29.06.2012 15:00
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Börse Frankfurt/Anleihen: Entspannung nach Gipfelbeschlüssen

29. Juni 2012. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Warten auf den EU-Gipfel - das war das Motto dieser Woche. Die Beschlüsse vom gestrigen Donnerstag kommen am Markt gut an: "So konnte ein 130 Milliarden Euro schwerer Wachstumspakt zur Ankurbelung der lahmenden EU-Wirtschaft verabschiedet werden", berichtet Dietmar Blum von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.

Daneben wurde beschlossen, dass spar- und reformwillige Länder auch ohne zusätzliche Auflagen auf die Rettungsfonds EFSF und ESM zugreifen dürfen. Zudem sollen, sobald eine gemeinsame Bankenaufsicht installiert ist, Finanzinstitute direkten Zugang zum Rettungsfonds haben. Nicht zuletzt werden Kredite der Euro-Partner, anders als bislang geplant, keinen Vorrang vor Krediten der Privatgläubiger haben. Gemeinsame Anleihen, also Eurobonds, sind vorerst offenbar vom Tisch.

Aufatmen an den Märkten

In der Summe wirkten sich die Nachrichten positiv auf die Anleihemärkte der Peripheriestaaten aus, wie Blum meldet. Für die richtungsweisenden zehnjährigen spanischen Staatsanleihen sank die Rendite am heutigen Freitagmorgen auf 6,31 Prozent, gestern hatte sie zeitweise noch knapp unter 7 Prozent gelegen. Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen fiel unter die Marke von 6 Prozent.

Deutschland als Zahlmeister

Blum

Bis Donnerstag hatte Angela Merkel mit ihrer Formulierung "Keine Eurobonds, so lange ich lebe" noch für Kursauftrieb bei Bundesanleihen gesorgt. Am heutigen Freitag knüpft der Euro-Bund-Future aber an seine Verluste nach dem Rekordhoch von 146,89 Anfang Juni an und notiert aktuell bei 140,48 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe steigt kräftig auf 1,61 Prozent. "Innerhalb der Eurozone muss ja das verteilte Geld auch aufgebracht werden, und dabei fällt in letzter Konsequenz die Kugel wieder auf die Nordstaaten", kommentiert Blum. "Des einen Freud, des anderen Leid."

Commerzbank-Anleihe profitiert

Auch im Bereich der Corporate Bonds wirkt sich der EU-Gipfel aus, vor allem bei Banken-Anleihen. Blum zufolge waren in einer 2019 fälligen nachrangigen Anleihe der Commerzbank (WKN CB83CE) sehr gute Umsätze in einer Kursrange von rund 85 Prozent zu Wochenbeginn bis 86 Prozent heute zu beobachten.

Daneben suchen Anleger immer wieder nach "Perlen", wie Klaus Stopp von der Baader Bank anmerkt: "Ob man unbedingt das Unternehmen Heidelberger Zement als solche bezeichnen kann, muss jeder Investor selbst entscheiden." Die Renditeaufschläge hätten sich jedenfalls deutlich eingeengt. "So hat etwa ein 2017 fälliger Bond (WKN A1A6PG) einen Renditerückgang von rund 6 Prozent Ende Mai auf jetzt rund 4,60 Prozent vorzuweisen."

Praktiker im Plus

Petz

Für Hoffnung auch unter Anleihegläubigern sorgte das von Praktiker-Aktionären vorgeschlagene Sanierungskonzept für die angeschlagene Baumarktkette. Anders als vom Vorstand geplant, sollen nach dem Modell nur rund 60 bis 80 große Praktiker-Filialen zu Max Bahr-Märkten werden, rund 25 kleinere Filialen sollen unter der Marke Extra Bau + Hobby geführt und von Franchise-Nehmern betrieben werden. "Die Anleihe hat gut zugelegt", meldet Rainer Petz von Close Brothers Seydler (WKN A1H3JZ). "Ende vergangener Woche notierte sie bei 35,25 Prozent, heute bei rund 38 Prozent."

Peugeot findet Anhänger

Der Markt für Neuemissionen zeigt sich derweil in guter Verfassung, wie Stopp meint. "Viele Investoren haben einen Nachholbedarf." Gut angenommen sei etwa die in der vergangenen Woche begebene Anleihe des französischen Autobauers Peugeot (WKN A1G6NV) im Volumen von 600 Millionen Euro. "Für eine dreijährige Anlagedauer erhält man einen jährlichen Kupon von 4,875 Prozent." Daneben habe die Brauerei Carlsberg 500 Millionen Euro zu einer Verzinsung von 2,875 Prozent einsammeln können. Die Anleihe ist 2019 fällig (WKN A0VNTQ). In beiden Fällen liegt die Stückelung bei 1.000 Euro.

Weiter Flucht in Fremdwährungen

Stopp

Wie Stopp weiter berichtet, treibt die Sorge um ihr Geldvermögen viele Investoren in andere Währungen, bis gestern sogar immer stärker. Im Mittelpunkt des Interesses hätten unverändert Anleihen auf norwegische Kronen (WKN A1G577), amerikanische und australische Dollar (WKN A1G4TZ), türkische Lira (WKN A1G44H) und chinesische Renminbi (WKN A1G2MK) gestanden.

© 29. Juni 2012 / Anna-Maria Borse

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