von Marc Hofmann, Euro am Sonntag
Als der Baukonzern Alpine im Mai eine Anleihe begab, warnte €uro am Sonntag vor den Risiken des Papiers. Explizit bemängelten wir damals die geringe Ertragskraft sowie die hohe Verschuldung des Konzerns. Heute, knapp sechs Monate später, sind die Probleme der Österreicher eskaliert: Alpine ist in akuter Finanznot.
Der 15.000-Mitarbeiter-Konzern hat sich mit Bauprojekten in Polen und Griechenland verhoben. Nun droht ein Jahresverlust von bis zu 260 Millionen Euro. Zu viel für das angeschlagene Unternehmen. Denn die Kassen sind leer und die Kreditrahmen ausgereizt.
Die Nachricht von der prekären Lage der Salzburger hat zu heftigen Verlusten bei den drei ausstehenden Anleihen geführt. Zeitweise fielen die Kurse auf unter 50 Prozent des Nennwerts. Auch die Banken zeigten sich besorgt und beriefen einen Krisengipfel ein. Ergebnis: Die Institute, mit rund 600 Millionen Euro die größte Gläubigergruppe, einigten sich auf ein Stillhalteabkommen. Bis Februar 2013 werden keine Kredite fällig gestellt. Alpine erhält so Zeit, um Geld zu beschaffen. Derzeit gilt als wahrscheinlich, dass FCC, der spanische Mutterkonzern von Alpine, einspringen wird. Ob dies genügt, ist allerdings unklar.
Die Gläubiger des im Mai emittierten Bonds sind daher weniger geduldig. Sie bereiten mit dem Prozessfinanzierer Advofin (www.advofin.at) bereits eine Sammelklage vor. Ihr Argument: Alpine verschwieg, dass der Kreditversicherer Prisma die Deckungssumme für den Konzern vor der Bondemission abgesenkt hatte. Wäre dies bekannt gewesen, so die Anleger, hätte das auf eine Verschlechterung der Finanzlage hingedeutet. Beobachter räumen der Klage gute Erfolgsaussichten ein.

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