21.06.2013 15:38

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Börse Frankfurt-News: Ende des billigen Geldes (Anleihen)


    FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 21. Juni 2013.  Angekündigter Richtungswechsel der US-Notenbank löst Kurssturz und Renditesprung aus. Anleger rechnen mit steigenden Zinsen.

Jetzt ist es Realität: Sofern sich die wirtschaftliche Lage nicht deutlich verschlechtert, wird die Zeit des billigen Geldes bald vorbei sein. Zumindest indirekt hat Fed-Gouverneur Bernanke auf der Pressekonferenz der US-Notenbank am Mittwoch die Drosselung der Anleihekäufe angekündigt und damit die Kurse an den Aktien-, Anleihe- und Rohstoffmärkten kräftig in den Keller geschickt. "Nachdem es im Vorfeld der Fed-Sitzung noch relativ ruhig war, nutzen jetzt offenbar viele Anleger die hohen Notierungen zum Verkauf. Die Renditen ziehen dementsprechend an - sowohl die der US-Staatsanleihen, als auch die der Bundesanleihen und der Staatspapiere in der Euro-Peripherie", meldet Arthur Brunner von ICF Kursmakler und verweist beispielhaft auf zehnjährige Anleihen Griechenlands, deren Rendite von 9,7 Prozent am vergangenen Freitag mittlerweile auf 11,1 Prozent gestiegen ist.

Deutsche Benchmarkanleihen rentieren mit knapp 1,7 Prozent wieder auf dem Niveau vom Januar. "Die gesamten Kursgewinne dieses Jahres sind wieder weg", kommentiert Brunner. In der Vorwoche lag der Zins für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit noch bei 1,53 Prozent. Das Rentenbarometer Euro-Bund-Future hat von 143,64 Prozent am vergangenen Freitag auf 141,8 Prozent nachgegeben.

Realtität kehrt zurück

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank geht davon aus, dass "viel spekulatives Geld im Markt war, was jetzt wieder raus gezogen wird." Nachdem die Fed das Ende der Anleihekäufe zumindest angedeutet habe, kehre ein wenig Realität in die Köpfe der Anleger zurück und die Börse beginne, steigende Zinsen vorweg zunehmen. Am langen Ende der Zinskurve sei das bereits zu beobachten.

Ben Bernanke hatte am Mittwoch verlauten lassen, dass die Fed zwar aktuell nichts an ihrer aktuellen Geldpolitik ändern werde, dass sie aber noch in diesem Jahr beginnen könne, ihre Anleihekäufe im Rahmen der so genannten "quantitativen Lockerung" zurückzufahren und sie gegen Mitte 2014 komplett einzustellen. Voraussetzung dafür sei aber eine positive Wirtschaftsentwicklung, wie die Fed sie erwartet. "Unter diesem Gesichtspunkt werden die eingehenden Konjunkturdaten noch mehr Einfluss auf die monetären Erwartungen haben als ohnehin schon", erwartet Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.

Klaus Stopp von der Baader Bank ergänzt: "Fakt ist, dass sich etwas bewegen muss. Monatlich 85 Milliarden US-Dollar für den Ankauf von Staatsanleihen zu verwenden, kann langfristig nicht das Ziel sein."

Renditen steigen

Dies macht sich auch am Primärmarkt für Staatsanleihen bemerkbar: "So musste Deutschland bei der Aufstockung einer zehnjährigen Bundesanleihe am Mittwoch stärker in die Tasche greifen als zuletzt: Die Rendite lag bei 1,55 Prozent, nach 1,41 Prozent bei der vorangegangenen Auktion", weiß Brunner. Auch Spanien und Italien mussten bei den jüngsten Neuemissionen in dieser Woche gestiegene Zinsen in Kauf nehmen.

Fremdwährungsanleihen geraten unter Druck

Fremdwährungsanleihen, die der Abwertung einiger "Krisenwährungen" bis zuletzt weitestgehend trotzten, kommen allmählich unter Druck. "Es sind zwar bisher keine besonders großen Umsätze, aber einige etwa in norwegischen Kronen, brasilianischem Real oder türkischer Lira denominierte Anleihen sind in dieser Woche zurückgekommen", berichtet Daniel. Zahlreiche Währungen, wie der südafrikanische Rand, die türkische Lira, der brasilianische Real und der australische Dollar, haben bereits in den vergangenen Wochen massiv an Wert verloren. Die jüngsten Aussagen der US-Notenbank haben diese Entwicklung noch einmal verstärkt.

Rege Nachfrage nach Daimler-Anleihe

Im Bereich der Unternehmensanleihen ist, wie Daniel berichtet, ein neues Papier von Daimler (WKN A1TNJ9) gut vom Markt aufgenommen worden. Die bis 2021 laufende Anleihe ist mit einem Kupon von 2 Prozent ausgestattet und dank einer kleinen Stückelung von 1.000 Euro vor allem für private Anleger interessant.

Hohe Umsätze meldet Hellwig für eine Anleihe von Solarworld (WKN A1H3W6) und erklärt: "Vergangenen Dienstag hat Solarworld genauere Informationen veröffentlicht, wie die Restrukturierung der Finanzverbindlichkeiten von statten gehen soll. Daraufhin hat sich die Anleihe bis 2016 mit deutlich erhöhtem Umsatz auf einem Niveau von 30 bis 31 eingependelt." Vor gut einer Woche notierte das Papier noch bei rund 22 Prozent.

Unterdessen wurde die Kursfeststellung für die bis 2015 laufende Anleihe der Alpine Holding (WKN A1AYFX) ausgesetzt, nachdem der Österreichische Baukonzern am Mittwoch einen Insolvenzantrag gestellt hat.

Neue Mittelstandsanleihen im Entry Standard

In der kommenden Woche haben sich zwei neue Kandidaten für das Mittelstandssegment der Frankfurter Börse angekündigt: Ab 25. Juni kann die Anleihe der paragon AG (WKN A1TND9) gezeichnet werden. Die Emission des Automobilzulieferers läuft bis 2018 und wird mit 7,25 Prozent verzinst. Geplant ist eine Platzierung von 20 Millionen zu 100 Prozent mit einer Stückelung von 1.000 Euro. Ein weiterer Kandidat im Entry-Standard ist die Deutsche Rohstoff AG. Das Rohstoffunternehmen begibt eine Anleihe (WKN A1R07G) mit einem Volumen von bis zu 100 Millionen Euro. Der Zinssatz liegt bei 8,00 Prozent bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Die Zeichnungsfrist läuft vom 26. Juni bis 9. Juli.

Noch voraussichtlich bis zum 25. Juni läuft die Zeichnung der Anleihe des Rohstoffunternehmens Metalcorp Group (WKN A1HLTD). Das Papier, fällig 2018, bietet einen Festzins von 8,75 Prozent. Die Zeichnung der Karlie-Anleihe (Alles für Haustiere außer Nahrung) ist heute um 12 Uhr planmäßig beendet worden.

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© 21. Juni 2013 Karoline Kopp

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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