02.11.2012 11:11
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Nach dem UBS-Rückzug überdenken Großbanken ihr Anleihegeschäft

Anleihengeschäft diskutiert: Nach dem UBS-Rückzug überdenken Großbanken ihr Anleihegeschäft | Nachricht | finanzen.net
Anleihengeschäft diskutiert

Am Anleihegeschäft scheiden sich in der Finanzwelt derzeit die Geister. Der Schweizer Branchenprimus UBS AG kehrt dieser Sparte künftig weitgehend den Rücken.

Gleichzeitig ist das auch als Fixed Income bekannte Geschäft bei der Deutschen Bank ein elementares Standbein, das jüngst Milliarden in die Kasse des größten deutschen Finanzinstituts spülte.

   Der Strategieunterschied der beiden globalen Bankhäuser zeigt: Beim größten Geschäft in der Wertpapierbranche kündigen sich neue Zeiten an. Unter Umständen folgen bald eine Reihe von Großbanken dem Vorbild der UBS. Eine Anzahl von Faktoren, darunter ein neues regulatorisches Umfeld, könnte die Erträge im Anleihegeschäft weiter zusammenstutzen. Da sind die aktuellen Erfolgsmeldungen mit Vorsicht zu genießen: Die meisten Banken verdienten im dritten Quartal im Anleihegeschäft wieder gutes Geld.

   UBS ist ein klassisches Beispiel dafür, was im Investmentbanking schief laufen kann. Die Sparte litt in den vergangenen Jahren unter den gebeutelten Märkten und teuren Fehlentscheidungen im Handel. Am vergangenen Dienstag zog das Unternehmen die Reißleine: Der Großteil des Anleihehandels und verwandter Produkte wird eingestellt. Das Investmentbanking soll sich künftig auf weniger riskante Felder wie Beratung bei Fusionen und Börsengängen beschränken. "Wir müssen uns entscheiden, wo wir den Wert steigern können", sagte UBS-Chef Sergio Ermotti in einem Interview.

   Für die Deutsche Bank ist das Geschäft mit Anleihen hingegen ein Gewinnbringer. Im dritten Quartal trug dieses Geschäftsfeld mit 2,5 Milliarden Euro zu den Einnahmen bei, 15 Prozent mehr als im zweiten Quartal.

   Die Erholung auf breiter Front ist aber eventuell nur einer Sondersituation in diesem Sommer geschuldet. Die Europäische Zentralbank (EZB) legte ein umfangreiches Programm auf, um die Finanzierungskosten von angeschlagenen Eurostaaten wie Spanien oder Italien zu drücken. Das beruhigte die Märkte: Die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone wich neugefundenem Optimismus. Brachliegendes Kapital floss zurück in die Märkte.

   Das löste auf beiden Seiten des Atlantiks Freudenstimmung auf den Fluren der Fixed-Income-Sparten aus. Gleichermaßen schossen die Kurse der Anleihen in die Höhe, die die Banken in ihren Bilanzen halten. Beide Faktoren sorgten für eine wahre Einnahmenflut im Vergleich zur Dürre des zweiten Quartals. Die Entscheidung der EZB, im Konzert mit ähnlichen Schritten der US-amerikanischen Notenbank die Märkte mit Liquidität zu fluten, diente vielen Unternehmen als Katalysator, um in großem Stil eigene Anleihen auf den Märkten zu platzieren. Das war Wasser auf die Mühlen des Anleihehandels. Doch die Sorge vor einem Strohfeuer bleibt: Die Situation in Europa könnte sich laut Analysten auch noch drastisch verschlimmern.

   Allgemein bekannt ist die risikobehafteten Sparte als "Fixed Income, Currencies and Commodities (FICC)" - ihr werden also auch noch Währungen und Rohstoffe zugerechnet. Zu ihren Feldern zählen entsprechend auch der Devisenhandel, ebenso Ölkontrakte sowie Staats-, Hypotheken- und Schrottanleihen. An der Wall Street generiert das umstrittene und riskante FICC die höchsten Einnahmen. Die Banken erlösten damit allein im vergangenen Jahr 100 bis 105 Milliarden US-Dollar, schätzt der Analyst Kinner Lakhani von der Citigroup. In den drei Monaten von Juli bis September kletterten die Einnahmen im FICC im Quartalsvergleich weltweit um 8 Prozent, vermutet der Finanzmarktexperte.

   Trotz der Erfolgsgeschichte hat der Rückzug von UBS eine Reihe von Anleger und Analysten zum Nachdenken gebracht. Gerade Banken, die sich in dieser Sparte nicht in der ersten Reihe befinden, sollten eine Trennung von diesem risikobehafteten Geschäftsfeld erwägen. In den vergangenen Jahren herrschte hier nämlich nicht eitel Sonnenschein. Das Anleihegeschäft schnitt oft schlechter ab als die übrigen Bankaktivitäten. Das Geschäft ist stark schwankend, je nachdem wie der Anlegerenthusiasmus sich hebt oder senkt. Das hängt oft stark von den finanziellen und ökonomischen Herausforderungen ab, denen Europa und die USA gerade ausgesetzt sind.

   Sogar das Management der britischen Barclays, einer der Platzhirsche im Geschäft, musste sich bei der Analystenkonferenz zum dritten Quartal unangenehme Fragen zum überwiegend trüben Ergebnis in der FICC-Sparte gefallen lassen. "Es ist völlig klar: Es gibt nach der UBS-Entscheidung viel Druck seitens der Anleger auf Global Player aus der zweiten Reihe, ihr Anleihegeschäft umzustrukturieren", führte Analyst Lakhani weiter aus.

   Denn die kursorientierte Anlegergemeinde habe mitbekommen, dass der Kurs der UBS-Aktie diese Woche um 17 Prozent in die Höhe schoss, nachdem die Bank die heftigen Einschnitte im Anleihegeschäft angekündigt hatte.

   Ein anderer entscheidender Faktor ist das regulatorische Umfeld. Neue Regeln zwingen Banken dazu, mehr Kapital bei ihren Anleihekäufen auf die Seite zu legen. Außerdem sollen Teile des Handels und des Clearings an Börsen ausgelagert werden. In vielen Fällen befinden sich schon heute die Erträge aus dem Anleihegeschäft unter den Eigenkapitalkosten, was eine wichtige Messlatte für den Erfolg einer Sparte ist. Die regulatorischen Änderungen werden die Geschäftsaussichten eintrüben.

   Banken mit wenig Größenvorteilen dürften ihr Fixed-Income-Geschäft überdenken, erwarten viele Analysten. Dazu zählt unter anderem Morgan Stanley. Das Wertpapierhaus kam in der ersten Jahreshälfte gerade einmal auf einen Marktanteil von 5,2 Prozent. Marktführer J.P. Morgan Chase & Co erreichte prozentual mehr als doppelt so viel Geschäftsanteil.

   Das Anleihegeschäft hängt stark von Größenvorteilen ab, da es hohe Fixkosten aufweist. Kostenblöcke für Technologie und Einhaltung von regulatorischen Vorgaben etwa müssen Banken in ihren Bilanzen herumschleppen, um auf dem Markt mitmischen zu können. Das gilt unabhängig von der Größe des Geschäfts oder des Geldhauses.

   Bei Morgan Stanley erlebte das Anleihegeschäft im dritten Quartal ein Comeback gegenüber dem miserablen Vorquartal. Die Einnahmen verdoppelten sich nahezu. Unternehmenschef James Gorman bezeichnete die Sparte denn auch jüngst als "sehr kritisch" und "attraktiv". Andere Bankvertreter verweisen auf wichtige Verbindungen zwischen dem Geschäft und anderen Produkten, die Morgan Stanley seinen Kunden anbietet, etwa Fusionsberatung. Ihre Einschätzung lautet: Das Geldhaus muss in der Sparte an Größe gewinnen und das darin investierte Kapital zurechttrimmen. Morgan Stanley investiert auch in den elektronischen Handel.

   Hohe Bankvertreter von einer Reihe der Global Player im Anleihegeschäft rechnen damit, mehr Geld zu verdienen, sobald andere Marktteilnehmer sich zunehmend zurückziehen. Noch hat aber kein Geldhaus angekündigt, es der UBS gleichzutun. Anders als viele ihrer Wettbewerber kann die UBS sich jetzt auf die große Vermögensverwaltung als Einkommensquelle konzentrieren. Diesen Rückhalt haben viele andere Geldhäuser nicht.

   Das Fixed-Income-Geschäft wird von den großen Kreditinstituten dominiert. Eine nennenswerte Ausnahme ist die Goldman Sachs Group Inc, die in der ersten Jahreshälfte auf einen Marktanteil von 8,3 Prozent kam. Goldman will an diesem Geschäftszweig auch festhalten. Das momentan schwierige Umfeld sei rein zyklisch und spiegele keine langanhaltende Änderung an den Finanzmärkten und beim Anlegerverhalten wider.

Kontakt zur Autorin: unternehmen.de@dowjones.com

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Bildquellen: Simon Zenger / Shutterstock.com, istock/kryczka

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