06.09.2013 13:12
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Börse Frankfurt/Anleihen: Zwei-Prozent-Marke geknackt

6. September 2013. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Renditen steigen weiter, daran ändern auch die Niedrigzinsversprechen der EZB nichts. "Die gestrige Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank kann mit einem Satz zusammengefasst werden: Es war der Versuch, Zinssenkungsphantasien am Leben zu erhalten, um dem US-Renditeanstieg zu entkommen", erklären Cyrus de la Rubia und Stefan Gäde von der HSH Nordbank.

Es hat aber nichts geholfen: Während der Pressekonferenz bewegten sich die Bund- und die Treasury-Renditen im Tandem und legten per Saldo kräftig zu. Ist die EZB so gesehen machtlos? "Ja. Denn ihr ordnungspolitisches Gewissen verbietet es ihr, sich mit einer massiven geldpolitischen Offensive - mit ungewissem Ausgang - zu wehren", lautet die Antwort der Analysten.

Rendite-Anstieg im ganzen Markt

Die Renditen zogen am Donnerstag in vielen Industrieländern kräftig an. In Deutschland rentieren zehnjährige Bundesanleihen erstmals seit März 2012 wieder über 2 Prozent. Vor vier Monaten waren es noch weniger als 1,2 Prozent. In Großbritannien ist der Zins für zehnjährige Staatstitel erstmals seit Mitte 2011 über die Marke von 3 Prozent gestiegen, die Rendite der US-Benchmark-Treasuries liegt nur knapp darunter. Aber auch in der Europeripherie schaltete die Zinsentwicklung wieder in den Vorwärtsgang, vor allem in Portugal, Italien und Spanien.

Die Kurse sinken im Gegenzug: Der Euro-Bund-Future, der als Indikator für langfristige Zinserwartungen gilt, notiert aktuell wieder bei 138,7 Punkten nach 140,7 vor einer Woche.

Syrien-Konflikt könnte Richtungswechsel bewirken

Daniel

Aus Sicht von Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank sind die Märkte aktuell extrem nervös. "Der mögliche geldpolitische Kurswechsel der US-Notenbank, der Blick auf Syrien, die anstehende Bundestagswahl und die Lage in den Schwellenländern sorgen international für Unsicherheit", fasst Hellwig zusammen.

Gregor Daniel, Anleihespezialist der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft, geht indes davon aus, dass sich die Renditen mit einer möglichen Verschärfung des Syrien-Konflikts - zumindest vorerst - wieder nach unten entwickeln werden. "Zwar ist ein kurzer Militärschlag durch die USA bereits weitestgehend eingepreist, wenn das aber ausufern sollte, dann werden vor allem die US-Treasuries und die Bundesanleihen wieder von ihrem Status als vermeintlich sicherer Hafen profitieren", argumentiert der Händler. Zur Stunde wirbt der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete US-Präsident Barack Obama auf dem G-20-Gipfel in Sankt Petersburg für einen Angriff auf Syrien.

Ausverkauf bei Praktiker

Petz

Im Bereich der Unternehmensanleihen sind die Papiere der insolventen Baumarktkette Praktiker (WKN A1H3J7) erneut kräftig unter Druck geraten, wie Rainer Petz von Close Brothers Seydler beobachtet. "Die jüngsten Meldungen über eine Zerschlagung des Unternehmens haben einen erneuten Abverkauf ausgelöst. Kein Wunder, es ist immer noch unsicher, wie die Sache weitergeht", kommentiert der Händler. Der Kurs einer bis 2016 laufenden Anleihe hat sich von rund 8 Prozent am Montag auf mittlerweile rund 4 Prozent halbiert. Noch im März diesen Jahres notierte der Titel bei rund 80 Prozent. In der kommenden Woche beginnt in den Praktiker-Märkten der Ausverkauf, da sich keine Investoren gefunden haben, die die Warenbestände der Kette übernehmen wollen. "Damit ist Praktiker noch ein bisschen mehr der Schlecker unter den Baumärkten geworden, der er ohnehin schon seit Jahren war", fasst ein anderer Börsianer zusammen.

MS Deutschland ab vom Kurs

Bergab ging es in den vergangenen Handelstagen auch mit den Schuldscheinen von MS Deutschland (WKN A1RE7V). "Verantwortlich ist eine schlechtere Bonitätsnote von Scope Ratings. Die Agentur hat das Rating des Kreuzfahrtschiffbetreibers mit Blick auf die Unternehmensziele für 2013 gleich um 4 Stufen von ,A' auf ,BBB- gesenkt", weiß Daniel.

Laut eigenen Angaben erwartet das Unternehmen für das Gesamtjahr 2013 nur noch ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 1 bis 2 Millionen Euro, statt den zuvor geplanten 5 bis 7,5 Mill. Euro. "Damit wäre MS Deutschland nicht in der Lage, die im Dezember erstmals fällige Kuponzahlung von rund 3,4 Millionen Euro aus dem operativen Geschäft zu finanzieren", erklärt der Spezialist von Walter Ludwig.

Microsoft-Übernahme treibt Nokia

Für regen Umsatz und steigende Kurse der Nokia-Anleihen (WKN A0T6DF) sorgte laut Daniel zum Wochenbeginn die Meldung, dass der US-Softwareriese Microsoft das Handy-Geschäft der Finnen übernimmt. "Daraufhin sind die Notierungen um gut 6 Punkte auf rund 115 nach oben geklettert, jetzt wieder aber schon wieder Kasse gemacht."

Gut in den Handel an der Börse gestartet ist laut Hellwig Wertpapierhandelsbank eine neue US-Dollar-Anleihe der Nestlè-Holding (WKN A1HQP6). Die 2019 fällige Anleihe ist mit einem Kupon von 2,25 Prozent ausgestattet. "Die privatanlegerfreundliche Stückelung von 2.000 US-Dollar macht dieses Papier zusätzlich zum Emittenten schmackhaft", weiß Hellwig.

Besser als die Züge am Mainzer Hauptbahnhof in den vergangenen Wochen sei zudem die neue zehnjährige Anleihe der Deutsche Bahn Finance BV (WKN A1HQPZ) an der Börse angekommen. "Anleger greifen bei diesem Titel bei einem derzeitigen Niveau um 99,50 Prozent zu", berichtet Hellwig. Die mit 2,5 Prozent verzinste Anleihe läuft bis September 2023 und ist mit einer Stückelung von 1.000 Euro ebenfalls für Privatanleger interessant.

Neue Mittelstandsanleihe im Entry-Standard

Ab kommendem Montag, dem 9. September, kann eine Anleihe des Bau-Dienstleisters HELMA Eigenheimbau über die Börse Frankfurt gezeichnet werden. Das Papier (WKN A1X3HZ) läuft bis 2018 und bietet eine Verzinsung von 5,875 Prozent. Die Zeichnungsfrist läuft voraussichtlich bis zum 17. September, könnte bei starker Nachfrage allerdings vorzeitig beendet werden.

von Karoline Kopp, Deutsche Börse AG © 6. September 2013

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   September 06, 2013 06:41 ET (10:41 GMT)- - 06 41 AM EDT 09-06-13

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