23.01.2013 18:00
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Ein Plädoyer für High Yield Bonds

Attraktive Renditechancen
Auch nach der beeindruckenden Rally der letzten Monate zählen Unternehmensanleihen zu den aussichtsreichsten Anlageklassen für die nächsten Jahre. Besonders US-High Yield Bonds sind einen Blick wert.
von Philipp Schöttler, CIO Analyst der UBS

Unternehmensanleihen bieten ein attraktives Renditeplus, während die Ausfallprognosen angesichts solider Unternehmensbilanzen und guter Finanzierungsbedingungen günstig bleiben. Unternehmensanleihen sollten bei der Geldanlage eine größere Rolle spielen als bislang. Insbesondere US-High Yield Bonds stellen eine attraktive Anlagemöglichkeit dar.

Die Erfolgsgeschichte währt nun schon mehr als ein halbes Jahrzehnt: 2012 war das fünfte Jahr in Folge, in dem Anleihen von Unternehmen mit schwächerem Rating – High Yield Bonds – bessere Renditen erzielen konnten als Aktien – und das ohne das Auf und Ab, das Aktienanleger in dieser Zeit durchleben mussten. Diese Entwicklung dürfte sich auch 2013 fortsetzen, auch wenn die Gesamtrendite mit 7 bis 8% geringer ausfallen dürfte als im vergangenen Jahr.

Auf die Finanzkrise haben die führenden Zentralbanken der Welt mit historisch niedrigen Zinssätzen reagiert. Das hat das Umfeld für festverzinsliche Anlagen grundlegend verändert. Anleger, die lediglich einen Inflationsausgleich anstrebten, konnten sich viele Jahre lang auf Staatsanleihen verlassen. Tatsächlich lag die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries zwischen 1981 und Ende 2007 – mit Ausnahme eines Monats – stets über der US-Inflationsrate. Das ist heute nicht mehr der Fall. Um eine positive reale Rendite zu erzielen, müssen Anleger Alternativen bei festverzinslichen Wertpapieren ins Visier nehmen.

Anleger, die in Unternehmensanleihen investieren möchten, müssen sich in erster Linie zwischen dem Investment-Grade-Segment (IG) und dem Hochzinssegment entscheiden. Beide Anlageklassen erfüllen in einem Portfolio gewöhnlich unterschiedliche Zwecke.

IG-Unternehmensanleihen sind Anleihen mit einem Rating von «BBB» oder höher. Gegenüber Staatsanleihen bieten sie eine relativ geringe Prämie, die hauptsächlich für die schwächere Liquidität des Emittenten und das Risiko von Rating-Herabstufungen entschädigt. Die Gesamtrendite von IG-Anleihen dürfte 2013 im Durchschnitt bei 1 bis 2 Prozent liegen. Sie ist damit zwar erheblich niedriger als bei Hochzinsanleihen, dafür aber auch stabiler. Wir glauben deshalb, dass diese Anleiheklasse auch in den nächsten Jahren beständig eine wichtige Rolle in den Portfolios der Anleger spielen wird. Sie bietet bei einem begrenzten Risiko bessere Renditeaussichten als Staatsanleihen

Im Vergleich zu Staatsanleihen und IG-Anleihen ist die Wertentwicklung bei Hochzinsanleihen ausgesprochen zyklisch. Da das Risiko von Zahlungsausfällen bei Emittenten in diesem Segment größer und die Liquidität tiefer ist als bei IG-Anleihen, fällt die durchschnittliche Risikoprämie folglich höher aus. Anleger können bei Hochzinsanleihen daher von einer attraktiven Rendite profitieren, logischerweise bei höherem Risiko. Die Prämie von momentan ca. 5%-Punkten, die ein Anleger im Vergleich zu Staatsanleihen erhält, ist immer noch hoch. In vergleichbaren Phasen im Konjunkturzyklus in der Vergangenheit fiel sie unter 3%-Punkte. Diese Prämie macht Hochzinsunternehmensanleihen im aktuellen Niedrigzinsumfeld so attraktiv.

Der Mangel an Alternativen mit einer attraktiven Verzinsung allein wäre allerdings kein ausreichender Grund, in hochverzinsliche Anleihen zu investieren. Was uns zuversichtlich stimmt, ist die günstige Ausgangslage vieler Unternehmen sowie die erwartete Erholung der Weltwirtschaft 2013 – unter kräftiger Mithilfe der Zentralbanken.

Anleger konnten sich zuletzt über gute Nachrichten aus Amerika freuen: Die US-Wirtschaft wächst, das konjunkturelle Umfeld verbessert sich. Der amerikanische Unternehmenssektor ist so robust wie beinahe nie zuvor. Viele Unternehmen haben im Verlauf der letzten Jahre ihre Bilanzen durch Schuldenabbau sowie vorsichtige Geschäftsaktivität saniert und weisen weiter hohe Cash-Bestände aus. Man kann davon ausgehen, dass das Kreditrisiko bei amerikanischen Unternehmensanleihen gut kontrollierbar bleibt. Die Ausfallquote amerikanischer Emittenten von Hochzinsunternehmensanleihen ist seit 2010 außergewöhnlich niedrig und liegt mit aktuell 1,5 Prozent weit unter dem Langzeitdurchschnitt von 4 Prozent.

Es ist aus unserer Sicht wahrscheinlich, dass die Ausfallquoten auch 2013 niedrig bleiben. Ein Grund dafür ist der geringe Refinanzierungsbedarf der Emittenten. Viele Unternehmen nutzten 2012 die günstigen Bedingungen am Kapitalmarkt, um Anleihen auszugeben und bestehende Verbindlichkeiten vorzeitig umzuschulden. Daher ist das Volumen der in Kürze fälligen Anleihen massiv gesunken, ebenso die Zinslast. Die Unternehmen könnten nun sogar einer überraschenden wirtschaftlichen Eintrübung standhalten.

Auch die Tatsache, dass die Emissionstätigkeit am Primärmarkt für Hochzinsanleihen in den USA und Europa 2012 einen neuen Jahresrekord von USD 365 Milliarden erreicht hat, bereitet uns derzeit keine allzu großen Sorgen. Die Offenheit des Primärmarkts und der Umstand, dass Unternehmen die Erlöse aus Neuemissionen umsichtig und hauptsächlich zur Refinanzierung verwenden, dürften auch künftig für ein gesundes Marktumfeld sorgen.

Besonders bei Hochzinsanleihen besteht nach wie vor Potenzial für sinkende Spreads in den nächsten Monaten. Das ist bedeutsam, da für das laufende Jahr allmählich steigende Zinsen auf Staatspapieren erwartet werden. In einem Anlegerportfolio können Hochzinsanleihen somit weiterhin zur Diversifizierung und zur Renditesteigerung beitragen.

Bildquellen: Andrew Olscher / Shutterstock.com
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