05.01.2013 15:30
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Bundesanleihen werden billiger

4. Januar 2013. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Das Jahr beginnnt mit einem großen Schluck aus der Risikopulle. Der Kompromiss im US-Haushaltsstreit und gute Arbeitsmarktdaten aus den USA führen den Arm dazu und belasten die als besonders sicher geltenden Bundesanleihen. Mit 143,12 Punkten entfernt sich der Euro-Bund-Future ein ganzes Stück von seinem Allzeithoch.

Treffen die heutigen offiziellen Arbeitsmarktdaten die allgemeinen Erwartungen, fallen für das Gesamtjahr 2012 nach Beobachtung von Thomas Amend die neu geschaffenen Stellen mit rund 1,8 Millionen in etwa so hoch aus wie 2011. "Damit wären seit Beginn der Finanzkrise rund die Hälfte der knapp 8,8 Millionen verloren gegangenen US-Arbeitsplätze wieder aufgebaut worden", berechnet der HSBC-Analyst.

Bundesanleihen verlieren an Boden

"Die Nachricht über die Einigung auf einen Etat zwischen Republikanern und Demokraten wirkte wie ein Signal, ins Risiko zu gehen", bemerkt Arthur Brunner von ICF Kursmakler, auch wenn lediglich ein Zeitgewinn erreicht worden sei. Von dieser Entwicklung profitiert hätten Aktien und Anleihen der Staaten in der Europeripherie. "Bundesanleihen sind dagegen die klaren Verlierer dieser Woche." Der Bund-Future büßte mehr als 2,5 Punkte ein. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg von 1,31 auf 1,53 Prozent.

Für die US-amerikanische Regierung gelte es nun, bis Ende Februar weitere Einsparungen zu beschließen, um eine Anhebung der Schuldenobergrenze von derzeit 16,4 Billionen US Dollar zu erwirken. "Ansonsten droht dem Land die Zahlungsunfähigkeit." Sollte das Haushaltsdefizit nicht auf ein mittelfristig tragfähiges Niveau gesenkt werden, müsse die USA mit einer Herabsetzung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's rechnen.

Ultralockere Geldpolitik auf dem Prüfstand

Brunner

Zusätzlich belastet worden seien die Bondmärkte von der Erwägung der US-Notenbank, noch in diesem Jahr zu einem Ende der Anleihekäufe zu kommen. "Die beschlossenen Maßnahmen stießen in der jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses der US-amerikanischen Notenbank auf mehr Widerstand als bisher vermutet", erklärt Brunner. Einige Währungshüter befürworteten bereits zur Jahresmitte 2013 einen Schlussstrich.

Risikoaufschläge für Peripherieländer gesunken

Für europäische Anleihen schuldengeplagter Länder war nicht nur der Dezember erfreulich, wie Johannes Rudolph von der HSCB meint. "Misst man die Erträge am BondTop-Index von FTSE/Reuters, so wurden elf positive Monate lediglich von einem Rücksetzer im Juni unterbrochen." Spanische und portugiesische Bonds seien beispielsweise zu deutlich niedrigeren Renditen über den Tisch gegangen. Mit Renditen von unter 5 Prozent für Bonds mit Laufzeiten von 7 bis 10 Jahren hätten etwa portugiesische Staatsanleihen zum Jahresende ganz vorn mitgespielt "Dies wirft die Frage auf, ob sich das Land mit einer Emission in mittleren Laufzeiten wieder an den Kapitalmarkt wagt." Bislang fehle für das laufende Jahr ein Emissionsplan vom Schatzamt.

Irland und Italien hinken hinterher

Rudolph

Als Schlusslichter innerhalb der Währungsunion im Dezember beschreibt Rudolph Irland und Italien. Einen Rücksetzer für italienische Bonds habe die Ankündigung Berlusconis ausgelöst, wieder für das Amt des Ministerpräsidenten antreten zu wollen. "Trotzdem wurde in allen Laufzeiten zumindest der Kuponertrag realisiert und hohe Emissionsvolumen auch im Dezember vernünftig abgesetzt." Irland mache der Umstand zu schaffen, möglicherweise die Einzahlungsverpflichtungen aus der "Promissory Note" für die fusionierten Banken Anglo Irish und Irish Nationwide auch in diesem Jahr nicht erfüllen zu können. "Gleichzeitig will man eine Lösung mit der EZB erreichen, diese Schuldversprechen voll oder in Teilen nicht mehr erfüllen zu müssen."

Gewinnmitnahmen in risikoarmen Papieren

Mehr Mut zum Risiko erkennt Brunner auch bei Privatanlegern. "Bei soliden Anleihen wurden Gewinne mitgenommen." Unternehmensanleihen von mittelständischen Emittenten lägen, teilweise sogar deutlich im Plus. Die Umsätze seien aber urlaubsbedingt noch dünn und deshalb wenig aussagekräftig. "Wohin die Reise geht, werden die kommenden Wochen zeigen."

© 4. Januar 2013 / Iris Merker

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