen um rund 1,4 Mio. Euro pro Jahr reduzieren.

BOND MAGAZINE: Im Bezug auf den Leverage segeln Sie schon hart im Wind. Wäre eine Stärkung des Eigenkapitals langfristig nicht sinnvoller?

Dürr: Langfristig wird die Eigenkapitalquote auch steigen, derzeit fühlen wir uns mit einer Quote von annährend 20% wohl, und an diesem Niveau wird sich auch durch die aktuelle Anleihe nichts Wesentliches ändern. Die Landwirtschaft ist eine kapitalintensive Branche und die Milchwirtschaft ganz besonders. Wir haben in den vergangenen Jahren mehr als 125 Mio. Euro in Land, Milchviehanlagen, Technik und unsere Herde investiert. Die Früchte in Form von deutlich steigenden Gewinnen beginnen wir gerade zu ernten. Die Gewinne bleiben in jedem Fall im Unternehmen, da wir uns zu einer Ausschüttungssperre verpflichtet haben. Darüber hinaus ist ein Börsengang in den kommenden Jahren weiterhin eine Option.

BOND MAGAZINE: Welche Strategie hat Ekosem für die nächsten Jahre?

Dürr: Wir wollen innerhalb unseres bewährten Geschäftsmodells weiter wachsen. Als drittgrößter Milchproduzent Russlands verfügen wir über eine starke Position in einem unterversorgten und deshalb für das Land strategisch bedeutenden Wachstumsmarkt. Auch die Produktion von Saatgut sowie Getreide, Zuckerrüben und Ölsaaten hat weiter Potenzial. Bis zum Jahr 2015 soll die landwirtschaftliche Nutzfläche von derzeit 173.000 auf knapp 240.000 Hektar und die Milchkuhherde auf über 30.000 Tiere erweitert werden. Dabei wird unser Investitionsbedarf in den kommenden Jahren deutlich sinken. Noch ist der Einkauf von Zuchtfärsen unser größter Kostenblock. Unser Kuhbestand hat inzwischen aber eine Größe erreicht, mit der wir künftig auch ohne Importe von Jungtieren kräftig wachsen können. Wir werden also unseren Gewinn in den kommenden Jahren kräftig steigern können - die Analystenschätzung für das EBITDA 2014 liegt bei 44 Mio. Euro - und gleichzeitig weniger Geld investieren müssen.

Das Interview führte Christian Schiffmacher, www.fixed-income.org



Quelle: fixed-income.org - Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

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