von Marc Hofmann, €uro am Sonntag
Bei Anlegern sind Internetportale wie Onvista oder Finanzen.net beliebt. Wer etwa eine Anleihe kaufen möchte, tippt Eckdaten wie Rendite und Laufzeit in eine Suchmaske ein und erhält sofort eine passende Auswahl. Das ist praktisch. So praktisch, dass manche Anleger mittlerweile ganz auf eine Kaufberatung verzichten. Ein gefährliches Spiel. Denn so mancher Fund entpuppt sich später als Credit Linked Note (CLN) — ein synthetischer Bond mit erheblichem Risiko.
„CLN sind Inhaberschuldverschreibungen, ähnlich einem Zertifikat“, erklärt Torsten Bischoff, Produktmanager bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Sie werden von Banken emittiert und besitzen einen fixen Zinskupon mit fester Laufzeit. Deshalb können sie leicht mit den normalen Standard-Bonds (Senior-Anleihen) einer Bank verwechselt werden.
Lediglich Namenszusätze wie „Cobold“ oder „Colibri“ deuten auf die Andersartigkeit der Papiere hin. Zudem fehlen Ratings und die Kupons wirken häufig überhöht.
Papiere sind eine Pleitewette
Vereinfacht ausgedrückt wetten Anleger mit einer Credit Linked Note auf die Solvenz eines Anleiheemittenten. Im Fall der Solveo Select 2012 (siehe Tabelle) wettet man zum Beispiel, dass der französische Autobauer Peugeot bis April 2015 nicht pleitegeht. Als Referenz für die Solveo-Anleihe dient eine fünfjährige Unternehmensanleihe von Peugeot (ISIN: FR0010780452). Bedient Peugeot seinen Bond immer fristgerecht, so erhält der Käufer der Solveo-Anleihe sein Kapital am Laufzeitende zurück. Zudem erhält er eine jährliche Rendite von 5,54 Prozent.
Geht Peugeot hingegen pleite, so erhalten Anleger des Solveo-Papiers nur noch die Recovery-Rate. Die Recovery-Rate entspricht dem Kurswert der unterlegten Anleihe des Unternehmens und orientiert sich an der Insolvenzquote. In der Regel verliert man dann zwischen 60 und 100 Prozent des eingesetzten Kapitals.
Doppeltes Risiko
Neben dem Ausfallrisiko des Referenzemittenten tragen Anleger mit einer CLN zudem auch noch das Bonitätsrisiko des Emittenten. Geht die emittierende Bank des synthetischen Bonds pleite, so verlieren sie ebenfalls alles.
Ausgeglichen wird dieses Doppelrisiko durch eine höhere Verzinsung. Der Kupon einer CLN setzt sich in der Regel aus der Bonität der Bank sowie der Bonität des Referenzschuldners zusammen. Zahlt die Bank also üblicherweise für ihre Senior-Anleihen zwei Prozent Zinsen und Peugeot beispielsweise vier Prozent, so trägt die CLN einen Kupon von sechs Prozent.
Neben CLN auf einzelne Firmen oder Staaten (Single-Name-Produkte) gibt es auch CLN auf mehreren Referenzemittenten (Basket-Produkte). Ein Beispiel hierfür ist die Solveo Select 2010. Hier sind die Referenzschuldner ThyssenKrupp, Metro und Lufthansa. Da es sich um eine sogenannte „first to default“-CLN handelt, genügt es, wenn während der Bondlaufzeit ein einzelner Anleiheemittent ausfällt, um den vollen Verlust zu erleiden.
Etwas fairer geht es dagegen bei Linear-Basket-CLNs zu. Bezieht sich die Credit Linked Note zum Beispiel auf zehn Unternehmen und nur eines fällt aus, so wird nur ein Zehntel des Anleihenennwerts mit der Insolvenzquote bewertet. Anleger könnten hier also trotz einer Pleite noch über 90 Prozent ihres eingesetzten Kapitals zurückerhalten.
Man sollte meinen, dass die Papiere aufgrund ihrer riskanten Konstruktion relativ häufig ausfallen. Doch überraschenderweise stimmt das nicht. Für die Soveo-Bonds der LBBW brachte zum Beispiel erst die Umschuldung Griechenlands den ersten Zahlungsausfall. Bei den Colibris der Commerzbank sorgte ebenfalls nur die Lehman-Pleite 2008 für Verluste.
Fazit: CLNs können durchaus eine gute Ergänzung zu normalen Bond-Investments sein. Doch ohne genaue Produktkenntnisse sollte man die Papiere nicht anfassen.
Credit Linked Notes - alle first to default (pdf)