08.08.2012 03:00
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Starke Renditen: Warum Bonds aus Fernost steigen

Bonds fernöstlicher Länder und Firmen sind lukrativ
Anleihen aus Asien
Bonds fernöstlicher Länder und Firmen sind lukrativ, aber kaum bekannt. Wie Anleger mit Fonds von den hohen Zinsen in Asien profitieren.
€uro am Sonntag

von Marc Hofmann, Euro am Sonntag

Sie kennen Shell, ThyssenKrupp oder Sony. Aber sagen Ihnen Sinopec, Posco oder Hon Hai etwas? Eigentlich sollten sie das. Denn die drei Unternehmen sind größer und ertragreicher als ihre westlichen Konkurrenten. Doch hierzulande sind die Konzerne aus China, Südkorea und Taiwan weitgehend unbekannt.

Für Bryan Collins, Fondsmanager bei Fidelity Worldwide Investments, ist dies einer der Gründe, warum Asien-Anleihen bislang zu den Exoten in europäischen Portfolios zählen. Dabei spricht nach Meinung des Experten derzeit viel für ein Investment: „Die Fundamentaldaten sind gut, die Wachstumsraten hoch, der Binnenkonsum ist robust und der Verschuldungsgrad von Staaten und Unternehmen gering.“

Zudem ist auch das Zinsniveau attraktiver als in Europa. Asiatische Staatsanleihen werden im Schnitt mit 4,2 Prozent pro Jahr verzinst, erstklassige Unternehmensanleihen liefern 5,8 Prozent. Zum Vergleich: Die Staatsanleihen der führenden sieben Industrienationen (G 7) kommen im Schnitt nur auf 2,4 Prozent Zinsen, Unternehmensanleihen auf 3,5 Prozent.

Daher konnten Anleger, die bereits zu Jahresbeginn in den asiatischen Markt einstiegen, mit Zins und Währungsgewinnen bisher schon zweistellige Renditen erzielen.

Durch die Krise in den Boom
Erstmals rückten die asiatischen Kreditmärkte in den 90er-Jahren in den Fokus. Damals löste die Liberalisierung der Finanzmärkte einen regelrechten Kreditboom aus. Um billiges Geld zu bekommen, nahmen asiatische Banken Kredite in Niedrigzinswährungen wie US-Dollar oder Yen auf. Das Geld wurde dann als langfristiger Kredit an Inländer in Lokalwährung weitergegeben.

Bis 1995 ging diese Strategie auf. Die südostasiatischen Staaten verbuchten ein starkes, exportgetriebenes Wachstum. Doch ab 1997 stiegen in Japan und den USA die Zinsen. Dollar und Yen werteten auf, die asia­tischen Banken saßen in der Falle. Zuerst bekam es Thailand zu spüren. Binnen Tagen mussten 58 statt 25 Thailändische Baht für einen US-Dollar gezahlt werden. Staat und Banken konnten die teuren Dollarkredite bald nicht mehr bedienen. Reihum traf es Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Südkorea. Am Ende litt die Region unter einer mehrjährigen Rezession.

„Mittlerweile haben sich die Länder jedoch erholt und durch tiefgreifende Strukturreformen zu neuer Stärke gefunden“, sagt Eugen Löffler, Leiter des Asien-Geschäfts von Allianz GI. Als Folge der Krise wurde seit 2000 ein Anleihemarkt in Lokalwährungen aufgebaut, der mittlerweile 5,1 Billionen Euro umfasst. Banken und Staaten verschulden sich daher heute großräumig in ­nationaler Währung. Wechselkursschwankungen haben so für die Länder ihren Schrecken verloren.

Zudem half den Staaten ihr wirtschaftlicher Wiederaufstieg auch bei der Schuldenreduktion. Dank anhaltender Leistungsbilanzüberschüsse gelang es etwa Indonesien, die Staatsschulden seit 1997 von 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 30 Prozent zu drücken. Ähnliche Fortschritte machten auch die Philippinen, Taiwan oder Malaysia. Die durchschnittliche Verschuldungsquote der asiatischen Länder liegt daher heute bei 50 Prozent des BIP. Zum Vergleich: In den G 7-Staaten liegt die Verschuldung heute bei 115 Prozent des BIP.

Durch die bessere Kapitalbasis ist auch die Bonität der Staaten gestiegen. Seit 2003 stufte Standard & Poor’s sechs von zwölf asiatischen Staaten um mindestens zwei Ratingstufen nach oben. Bei vier Staaten blieben die Ratings stabil.

Firmen drängen an die Weltspitze
Der wirtschaftliche Aufstieg der Staaten ist jedoch nicht nur einer besseren Haushaltspolitik, sondern vor allem der Industrie geschuldet. Allein drei der zehn größten Konzerne der Welt stammen heute aus Asien. Dass die Unternehmen mittlerweile auch international zu den Top-Playern gehören, spiegeln ihre Ratings wider. 62 Prozent der Unternehmensanleihen mit Investment-Grade weisen ein Rating von „A“ oder höher auf. In den USA sind es dagegen nur noch 30 Prozent. Innerhalb von zehn Jahren entstand so ein Markt für Unternehmensanleihen, der heute ein Volumen von 330 Milliarden US-Dollar besitzt.

Und genauso beeindruckend wie das Wachstum sind auch die Renditen: „In den vergangenen zehn Jahren haben asiatische Unternehmensanleihen hoher Bonität eine jährliche Rendite von sieben Prozent erwirtschaftet“, sagt Bryan Collins. Zugleich zeigten sich die Anleihen als weniger schwankungsanfällig als die asiatischen Aktienmärkte.

Berücksichtigt man alle Entwicklungen der vergangenen 15 Jahre, so steht für Markus Ackermann, Anleihespezialist bei HSBC Asset Management, fest: „Asien ist heute wesentlich robuster gegenüber den Entwicklungen in den alten Industrienationen als früher.“

Währungsgewinne sind möglich
Wer sich nun ein paar Asien-Bonds ins Depot legen will, für den gibt es zunächst eine schlechte Nachricht: Einzelanleihen sind in Deutschland kaum zu bekommen. Nur mit Fonds erhalten Anleger daher Zugang zu dieser Anlageklasse. Doch in Anbetracht des komplexen Markts ist es sicherlich kein Nachteil, auf das Know-how von Experten vor Ort zu vertrauen.

Allgemein wird am Markt — und damit auch bei den Fonds — zwischen Hart- und Lokalwährungs­anleihen unterschieden. Hartwährungsbonds notieren in Euro, US-Dollar oder Yen. Lokalwährungsanleihen sind in der jeweiligen Landeswährung emittiert.

Der Vorteil von Hartwährungsanleihen liegt auf der Hand: Anleger setzen sich keinem Fremdwährungsrisiko aus. Dafür ist jedoch die Verzinsung der Bonds geringer. Mit Staatsanleihen aus Indonesien oder Indien in Euro kann man etwa derzeit zwischen fünf und 5,5 Prozent Rendite erzielen.

Entscheidet man sich dagegen für Staatspapiere in den lokalen Währungen Rupiah und Rupie, so locken zwischen 7,5 und neun Prozent Rendite. Dafür nimmt man jedoch auch das Wechselkursrisiko in Kauf. Seit Jahresbeginn sind Anleger aus Europa mit der Fremdwährungsvariante gut gefahren. „Im laufenden Jahr haben die meisten asiatischen Währungen im Schnitt zwischen fünf und zehn Prozent zum Euro aufgewertet“, sagt Markus Ackermann.

Für die zweite Jahreshälfte sind die meisten Spezialisten allerdings vorsichtiger. So rechnet etwa Thomas Kemmsies, Fondsmanager bei Nomura Asset Management, damit, dass sich die asiatischen Währungen vermutlich in einer Bandbreite von plus 0,5 bis minus 1,5 Prozentpunkte zum Dollar bewegen werden. Währungsgewinne sind daher kaum noch zu erwarten.

Zuletzt sollten sich Anleger — trotz aller guten Konjunkturdaten — da­rüber im Klaren sein, dass noch immer ein hoher Anteil westlichen ­Kapitals die Kreditmärkte in Asien steuert. Sollte die Eurokrise daher eskalieren, so muss auch bei Asien-Bonds mit stärkeren Kursschwankungen gerechnet werden. Wer diese jedoch aussitzen kann, der sollte am Ende belohnt werden.

Investor-Info

Bondmarkt
Zeichen des Aufstiegs
Unternehmensanleihen werden in Asien bislang fast nur in Hartwährungen emittiert. Südkoreanische Konzerne wie Hyundai führen die Emittentenliste an.

Wachstumsprognose
Asien hängt Alte Welt ab
Bereits heute tragen die Schwellenländer Asiens 30 Prozent zum globalen Wirtschaftswachstum (BIP) bei. Bis zum Jahr 2021 sollen es 55 Prozent sein.

Lokalwährungsbonds
Nomura Asian Bonds Fonds
Für Anleger, die überwiegend auf staatliche Emittenten in lokaler Währung setzen möchten, empfiehlt sich der Asian Bonds Fonds von Nomura. ­Thomas Kemmsies hat aktuell Anleihen in Thailän­dischen Baht, Südkoreanischen Won und Singapur-Dollar mit zusammen 52 Prozent übergewichtet. In den vergangenen drei Jahren erzielte der Fonds ein Plus von 40 Prozent. Der Fonds notiert in Euro.
ISIN: DE0008484429

Unternehmensbonds
Fidelity Asian Bond Fonds
Der 2011 aufgelegte Fonds von Bryan Collins ist das erste Produkt, dessen Fokus auf asiatische Unternehmensanleihen mit Investment-Grade (Rating „AAA“ bis „BBB+“) liegt. Zu den größten Einzelwerten gehören derzeit die Mineralölkonzerne Petronas aus Malaysia, Cnooc aus China sowie der Mischkonzern Hutchison Whampoa aus Hongkong. Seit Jahresbeginn liegt der Fonds mit 12,81 Prozent im Plus. Fondswährung ist der US-Dollar.
ISIN: LU0605512275

Bildquellen: istock photo
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