14.03.2013 10:43
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Nachrangig besicherte Anleihen

Attraktiv und riskant
Mit Hybridanleihen haben Anleger die Chance auf eine hübsche Rendite. Doch wo Chancen locken, lauern auch Risiken. Das gilt auch für die nachranging besicherten Anleihen.
Hybridanleihen sind keine Alternative für Anleger mit schwachen Nerven. Davon können derzeit vor allem Investoren der 400 Millionen Euro schweren Hybridanleihe der Bonner IVG Immobilien AG ein Lied singen. Da das Unternehmen vorläufigen Zahlen zufolge im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben hat und bereits ankündigte, die Dividende für 2012 zu streichen, gehen wohl auch die Gläubiger der nachrangig besicherten Anleihe (DE000A0JQMH5) leer aus. Konkret: Nach 2012 wird der Konzern wohl auch im laufenden Jahr nicht den Kupon in Höhe von 8,0 Prozent bezahlen. Dass daher auch der Anleihekurs kräftig eingebrochen ist, überrascht nicht wirklich. Aktuell notiert das Papier gerade mal bei rund 50 Prozent.

Ob die Zinszahlungen nachgeholt werden, ist derzeit noch offen. „Die Zinszahlungen werden nur dann nachgeholt, wenn die IVG eine Kapitalerhöhung durchführt oder eine neue Hybridanleihe mit einem Volumen von maximal 25 Prozent des ausstehenden Nominals emittiert“, weiß Marco Ryll, Rentenanalyst der LBBW.

Gute Gelegenheit...
Das Beispiel IVG zeigt, wie riskant nachrangig besicherten Anleihen sind. Auf der anderen Seite sind mit Hybridanleihen aber auch hohe Renditen zu erzielen – vorausgesetzt, der Schuldner bedient das Papier. „Hybridanleihen bieten aktuell eine attraktive Rendite. Im Vergleich zu erstrangig besicherten Anleihen erhalten Anleger ein Renditeaufschlag von rund 3,0 Prozentpunkten“, so Ryll.

Zwar weisen Hybridanleihen größere Risiken auf als „normale“ Corporate Bonds. Doch im historischen Durchschnitt ist „das Bonitätsrisiko zuletzt leicht gesunken. Dies signalisieren etwa die im Vergleich zu Senioranleihen gesunken Spreads “, erklärt Analyst Ryll.

...für risikofreudige Anleger
Dennoch eignen sich solche Bonds lediglich für wagemutige und gut informierte Anleger – und dann auch nur als Beimischung. Ein Grund: jede Hybridanleihe ist unterschiedlich gestrickt. So kann etwa die Zinszahlung unter bestimmten Voraussetzungen nicht nur verschoben, sondern komplett gestrichen werden. „Vor dem Kauf sollten Anleger genauestens die Anleihebedingungen studieren“, empfiehlt daher Experte Ryll.

Schlittert ein Emittent in die Pleite, haben Hybridanleihen-Anleger ebenfalls schlechte Karten. Bei der Verteilung der Konkursmasse müssen sich die Gläubiger solcher Papiere ganz hinten anstellen; nur Aktionäre stehen in diesem Fall noch schlechter dar. Auch was die Laufzeit angeht, müssen Anleger einige Besonderheiten beachten. Schließlich haben Hybridanleihen eine sehr lange oder sogar – zumindest theoretisch – unendliche Laufzeit. Für die Unternehmen hat das den Vorteil, dass nur dann das Emissionsvolumen von einigen Ratingagenturen mit bis zu 50 Prozent dem Eigenkapital zugerechnet wird.

Ungewisse Renditehöhe
Dies bedeutet jedoch nicht, dass Hybridanleihen tatsächlich erst nach Jahrzehnten zurückgezahlt werden. Häufig haben die Emittenten erstmals nach fünf Jahren die Option, ihre nachranging besicherten Anleihen zu kündigen. „Sowohl aus Kosten- als auch aus Imagegründen ist es für die Emittenten in der Regel attraktiver, den ersten Kündigungstermin wahrzunehmen", weiß Ryll. Wird von den Unternehmen die erste Kündigungsmöglichkeit nicht wahrgenommen, kassieren Anleger anschließend nicht mehr den ursprünglich fixen Kupon, sondern eine höhere variable Verzinsung. Welche Rendite Anleger mit Hybridanleihen letztendlich erzielen, steht daher beim Kauf dieser Papiere noch in den Sternen.

Franz von den Driesch ist Chefredakteur der Webmagazine AnleihenMonitor, Ruhestandsmonitor und econoafrica. Die Portale sind redaktionell unabhängig und werden von Wirtschaftsjournalisten mit langjähriger Berufserfahrung betreut. Für die monatlich kostenlosen Newsletter der Webmagazine können sich Anleger auf www.anleihenmonitor.de, www.ruhestandsmonitor.de und www.econoafrica.de anmelden.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Gunnar Pippel / Shutterstock.com
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