01.02.2013 15:00
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Börse Frankfurt/Anleihen: Bundesanleihen werden billiger

1. Februar 2013. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Gemischte Konjunktursignale bremsen den Schwung an den Kapitalmärkten zum Monatsende. Mehr Erstanträgen für Arbeitslosenhilfe in den USA stünde etwa ein überraschend positiver Einkaufsmanagerindex von 55,6 für die Region Chicago gegenüber. Entsprechend aufmerksam werden Anleger der Helaba zufolge den am heutigen Freitag zur Veröffentlichung anstehenden US-Arbeitsmarktbericht und den ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe verfolgen.

An den Anleihemärkten im Euroraum war die Stimmung in dieser Woche gut, wie Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank berichtet. Für neue fünf- und zehnjährige Bonds müsse Italien beispielsweise deutlich geringere Zinsen von 2,94 Prozent bzw. 4,17 Prozent zahlen als im Monat zuvor. "Allerdings verschärft sich trotz leichter südeuropäischer Erholungstendenzen die Situation in Spanien." Im vierten Quartal des vergangenen Jahres sei die dortige Wirtschaft um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft. Die Sparmaßnahmen drückten zudem auf die Stimmung bei Italiens Verbrauchern. Mit 84,6 Punkten sank der entsprechende Index im Januar auf ein neues Rekordtief.

Gewinnmitnahmen dominieren

Stopp

Im Handel kam es nach Beobachtung von Hellwig zu einem Abgabedruck spanischer und italienischer Anleihen. Der Renditeabstand zu zehnjährigen deutschen Staatsanleihen sei um drei bzw. fünf Basispunkte gewachsen." Die Rendite von Bundesanleihen gleicher Laufzeit fiel auf 1,68 Prozent. "Insbesondere in Spanien tickt eine soziale Zeitbombe", urteilt Klaus Stopp von der Baader Bank. Neben einer Jugendarbeitslosigkeit von 55 Prozent müsse das marode Gesundheitssystem saniert werden. Die hochverschuldete spanische Region Katalonien habe zudem am Dienstag dieser Woche weitere 9,1 Milliarden Euro aus dem staatlichen Rettungsfonds beantragt. Für Katalonien biete der Hilfsfonds praktisch die einzige Möglichkeit, finanzielle Unterstützung zu erhalten.

Erfolgreich aufgestockt

Der Refinanzierungsbedarf europäischer Staaten ist der Helaba zufolge ungebrochen. Etwa stockten Finnland (WKN A1G0EU) und Italien (WKN A1HB59) in dieser Woche diverse Altemissionen erfolgreich auf. Mit einer 1,8 fachen Überzeichnung erweiterte Deutschland eine im vergangenen Jahr aufgelegte Anleihe mit Endfälligkeit 2044 um 2 Milliarden Euro auf insgesamt 10 Milliarden Euro zu einer Durchschnittsrendite von 2,45 Prozent.

Euro-Bund-Future verliert an Boden

Mit dem verblassenden Thema Schulden im Euroraum haben deutsche Staatsanleihen das Nachsehen. "Anleger schichten tendenziell zu Lasten der bisher als sicher geltenden Bundesanleihen um", registriert Stopp. Dadurch gerate der Euro-Bund-Future unter Druck. Im Wochenverlauf verliert das Sorgenbarometer und notiert am Freitagmittag bei 141,76 Prozent. "Sollten keine neuen Hiobsbotschaften die Investoren zum erneuten Umdenken zwingen, so sind 2 Prozent Rendite für deutsche zehnjährige Staatsanleihen das nächste große Ziel", analysiert Stopp die Charts. Das entspreche einem Euro-Bund-Future Kurs von rund 139,00 Prozent.

Ratingagenturen an die Leine

Einschätzungen von Ratingagenturen zu EU-Staaten werden in Zukunft reglementiert, wie Klaus Stopp berichtet. Die neuen Regeln sähen jedes Jahr im Dezember einen Kalender mit lediglich drei Terminen zur Veröffentlichung ihrer Einschätzungen im darauffolgenden Jahr sowie Bekanntmachungen von Noten nur noch freitags nach Börsenschluss vor. "Bei vorsätzlicher oder grob fahrlässiger Verletzung dieser Vorgaben sollen die Überbringer schlechter Nachrichten zudem leichter auf Schadenersatz verklagt werden können."

Über 90 Mal haben Ratingagenturen allein während der Finanzkrise die Kreditwürdigkeit der Peripheriestaaten im Euroraum nach unten revidiert, wie Stopp zählt. Das habe aus Sicht der EU-Vertreter die Staatsschuldenkrise verschärft. Leidtragende der neuen Regeln sind nach Meinung von Stopp die Investoren, die in Zukunft nicht mehr zeitnah informiert würden.

Griechische OTE wagt sich an den Kapitalmarkt

Mit einem Kupon von 7,875 Prozent will die Hellenic Telecommunications Organization Anlegern eine neue fünfjährige Anleihe versüßen. Der griechische Telekom-Konzern erhoffe sich damit, bis zu 700 Millionen Euro in seine klammen Kassen zu spülen. Mit dem Erlös der Anleihe sollen zwei ältere Bonds mit Fälligkeit 2013 und 2014 ausgelöst werden. "Im Markt wird diese Emission als Test für zukünftige Platzierungen griechischer Unternehmen bewertet", bemerkt Hellwig und beurteilt die Erfolgschancen "mehr als gut" trotz schlechter Bonitätsnote. Moody's bewerte die Kreditwürdigkeit OTEs mit "Caa1", was sieben Stufen unter der Güteklasse "Investmentgrade" liege. "Die 40-prozentige Beteiligung der Deutschen Telekom am Konzern überzeugt viele mm Anleger", vermutet Hellwig.

Modekette expandiert im Norden

Die Aufnahme von bis zu 30 Millionen Euro frischem Kapital verspricht sich die Rudolf Wöhrl AG mit der Emission einer fünfjährigen Unternehmensanleihe (WKN A1R0YA). Die Zeichnungsfrist des mit einem jährlichen Kupon von 6,5 Prozent ausgestatteten Bond beginnt am kommenden Montag. Anleger können sich in 1000 Euro-Schritten engagieren. Voraussichtlich am 12. Februar wird die Anleihe des Kaufhausbetreibers mit Schwerpunkt Mode in den Open Market der Deutschen Börse im Segment Entry Standard für Anleihen einbezogen.

Wöhrl plane die Modernisierung seiner bestehenden Kaufhäuser sowie den regionalen Ausbau seiner bislang auf den Süden Deutschlands konzentrierten Geschäfte. Im Gespräch sei die Übernahme der SinnLeffers GmbH, einem Modeeinzelhandelsunternehmen mit derzeit 22 Filialen im Nordwesten Deutschlands.

Fremdwährungsanleihen werden abgestoßen

Mit dem wiedererstarkten Euro steigen Investoren laut Gregor Daniel derzeit durch die Bank verstärkt aus Anleihen in Fremdwährungen aus. "Das ist bei uns das Thema der Woche", meldet der Händler von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Gegenüber dem US-Dollar hat der Euro deutlich gewonnen und liegt derzeit bei 136,15 US-Dollar. Aus technischer Perspektive sieht die HSBC gute Chancen für den Euro, seinen Höhenflug der letzten Wochen zum US-Dollar fortzusetzen.

© 1. Februar 2013 / Iris Merker

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