28.03.2013 14:38
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Zypern als Versuchskaninchen

Die Mittelmeerinsel tut nichts, was andere Politiker nicht auch tun - vielleicht nur etwas ungeschickter.
Zypern kann sich inzwischen getrost als Versuchskaninchen in einer Laborsituation fühlen. Schließlich wurden die Rettungsversuche für die Mittelmeerinsel mit entsprechenden Worten vom Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem kommentiert. In einem Interview vertrat er die Meinung, dass man zukünftig mit Eigentümern und Gläubigern sprechen werde, wenn eine Bank in Schwierigkeiten geraten sollte. Hierbei handelt es sich um eine drastische Veränderung der bisherigen Vorgehensweise, die Anlass für allerlei Spekulationen bei der Wahl der richtigen Anlagestrategie gibt.

Noch vor wenigen Wochen lebten die Reichen auf Zypern in „Saus und Braus“ und konnten lachend das Leben genießen. Diese Zeit ist allerdings vorerst passé und die indirekt davon betroffenen Staaten freuen sich insgeheim, dass ein Exempel statuiert wurde. Die niedrigen Steuersätze auf Zypern waren ihnen schon lange ein Dorn im Auge, denn innerhalb der europäischen Gemeinschaft ist das Erheben von Steuern immer noch nationales Recht. Daher sollten wir nicht nur mit dem Finger auf Zypern zeigen, denn viele politisch Verantwortliche machen hierzulande auch nichts anderes. So locken auch innerhalb Deutschlands viele Bürgermeister große Unternehmen mit niedrigen Sätzen bei der Gewerbesteuer in ihr Gewerbegebiet. In diesen Fällen geht es immer darum, den Mitbewerber auszustechen und sich selbst etwas Gutes zu tun, selbst auf Kosten der anderen. Aber auch Staaten haben sich hierfür Möglichkeiten geschaffen. So gibt es im britischen Steuerrecht eine Besonderheit, die es vermögenden Ausländern - bei einem Aufenthalt von mehr als 183 Tagen pro Jahr in Großbritannien - ermöglicht, gegen eine jährliche Zahlung von 30.000,- GBP unter Umständen vollständig von der Besteuerung ihrer Vermögenseinkünfte befreit zu werden. Denn Einkünfte, die außerhalb von Großbritannien verbleiben, sind nach britischem Recht nicht steuerpflichtig. Diese attraktive Vorzugsbehandlung (remittance base taxation) besteht seit über zwei Jahrhunderten und zieht Vermögende aus aller Welt an. Aktuell profitieren ca. 125.000 Personen von dieser Regelung.

Zypern hat also nichts Verbotenes getan, sondern stellt nur die Speerspitze dar bzw. andere Staaten machen es geschickter und unauffälliger. In diesem Zusammenhang denke ich oft an folgenden Satz aus “Animal Farm” von George Orwell: „All animals are equal but some animals are more equal than others.“ Warum nur?

Auch ein einzelner Tropfen kann ein Fass zum Überlaufen bringen.
Wird Slowenien das nächste Zypern?

Momentan diskutieren alle anerkannten und selbst ernannten Wirtschaftsfachleute über die Auswirkungen der geänderten Umgangsformen mit Krisenstaaten. Obwohl die Geldabflüsse aus Zypern gewisse undichte Stellen erahnen lassen, wurde der Großteil der ausländischen Investoren von den getroffenen Maßnahmen überrascht. Je nach Sicht der Dinge werden die Beschlüsse als „Plünderung“ oder als „notwendiger Schritt zur Haushaltskonsolidierung“ bezeichnet. Unbestritten ist, dass sich mit diesem „Rettungspaket“ die Staatsverschuldung auf ca. 150% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erhöhen wird und es bleibt abzuwarten, ob sich Zypern mittels seiner Gas- und Ölvorkommnisse wieder aus dieser finanziellen Umklammerung lösen kann. Denn Zypern ist im Gegensatz zu anderen Krisenstaaten nicht durch eine unsolide Haushaltsführung in diese missliche Situation geraten, sondern durch die Schieflage von zwei hochverschuldeten zyprischen Großbanken. Diese wiederum hatten sich einem besonderen Geschäftsmodell verschrieben und wurden durch die hohen Abschreibungen gegenüber dem griechischen Staat gezwungen, die Spielregeln der Troika zu akzeptieren.

Somit bleiben die Banken die Achillesferse aller Staatshaushalte und es gilt, nun einen Plan zur Sanierung der kriselnden Banken zu erstellen. Ein Staat, der bereits seit vier Jahren mit den Folgen der Rezession zu kämpfen hat und wo notleidende Kredite immer mehr überhand nehmen, ist Slowenien. Somit befürchten inzwischen viele Investoren, dass Slowenien als nächstes Land die Staatengemeinschaft um Hilfe bitten muss. Denn in diesem Jahr müssen ca. 3 Mrd. € beschafft werden und die Banken benötigen zur Verbesserung ihrer Eigenkapitalquote 1 Mrd. € an neuem Kapital. Für sich alleine betrachtet handelt es sich hierbei zwar um „Peanuts“, aber auch ein einzelner Tropfen kann ein Fass zum Überlaufen bringen.

Anleger suchen bei Corporates Bonds nach Alternativen zum Aktienmarkt
Bonds von ThyssenKrupp bleiben Anlegers Lieblinge.

Angesichts der aktuellen Schwäche am Aktienmarkt suchen Anleger wieder verstärkt am Bondmarkt nach Alternativen bei Firmentiteln. Fündig wurden sie an den Börsen Düsseldorf und München unter anderem bei einer Unternehmensanleihe von Fresenius (WKN: A1HEWZ), die bis 7/2020 läuft und mit rund 2,9% rentiert, sowie einem Titel von Renault (WKN: A1G9HU), der 9/2017 fällig wird und mit einer Rendite von ca. 3,3%. Weiter gefragt ist auch ein auf Norwegische Kronen lautender Corporate Bond von BMW (WKN; A1HDA4), der 12/2015 fällig wird und mit ca. 2,3% rentiert. Hierbei setzen die Anleger offenbar auch auf ein mögliches Erstarken der Norwegischen Krone gegenüber dem Euro. Seit Wochen gehört ThyssenKrupp (WKN: A1R08U) zu den Lieblingen der Anleger am Bondmarkt, so auch in dieser Woche. Die bis 8/2018 laufende Unternehmensanleihe weist bei einem Kupon von 4,0% eine Rendite von ca. 3,6% auf.

Topratings – verzweifelt gesucht
60 Prozent weniger Anleihevolumen mit AAA-Status

Die mit der besten Bonitätsnote AAA eingestuften Anleihen werden knapp. Einer Untersuchung der Londoner Wirtschaftszeitung "Financial Times" zufolge haben die mit Topratings ausgezeichneten Anlagemöglichkeiten seit der Finanzkrise 2008 weltweit um 60 Prozent abgenommen. Dies geht demnach vor allem auf die Herabstufungen der USA, aber auch von Großbritannien und Frankreich zurück. Insgesamt ist das Volumen von Anleihen, die bei den großen Ratingagenturen Fitch, Moody's und Standard & Poor's noch AAA-Status aufweisen, um rund 7 Billionen auf nunmehr 4 Billionen US-Dollar gesunken.

Am Rentenmarkt macht sich diese Entwicklung auch aktuell bemerkbar. So sind Bundesanleihen mit AAA-Rating immer wieder gefragt. Es gibt aber kaum Investoren, die bei der aktuellen Marktsituation Material abgeben wollen. Vor allem im kurzläufigen Bereich waren in dieser Woche Bundestitel gesucht. Unter anderem standen Bundesschatzanweisungen auf den Kauflisten – ein Titel mit Laufzeit 9/2013 (WKN: 113735) mit einer marginalen Minusrendite sowie eine Gattung mit Laufzeit 3/2014 (WKN: 113737) und einer Nullrendite. Hierbei stehen Sicherheit und kurzfristiges Zwischenparken von Geldern im Vordergrund.

Unterhalb der Topratings bestand aber auch Nachfrage nach einer Inhaberschuldverschreibung der Deutschen Pfandbriefbank (WKN: A1PG3A), die bis 9/2015 läuft und eine Rendite von ca. 1,5% aufweist. Der Titel hat bei Fitch die Bonitätsnote "A –" und bei Standard & Poor’s "BBB".

Auch in der Karwoche wird fleißig emittiert
Evonik, Heineken und France Telekom erfreuen die Anleger

Am Dienstag emittierte Evonik Industries, eines der weltweit größten Unternehmen der Spezialchemie mit Sitz in Essen, eine 7-jährige Anleihe (Fälligkeit 4/2020). Der Kupon beträgt 1,875%, eingesammelt wurden insgesamt 500 Mio. €. Gepreist wurde die Anleihe bei einem Spread +75 bps über Mid Swap. Dies entsprach einem Kurs von 99,185%.

Ebenso am Dienstag emittierte die niederländische Brauerei Heineken N.V. eine Anleihe mit Fälligkeit 4/2021. Das 8-jährige Papier hat ein Volumen von 500 Mio. €. Gepreist wurde diese Anleihe bei 99,569%, was einem Spread von +65 bps über Mid Swap entsprach.

Außerdem hat das französische Telekommunikationsunternehmen France Telecom eine 6 1/2 Jahre laufende Anleihe begeben. Die Rückzahlung ist für 10/2019 vorgesehen. Der Emissionspreis von 99,472% entsprach +85 bps über Mid Swap. Platziert wurde ein Volumen von 750 Mio. € mit einem Kupon von 1,875%.

Elia System Operator S.A., ein börsennotierter belgischer Übertragungsnetzbetreiber mit Sitz in Brüssel, emittierte sogar zwei Tranchen am Kapitalmarkt. Die 15-jährige Tranche mit Fälligkeit 4/2028 besitzt ein Volumen von 550 Mio. €. Der Kupon beträgt 3,25%. Gepreist wurde die Tranche bei 99,672%. Im Spread ergab dies +117 bps über Mid Swap. Die 20-jährige Tranche mit Fälligkeit im 4/2033 weist ein Volumen von 200 Mio. € auf. Der Preis dieser Tranche (100,00%) entsprach +123,3 bps über Mid Swap. Den Investoren wird ein Kupon von 3,5% bezahlt.

Euro-Bund-Future: Die Krise ist wieder zum Greifen nah!
Sicherheit wird großgeschrieben.

Die vergangene Handelswoche kann man mit einem Sprichwort zusammenfassen: „Das falsche Wort, zur falschen Zeit, gibt richtig Streit.“ Die Äußerung von Euro-Gruppenchef Dijsselbloem, Zypern als Blaupause für andere notleidende Staaten zu verwenden, gab den Startschuss für eine Rallye des Sorgenbarometers. Die Bekanntgabe der vermeintlichen Rettung Zyperns geriet in den Hintergrund. Schon bald egalisierte der Bund-Future seinen Rückgang und stieg binnen weniger Stunden wieder auf 144,93%. Schwache Wirtschaftsdaten aus der Eurozone wirkten hier wie ein Brandbeschleuniger und katapultierten das Sorgenbarometer gestern in der Spitze bis auf 145,67%.

Nimmt man die Charttechnik zu Hilfe ist die Marke von 146% als psychologisch wichtiger Widerstand auf dem Weg zum Allzeithoch im Endloskontrakt bei 146,89% (1.6.2012) zu sehen. Der Bereich zwischen 144,60% und 144,85% stellte lange Zeit einen Widerstand dar, der inzwischen allerdings zur Unterstützung mutierte.

Neuemissionen: Bund braucht im 2. Quartal 65 Mrd. €
Fed ist der größte Gläubiger der USA

Dass sich in dieser Woche die Staaten bei der Refinanzierung eher Zurückhaltung auferlegt hatten, hat sicherlich weniger mit der Fastenzeit zu tun als mit den Unsicherheiten nach den jüngsten Beschlüssen in Brüssel und Nikosia. Da die Finanzagenturen weiterhin auf die Hilfe der Investoren angewiesen sind, ist auch in Zukunft mit keiner nachlassenden Emissionstätigkeit zu rechnen. Wenn auch inzwischen vermehrt die Notenbanken die Rolle der Investoren übernehmen. So hat zum Beispiel die amerikanische Notenbank ihren Anteil an den ausstehenden marktgängigen Staatsanleihen per Ende Januar 2013 auf 1,703 Bill. USD beziffert. Das entspricht einem Anteil von über 15%, denn insgesamt sind Anleihen im Volumen von ca. 11 Bill. USD im Umlauf. Dagegen ist die Verschuldung Deutschlands ein Klacks. Merke: "Man muss nur den richtigen Vergleich wählen."

Entsprechend der deutschen Gradlinigkeit wurde in dieser Woche der Kapitalbedarf für Deutschland beziffert und veröffentlicht. Nach Angaben der Finanzagentur belaufen sich im 2. Quartal die benötigten Mittel auf insgesamt 65 Mrd. €. Davon sollen 21 Mrd. € am Geld- und 44 Mrd. € am Kapitalmarkt aufgenommen werden. Durch die aktuell niedrigen Zinsen wird dadurch weiterhin die Zinslast ermäßigt.

Währungsanleihen: Euro als "Vertrauensbarometer"
Vertrauensverlust ruft Käufer von FW-Anleihen auf den Plan.

Der diesjährige Winter hält Europa weiter auf Trapp, ähnlich wie Angst und Verunsicherung die europäischen Märkte. Die Anleger sind aktuell sehr sensibel und reagieren auf verschiedene Aussagen von Politikern und Nachrichten aller Art ziemlich empfindlich. Der Kurs des Euros gegenüber dem US-Dollar kann inzwischen sogar als "Vertrauensbarometer" bezeichnet werden. So musste der Euro in dieser Handelswoche deutliche Kursabschläge hinnehmen. Schwache Konjunkturdaten, sowie die weiterhin verfahrene Situation in Italien sorgten zusätzlich für schlechte Stimmung. Die europäische Einheitswährung geriet abermals unter Druck. Erstmals seit über vier Monaten konnte die Marke von 1,28 USD nicht gehalten werden, im Low kostete das Gemeinschaftsgeld gar nur 1,2752 USD.

Diese Entwicklung gegenüber dem Greenback zeigt sich auch im Vergleich zu den anderen Leitwährungen. So wurde beispielsweise zum australischen Dollar ein neues Jahrestief bei 1,2222 AUD markiert.

Das Vertrauen in die Regierungen der Eurostaaten und damit verbunden natürlich auch in den Euro schwindet immer mehr. Die Privatanleger sind somit bestrebt ihr Vermögen sorgfältig und risikobewusst anzulegen. Deshalb stehen Fremdwährungsanleihen auf norwegische Kronen, australische Dollar und türkische Lira weiter in der Gunst der Anleger.



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Der Autor dieses Artikels ist Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG. www.Baadermarkets.de

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