von Peter Gewalt, €uro am Sonntag
In Österreich hat sich Eduard Zehetner in den vergangenen Jahrzehnten den Ruf eines Sanierers erkämpft. Seit 2008 bringt Zehetner nun als Vorstandschef den börsennotierten Immobilienentwickler Immofinanz Group auf Vordermann, der im Zuge der Finanzkrise wirtschaftlich schwer angeschlagen war.
Inzwischen steht der Konzern mit Objekten in Österreich, Deutschland sowie Süd- und Osteuropa im Wert von rund neun Milliarden Euro als fünftgrößter Immobilienentwickler Europas da. Das Portfolio mit Einzelhandels-, Büro-, Logistik- und Wohnimmobilien ist breit diversifiziert. Die Gebäude werden vom Wiener Konzern veredelt, vermietet und bei passender Gelegenheit verkauft.
Auch die Geschäftszahlen können sich sehen lassen. Die Umsatzerlöse in den ersten drei Quartalen 2011 lagen ohne Verkaufserlöse bei 577 Millionen Euro, der Nettogewinn bei knapp 270 Millionen Euro.
Diese Woche will der Konzern mit einer neuen Anleihe frisches Kapital auch bei deutschen Anlegern einsammeln. Der Emissionserlös in Höhe von 100 Millionen Euro ist vor allem als Sicherheitspolster gedacht.
Insgesamt hat das Unternehmen Verbindlichkeiten in Höhe von 5,3 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalquote ist mit knapp 46 Prozent aber ansehnlich. Zudem haben die Wiener rund 700 Millionen Euro an Liquidität zur Verfügung. Geld, das bei etwaigen Marktturbulenzen infolge der Schuldenkrise in Europa als Puffer dienen oder für neue Projekte mit Fokus Osteuropa herangezogen werden soll. „Dort sind die Renditen beinahe doppelt so hoch wie in Westeuropa“, sagt Zehetner.
Doch es gibt Restrisiken. So hat der Konzern noch mit Klagen unzufriedener Aktionäre zu kämpfen. Der Streitwert liegt bei rund 300 Millionen Euro. Zehetner ist sich aber sicher, dass auf Immofinanz maximal Belastungen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich zukommen, für die bereits wesentlich höhere Rückstellungen gebildet wurden. Zudem kann eine Eskalation der Eurokrise die Immobilienbewertungen zwischenzeitlich nach unten drücken. Daher ist das Papier vor allem für Buy-and-Hold-Anleger zur Beimischung interessant.