von Astrid Zehbe, Euro am Sonntag
Dass es in Europa gerade halbwegs rund läuft, ist vor allem der Europäischen Zentralbank zu verdanken: Denn Mario Draghis Bekenntnis zum Euro und die expansive Geldpolitik der EZB haben die Lage auf dem Kontinent vorerst einigermaßen entspannt.
Anspannung herrscht jedoch bei vielen Anlegern: Billiges Geld drückt die Renditen, sodass immer mehr Anleger, die nach lukrativen Investments suchen, auf riskantere Hochzinsanleihen setzen. Durch die gestiegene Nachfrage sind die Risikoprämien dieser Papiere im Vergleich zu Bonds mit Investment-Grade-Rating auf den tiefsten Stand seit Beginn der Finanzkrise gefallen. Lag der Aufschlag 2009 noch bei über 20 Prozentpunkten, zahlen Emittenten mittlerweile lediglich noch 3,25 Prozentpunkte an Prämie drauf.
Für Unternehmen bietet diese Entwicklung jedoch gute Chancen, sich günstig am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Der Gesundheitskonzern Fresenius hat eine vorrangige, unbesicherte Anleihe mit einer Laufzeit von sieben Jahren und einem Volumen von 500 Millionen Euro auf den Markt gebracht. Die von mehreren Ratingagenturen mit Non-Investment-Grade bewertete Anleihe wird mit einem Kupon von 2,875 Prozent verzinst — der niedrigsten Verzinsung eines High Yields aller Zeiten.
Der DAX-Konzern nutzt die niedrigen Zinsen, um die Neustrukturierung seiner Finanzen fortzusetzen. Anfang Januar hatte Fresenius eine Anleihe mit höherem Kupon vorzeitig zurückgezahlt, um sich zu neuen Konditionen billiger zu rekapitalisieren. Dass so die Schuldenlast gedrückt wird, dürfte die Gläubiger freuen. Dennoch werden die Risiken mit dem angebotenen Kupon nicht angemessen verzinst, auch wenn Fresenius als zuverlässiger Schuldner gilt. Fremdwährungsanleihen von besser bewerteten Emittenten bieten vergleichbare Kupons — dann allerdings mit Wechselkursrisiko.