14.06.2012 17:30
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Maritim-Anleihe: Geld zum Verfeuern

Anleihen Spezial: Maritim-Anleihe: Geld zum Verfeuern | Nachricht | finanzen.net
Maritim-Anleihe: Nur zur Depot-Beimischung
Anleihen Spezial
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Die Maritim Vertriebs GmbH ist ein einzigartiges Konstrukt: Sie sammelt Geld ein, das schließlich als Treibstoff im Tank von Schleppschiffen für Ölplattformen landet. Das klingt nach Geldverbrennen, macht aber durchaus Sinn.
€uro am Sonntag
von Andreas Höss, Euro am Sonntag

Das Kürzel ist kryptisch, das Ausmaß gigantisch: Die FPSO PSVM ist eine der größten schwimmenden Ölproduktions- und -Lagereinheiten der Welt. Seit wenigen Tagen liegt sie vor der Küste Angolas. Der Ölkonzern BP wird dort aus 2000 Meter Tiefe Öl pumpen, das an Bord des Riesen gelagert und verarbeitet wird. Mehr als 150.000 Fässer Öl wird der 355 Meter lange Stahlkoloss demnächst täglich produzieren können. Doch eines fehlt ihm: ein Motor, der ihn zum Schiff macht.

So ist es bei allen 400 schwimmenden Bohr- und Produktionsstätten, die weltweit auf hoher See im Einsatz sind. Sie müssen zu ihren Einsatzorten geschleppt werden. Für die FPSO PSVM haben das zwei sogenannte Ankerziehschlepper erledigt, die für die Hamburger Reederei Harms Bergung fahren: die Orcus und die Uranus. Ihr Vorteil: Sie können Bohrinseln und Ölproduktionseinheiten um die ganze Welt ziehen, ohne nachtanken zu müssen. Nur extrem wenige Schiffe können das. Ihr Nachteil: Eine Tankfüllung kostet mehr als drei Millionen Euro. „Und getankt wird natürlich, bevor der Auftrag ausgeführt wird“, sagt Jürgen Steinhauser. Deshalb brauche man große Liquiditätspuffer.

Komplexes Konstrukt
Jürgen Steinhausers Maritim Vertriebs GmbH will dafür sorgen, dass die Schleppschiffe von Harms Bergung diese bekommen. Dafür hat Steinhauser ein komplexes, aber interessantes Konstrukt ersonnen. Mit der Zweckgesellschaft Maritim Vertriebs GmbH will er über eine Unternehmensanleihe bis zu 25 Millionen Euro bei Anlegern einsammeln. Diese investiert er direkt in die acht Schiffe, die insgesamt 250 Millionen Euro wert sind und die als eigene Rechtseinheiten — sogenannte Einschiffgesellschaften — für Harms Bergung fahren. Die Gesellschaften bauen mit dem Kapital ihre Liquiditätsdecke auf. Im Gegenzug erhält Maritim Anteile an den Schiffen. Diese können die Anleihegläubiger im Fall einer Pleite des Unternehmens zu Geld machen.

Ein Geschäft, das allen Seiten Vorteile bringen soll. Die Anleger erhalten für eine kurze Laufzeit von 30 Monaten eine vergleichsweise hohe Verzinsung von 8,25 Prozent und bekommen als Sicherheit die Schiffsanteile. Die Schiffe, die in den Krisenjahren zwischen 2006 und 2010 vom Stapel gelaufen sind und deshalb mit dünner Liquiditätsdecke fahren, können Tankrechnungen­ nach dem Eingang eines Auftrags sofort und in bar begleichen. Sie müssen keine Darlehen bei Banken und Treibstofflieferanten aufnehmen, die ungleich teurer sind. Und Maritim Vertrieb streicht Provisionen ein und wird an Gewinnen beteiligt.

Das setzt voraus, dass die Schiffe gute Erträge abwerfen. Damit rechnet Steinhauser. „Der steigende Energieverbrauch und die schwindenden Ölvorkommen lassen das Geschäft mit Bohrinseln boomen“, sagt er. Im Jahr 2013 werden weltweit 450 Bohrinseln im Einsatz sein, 2006 waren es 250. „Die Ölindustrie hat viel Geld investiert“, so der Maritim-Geschäftsführer. „Selbst wenn eine globale Rezession kommt und der Ölpreis einbricht, kann man diese Projekte nicht stoppen, weil sie langfristig angelegt sind. Unsere Auftragsbücher sind voll, denn Spezialschiffe wie unsere sind rar.“

Lukrativ, aber nicht ohne Risiko
Risiken gibt es dennoch. Laut Offshore Ship Brokers liegen die Charterraten im Moment sehr hoch, sodass Schiffe wie die Orcus profitabel sind. Allerdings sind die Raten stark schwankungsanfällig. Brechen sie zwischenzeitlich ein, könnte das Geschäft schlechter laufen als erwartet. Da die Anleihe schon 2014 getilgt wird, bleibt den Schiffen dann wenig Spielraum. Nicht zuletzt deshalb hält die Ratingagentur Creditreform die Rückzahlung aus den laufenden Einnahmen der Schiffe für „ambitioniert“. Hier sollten also nur Anleger zugreifen, die Verluste verkraften können. Sind die Schiffe aber profitabel, könnten alle mit dieser Anleihe eine gute Handbreit Wasser unter den Kiel bekommen.

Maritim-Offshore-Anlage
Fazit: Besichert, hoher Kupon und sehr kurze Laufzeit. Aber: komplex und bisher einzigartig. Nur zur Beimischung.

Bildquellen: iStock

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