14.03.2013 14:10
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Wird Italien zum Sargnagel für Europa?

Die italienische Tragödie wird immer mehr zum Problem für Euroland und somit auch für Deutschland.
Einerseits will man hierzulande - historisch bedingt - beweisen, dass man für Europa ein verlässlicher Partner ist. Aber andererseits beherrscht die Angst vor einem wirtschaftlichen Kollaps in verschiedenen Euroländern das Handeln der deutschen Bundesregierung. Denn mit jedem Downgrade der anderen „Euro-Stützpfeiler“ laufen die angehäuften Risiken weiter aus dem Ruder und die wirtschaftlich schwachen Länder klammern sich noch mehr an die „Konjunktur-Lokomotive“ Deutschland. Dies ist zwar - neutral bewertet - nachvollziehbar, aber in Deutschland wird mit einem solchen Verhalten in der Folge nationales Gedankengut gefördert.

Somit ist zu befürchten, dass es auch bei uns nur noch eine Frage der Zeit ist, bis eine „Anti-Euro-Partei“ gegründet wird. Ob dies noch vor der diesjährigen Bundestagswahl passieren wird, darf zwar bezweifelt werden, aber durch das Verhalten in den Krisenstaaten wurde bereits der gedankliche „Grundstein“ dafür gelegt. Zeitgleich ist der Bericht der Deutschen Bundesbank zur Vermögensverteilung innerhalb der Eurozone ein hochexplosiver Sprengstoff. Denn es kann nicht sein, dass in Deutschland gezahlte Steuern ins europäische Ausland fließen, da diese Staaten nicht in der Lage sind, die festgesetzten Steuern einzutreiben. In Deutschland hingegen wird an allen Ecken und Enden gespart. Jeder kann das feststellen. So rosten etwa viele Autobahnbrücken vor sich hin und sind für Schwertransporte nicht mehr befahrbar. Oftmals stehen auch Schwimmbäder, Bibliotheken, Sportstätten und vieles mehr wegen fehlender Gelder den Bürgern nicht mehr zur Verfügung. Und selbst für den Unterhalt der Universitäten, also einer zentralen Institution des nationalen Projekts „Zukunft“, fehlen die Gelder.

Wenn dies so weitergeht, kann Europa in naher Zukunft im Chaos der nationalen Bewegungen versinken. Es ist aber nicht auszuschließen, dass sich Italien schon bald vom Euro verabschiedet. Ist man bei der Gründung der gemeinsamen Währung noch davon ausgegangen, dass das Motto „… bis dass der Tod euch scheidet“ für lange Zeit gilt, so besteht inzwischen die Gefahr, dass sich hoch verschuldete Staaten klammheimlich aus dem gemeinsamen Projekt zurückziehen. Eigentlich sollte der Euro als Gegengewicht zum US-Dollar installiert werden. Für Deutschland besteht nun die Gefahr, dass man im Falle eines Scheiterns des europäischen Gedankens der große Verlierer werden könnte und auch ohne Krieg einen Wiederaufbau schultern müsste. Dennoch dürfen wir uns nicht erpressen lassen! Nur ein gemeinsamer Überlebenswille ist ein Garant für den Fortbestand Europas und nicht ein erzwungener Staatenbund. Der Zerfall des ehemaligen Jugoslawien sollte uns stets Mahnung sein, was passieren kann, wenn sich nationale Strömungen ihren Weg bahnen.

Bond-Anleger profitieren von Kapitalerhöhung der Commerzbank

Was den Anleger am Rentenmarkt freut, findet der Aktionär betrüblich.

Des einen Freud, des anderen Leid. Was den Anleger am Rentenmarkt freut, findet der Aktionär betrüblich. Die Commerzbank zahlt dem Bankenrettungsfonds Soffin Stille Einlagen über 1,6 Mrd. € zurück, was an den Märkten unterschiedlich goutiert wird. Während die Aktie des Instituts kräftige Abschläge bis zu 14% hinnehmen musste, stiegen die Preise für Commerzbank-Bonds. Profitieren konnten von dieser Entwicklung unter anderem Nachranganleihen der Commerzbank mit Laufzeit bis 3/2019 (WKN: CB83CE) und einer Rendite von ca. 4,6% sowie mit Laufzeit 3/2021 und rund 6,1% Rendite (WKN: CB83CF), die in der Spitze um 2,5 bzw. 2,2 Prozentpunkte zulegten. Die Rückzahlung der Soffin-Gelder sollen über eine Kapitalerhöhung von 2,5 Mrd. € finanziert, womit der Staatsanteil an dem Institut auf unter 25% sinkt. Mit der vorzeitigen Rückzahlung fallen für die Bank auch fällige Zinsen in Höhe von 9% auf die 1,6 Mrd. € weg. Gleichzeitig soll eine frühere Finanzspritze der Allianz über 750 Mio. € zurückgezahlt werden.

Bundesbank stockt Risikovorsorge auf

Höhere Ausfallwahrscheinlichkeiten für Euro-Bonds der Schuldenländer

Wolfgang Schäuble ist enttäuscht. Statt der geplanten 1,5 Mrd. € überweist die Deutsche Bundesbank dem Bundesfinanzminister nur noch einen Gewinn in der niedrigen Höhe des Vorjahres von 664 Mio. €. Die Ursache für den Gewinn, der niedriger als erwartet ist, liegt in der erhöhten Risikovorsorge, die die Bundesbank getroffen hat. Mit 14,4 Mrd. € hat Bundesbankchef Jens Weidmann diese Position im Vergleich zu 2009 versiebenfacht. Das muss all jenen, die die Eurokrise schon wieder klein reden wollten, ein Warnsignal sein. Die Botschaft von Weidmann ist klar: Die Ausfallwahrscheinlichkeiten für die Staatsanleihen hochverschuldeter Euroländer, die Weidmann widerstrebend auf Geheiß der Europäischen Zentralbank aufkaufen musste, haben sich erhöht. Denn sollten Länder wie Italien oder Spanien ihre Schuldtitel eines Tages nicht zurückbezahlen, müssten die Notenbanken europaweit die Papiere abschreiben. Und dafür dürften im Zweifel die zurückgestellten 14,4 Mrd. € kaum reichen, hat doch die Bundesbank seit Mai 2010 für mehr als stattliche 200 Mrd. € Staatsanleihen von Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien aufgekauft.

Selbst die verbleibenden 664 Mio. € Bundesbank-Gewinn darf Schäuble nicht für den eigenen Haushalt verwenden. Rund 600 Mio. € davon muss der Finanzminister an Griechenland transferieren. Wie er mit seinen Euro-Ressortkollegen vereinbart hatte, sollen die Zinsgewinne, die mit den aufgekauften Hellas-Bonds angefallen waren, wieder nach Athen rücküberwiesen werden.

Den „Fallen Angels“ auf der Spur

So manche Bonds sind besser, als es ihre Bonität erscheinen lässt.

Mitgefangen, mitgehangen – ein solches Schicksal erfahren mitunter Anleihen, die etwa aufgrund eines Downgrades des Herkunftslandes ihrer Emittenten den Status „Investment Grade“ verlieren. Weitere Ursachen für verschlechterte Bonitätsnoten können schwächelnde Geschäftsmodelle, verschlechterte Bilanzstrukturen oder schrumpfende liquide Mittel sein. Dennoch seien diese Bonds nicht mit klassischen Hochzinsanleihen gleichzusetzen, hatte Ernst Konrad, Vermögensverwalter bei Eyb & Wallwitz dieser Tage betont. Während die "Fallen Angels" auf eine Ausfallrate von 1,5% kommen, liegt diese Quote für klassische Hochzinsanleihen bei 4,3%. Profi-Investoren in den USA haben diese Marktnische längst entdeckt.

Doch auch hierzulande ist festzustellen, dass die Anleger immer wieder nach schlecht gerateten Corporate Bonds nachfragen, denen man dennoch mehr zutraut, als die Bonitätsnote besagt. So standen in dieser Woche an den Börsen Düsseldorf und München selektiv Titel von ThyssenKrupp (WKN: A1R08U) mit Laufzeit 8/2018 und ca. 3,6% Rendite sowie von Nokia (WKN: A0T6DF) mit Laufzeit 2/2019 und ca. 5,4% Rendite auf den Kauflisten. Ebenso waren Anleger auf der Suche nach Unternehmensanleihen von HeidelbergCement (WKN: A1C90N), die bis 4/2020 laufen und mit ca. 4% rentieren, sowie einem Titel von Lafarge (WKN: A0DZ77), der bei einer Laufzeit 3/2020 rund 3,7% Rendite abwirft.

2015: Ausgeglichener Haushalt? Regierung blendet das Rentenproblem aus!

Kommt irgendwann die Rente mit über 70 Jahren?

Eine „La-Ola-Welle“ geht durchs Land, denn die Bundesregierung plant die niedrigste Neuverschuldung seit Jahrzehnten. Der zweite Teil ist korrekt, aber der erste Teil weit gefehlt. Eine Neuverschuldung in Höhe von 6,4 Mrd. € (geplant für 2014) alleine hat keine Aussagekraft. Denn erstens bedeutet dies weiterhin, dass mehr Geld ausgegeben wird als eingenommen wird. Die großen Risiken, die durch die Übernahme von Bürgschaften für Rettungsschirme entstanden sind, werden klein geredet. Auch die Tatsache, dass jeder Bürger in Deutschland jeden Tag einen Verlust an Lebensqualität registriert, lässt keine Freude aufkommen. Sollten sich in den nächsten Jahren aber auch in Deutschland konjunkturelle Schwächen einstellen und die tatsächlichen Steuereinnahmen nicht mehr den „Planzahlen“ entsprechen, dann kann das Konstrukt sehr schnell ins Wanken geraten. Dann wäre der für 2015 anvisierte ausgeglichene Haushalt eine Farce. Aber auch von einer Rückzahlung der Staatsschulden sind wir noch weit entfernt.

Trotz unserer Verschuldung machen sich unsere Politiker aber noch keine Gedanken zur Altersversorgung. Schon bald werden die geburtenstarken Jahrgänge ihre Anträge stellen und dann wird sich das wahre Ausmaß der finanziellen Ausstattung zeigen. Wurde 1970 durchschnittlich ca. 11,5 Jahre lang Rente bezogen, so sind es inzwischen ca. 18,5 Jahre. Diese Finanzierungslücke und die nach dem Mauerfall erhöhte Anzahl der Bezugsberechtigten lässt Schlimmes erahnen. Das Renteneintrittsalter mit 67 wird bereits in wenigen Jahren nicht mehr Bestand haben und eine weitere Erhöhung auf über 70 Jahre kann nur durch eine höhere Selbstbeteiligung (Bürgerversicherung) vermieden werden.

Diese aus dem Sozialsystem entstandene Finanzierungslücke lässt die Meldung „Bund plant niedrigste Neuverschuldung seit Jahrzehnten“ in einem völlig anderen Licht erscheinen.

Investoren am Primärmarkt haben Appetit auf Rendite

In der vergangenen Woche emittierte der niederländische Telekommunikationskonzern KPN eine nachrangige Perpetual-Anleihe (WKN: A1HG9D) im Volumen von 1,1 Mrd. €. Die Anleihe hat drei Kündigungstermine, jeweils zum 14. September 2018, 2023 und 2038. Der Kupon beträgt bis zum 14. September 2018 6,125%. Wird die Anleihe zu diesem Stichtag seitens des Emittenten nicht gekündigt, berechnet sich der Kupon ab diesem Zeitpunkt aus dem dann gültigen 5-Jahres Mid Swap Satz +5,202%. Wird die Anleihe am 14. September 2023 bzw. 2038 nicht gekündigt, addiert sich zum dann herrschenden 5-Jahres Mid Swap Satz ein Spread von +5,452% bzw. +6,202%.

Am Montag dieser Woche emittierte die österreichische Erdöl-Lagergesellschaft m.b.H, eine Bevorratungsgesellschaft für Erdöl und Erdölprodukte, eine 500 Mio. € große Anleihe (WKN: A1HG88) mit Fälligkeit März 2028. Gepreist wurde die Anleihe bei 99,202%, was einem Spread von +59 bps über Mid Swap bzw. +131,50 bps über Bunds entsprach. Den Investoren zahlt das Unternehmen einen Kupon von 2,75%.

Ebenso am Montag emittierte die Renault Bank (RCI-Bank) eine bis Januar 2018 laufende Anleihe (WKN: A1HG85). Auf diese Weise wurden 600 Mio. € über den Kapitalmarkt zu 2,875% aufgenommen. Gepeist wurde die Anleihe bei einem Kurs von 99,765%. Dies entsprach einem Spread von +244,30 bps über Bunds.

Am Dienstag emittierte der italienische Autobauer Fiat eine Anleihe mit einer Laufzeit von 5 Jahren (Fälligkeit März 2018 / WKN: A1HHEE). Die erste Guidance bewegte sich im Bereich +605 bps über Mid Swap, der Kupon wurde mit ca. 7% erwartet. Gepreist wurde die Anleihe bei einer Rendite von 6,625% und einem Kurs von 100%. Dies entsprach einem Spread von +569,4 bps gegen Mid Swap (+617 bps gegen Bunds). Das Volumen der Anleihe beträgt 1,25 Mrd. €. Zuletzt handelte die Anleihe bei 101%, dies verdeutlicht den weiter großen Appetit der Investoren auf Rendite.

Euro-Bund-Future: Aktien hui, Renten pfui

Tradingrange zwischen 141,85% und 143,96%

Nach dem Rollover in den Juni Kontrakt und nach der EZB-Sitzung am vergangenen Donnerstag ging dem Euro-Bund-Future etwas die Luft aus. Sorgte die Rede von EZB-Chef Mario Draghi, gepaart mit erfreulichen US-Arbeitsmarktdaten am Freitag, für steigende Aktienkurse, so erinnerten die Notierungen des Sorgenbarometers an einen mehrstufigen Wasserfall. Hier ging es von 143,44% über 142,72% bis auf 142,27% abwärts. Aber schon zu Beginn dieser Handelswoche lief das Wasser wieder bergauf. Allerdings nicht wie bei einem Kinderexperiment durch die Kohäsionskraft, sondern durch schwache Wirtschaftsdaten aus Frankreich und dem Vereinigten Königreich. Aktuell notiert der Euro-Bund-Future knapp unterhalb von 143%, also in der Mitte der charttechnischen Leitplanken. Denn der Bereich um 141,85% (mehrere Januarhochs) stellt eine kräftige Unterstützung dar und die Marke von 143,96% (Hoch vom 4.3.13) wird vorerst als Widerstand bestehen bleiben.

Im Hinblick auf die anstehenden Entscheidungen in Italien und auf Zypern ist damit zu rechnen, dass sich der Euro-Bund-Future bei hoher Volatilität in dieser Bandbreite bewegen wird. Erst ein Durchbrechen dieser Begrenzungslinien würde eine Neubewertung der Situation erforderlich machen.

Neuemissionen: Sorgenkinder werden wieder mutiger!

Irland refinanziert sich für 10 Jahre mit 4,15%
Bund leiht sich für 2 Jahre Geld zu 0,06%

Trotz der vielen noch nicht gelösten Probleme wurden in dieser Handelswoche die Finanzagenturen diverser europäischer Problemstaaten wieder mutiger und nutzten die Gunst der Stunde. Teilweise wurden sogar Refinanzierungen angekündigt, die nicht geplant waren. So zum Beispiel seitens Irlands, das nach vielen Jahren der Abstinenz wieder eine zehnjährige Anleihe am Kapitalmarkt im Volumen von 5 Mrd. € platzierte. Die Gebote summierten sich sogar auf 12 Mrd. €. Während der Finanzkrise notierten zehnjährige Staatsanleihen Irlands noch bei über 15% und somit ist die heute zu erzielende Rendite von 4,15% ein Geschenk für die irische Staatsregierung. Aber auch Spanien kündigte für heute - nach gelungenen Auktionen für Geldmarktpapiere - die Begebung von länger laufenden Anleihen an, die in den Jahren 2029, 2040 und 2041 fällig sind.

In Deutschland standen ebenfalls Aufstockungen zweier Bundeswertpapiere auf der Agenda. Dabei wurde das Volumen der inflationsindexierten Anleihe (WKN: 103054) um 1 Mrd. € auf insgesamt 9 Mrd. € erhöht. Die Zuteilung der 1,8-fach überzeichneten Anleihe erfolgte bei einer realen Durchschnittsrendite von -0,34%. Die zweijährigen Bundesschatzanweisungen (WKN: 113741) hingegen wurden bei einer 1,7-fachen Überzeichnung mit einer Durchschnittsrendite von +0,06% zugeteilt. Das Gesamtvolumen der Emission beläuft sich nach der Aufstockung um 5 Mrd. € nun auf insgesamt 10 Mrd. €.

Währungsanleihen: Euroskeptiker suchen wieder nach Alternativen Euro unter der Marke von 1,30 USD

In dieser Handelswoche musste der Euro gegenüber dem US-Dollar weitere Rückschläge hinnehmen. Denn die Marke von 1,30 USD wurde unterschritten und somit konnte der negative Trend nicht gestoppt werden. Die Herabstufung Italiens und die vielen ungelösten Probleme verunsichern die Devisenhändler also weiterhin. In der Vergangenheit hat sich Europa nicht in der Lage gezeigt, Probleme anzugehen und zu lösen. Dieser zögerlichen Haltung wird nun Tribut gezollt. Es ist Zeit, dass Entscheidungen getroffen werden und diese gilt es dann auch umzusetzen. Erst dann ist wieder mit einem Wertzuwachs beim Euro zu rechnen. Aber alles hat bekanntlich zwei Seiten, denn die Diskussionen um „Währungskriege“ ist seit etwa zwei Wochen kein Thema mehr im deutschen Fernsehen.

Weiterhin richten sich die Blicke der Anleger auf Alternativwährungen, da auch ein Ausscheiden einzelner Staaten aus dem Euroverbund immer wieder diskutiert wird. Somit bleiben Anleihen auf australische Dollar und norwegische Kronen auf den Kauflisten der Euroskeptiker.

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Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.Baadermarkets.de

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