30.11.2012 16:26

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Börse Frankfurt-News: Euro-Armageddon abgewendet (Anleihen)


    FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 30. November 2012.Während der Euro-Bund-Future wieder wachsende Risikoscheu signalisiert, sinken die Renditen für Europas Wackelkandidaten weiter - für italienische Staatsanleihen sogar auf ein Zweijahrestief.

 

Das Aufatmen nach den Beschlüssen über neue Hilfen für Griechenland war nur von kurzer Dauer: "Der Bund-Future fiel nach der Einigung knapp unter die Marke von 142, um sich in den folgenden Tagen wieder nach oben zu bewegen", meldet Dietmar Blum von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Bei der dritten Verhandlungsrunde der Euro-Finanzminister war es in der Nacht zum Dienstag zu einer Einigung gekommen: einer Kombination aus Schuldenrückkaufprogramm, Zinssenkungen und längeren Kreditlaufzeiten. Außerdem sollen die Gewinne, die die EZB mit griechischen Anleihen erzielt, an Athen gehen.

 

"Aufgeschoben ist nicht aufgehoben", bemerkt Arthur Brunner von ICF Kursmakler mit Blick auf den vorerst vermiedenen Schuldenschnitt. "Ob der Plan aufgeht, wird die Zukunft zeigen." Wichtig für die Bundesregierung sei vor allem, dass dieses Problem kein Wahlkampfthema werde.

 

Nur vorläufige Lösung

 

"Die Einigung kann über das eigentliche Problem nicht hinwegtäuschen: Die Troika kann sich nicht auf eine endgültige Lösung einigen", kommentiert die HSH Nordbank. Griechenland könne zwar erst einmal durchatmen, vor dem Hintergrund der scharfen Rezession im eigenen Land und dem gesamten Euroraum bleibe die Luft aber dünn. "Auch wenn das Thema Schuldenschnitt für dieses Jahr vom Tisch ist, wird es spätesten 2014 an die Märkte zurückkehren."

 

Daneben bremste in dieser Woche der US-Haushaltskonflikt die Zuversicht: Am gestrigen Donnerstag schürte die Äußerung des republikanischen Repräsentantenhaussprechers John Boehner, er sehe keine substanziellen Fortschritte bei der Bewältigung der fiskalischen Klippe, die Nervosität. Der Euro-Bund-Future bewegte sich in dieser Woche jedenfalls leicht nach oben, nach 142,12 Punkten am vergangenen Freitag notiert das für den deutschen Anleihemarkt richtungsweisende Barometer heute bei 142,91 Punkten. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren mit 1,37 Prozent.

 

Zweijahres-Renditetief für Italien

 

An den Staatsanleihen der europäischen Peripherieländer ist die Entspannung dennoch deutlich abzulesen: "Die Renditen spanischer, italienischer und portugiesischer Anleihen sind stark zurückgegangen, in Italien sogar auf ein Zweijahrestief", meldet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Aktuell rentierten zehnjährige italienische Papiere mit 4,55 nach 7 Prozent vor einem Jahr. Für Spanien seien es heute 5,36 nach 7,75 Prozent im Juli. "Das Euro-Armageddon ist abgewendet. Die Griechenlandhilfen signalisieren, dass auch Spanien und Italien nicht im Regen stehen gelassen werden."

 

Griechenland-Anleihen mit anziehenden Kursen

 

Nach dem Beschluss der Finanzminister über den Rückkauf griechischer Staatsanleihen profitierten diese, wie Arthur Brunner von ICF Kursmakler beobachtet hat - obwohl das Rückkaufangebot für ein Drittel der ausstehenden Anleihen nicht höher als die Schlusskurse von vergangenem Freitag liegen dürfe. Es werde erwartet, dass vor allem griechische Banken das Angebot annähmen, für die daraus entstehenden Buchverluste stünden Mittel der EFSF bereit. "Die übrigen Anleihehalter spekulieren entweder auf ein weiteres verbessertes Rückkaufangebot oder sogar auf die volle Rückzahlung am Laufzeitende." Details zum Programm will die griechische Regierung Anfang kommender Woche bekannt geben.

 

Daniel zufolge führte der Plan zu "etwas lebhafteren" Handel in den Papieren. Die bis 2023 laufende Anleihe (WKN A1G1UA) sei leicht im Kurs gestiegen. "Der eigentliche Anstieg fand aber schon vorher statt." Der Kurs lag Ende Mai noch bei 13,50 Prozent, jetzt sind es 35,77 Prozent. "Ob sich genügend Anleger finden, die einen hohen Abschlag hinnehmen wollen, ist noch offen."

 

Magerzinsen von soliden Unternehmen

 

Wenig Aufregendes gibt es in dieser Woche aus dem Handel mit Unternehmensanleihen zu vermelden. Daniel berichtet von Verkäufen in einem Daimler-Floater (WKN A1GQ9C) und einer Rabobank-Anleihe in türkischen Lira (WKN A1G83M).

 

Unverändert gut läuft das Geschäft mit Neuemissionen. "Von vorweihnachtlicher Ruhe ist in diesem Markt noch nichts zu spüren", meldet Klaus Stopp von der Baader Bank. Solide Adressen kommen dabei weiter günstig weg: Etwa muss der Chemiekonzern BASF für eine am Dienstag begebene Anleihe (WKN A1R0XG) mit Fälligkeit im Dezember 2022 nur 2 Prozent zahlen. Daimler (WKN A1R0TN) bietet für ein bis 2020 laufendes Papier sogar nur 1,75 Prozent. Etwas attraktiver ist eine neue Lanxess-Anleihe (WKN A1HCNS) mit Kupon von 2,625 Prozent und Laufzeit bis November 2022.

 

Daneben stockte Renault einen bis September 2017 laufenden Bond (WKN A1G9HU) auf. Der Hellwig Wertpapierhandelsbank zufolge war die Nachfrage gut, bei Preisen um 100,3 bis 100,4 Prozent. "Trotzdem gab der Kurs im Wochenverlauf etwas nach bis zum Tief bei 100. Danach erholte er sich wieder auf das heutige Niveau." Aktuell kostet die Anleihe 100,26 Prozent.

 

Anleihe für "Traumschiff"-Fans

 

Daneben gibt es zahlreiche neue Mittelstandsanleihen: Zum einen begibt die MS Deutschland-Beteiligungsgesellschaft eine Anleihe (WKN A1RE7V) mit einem Volumen von bis zu 60 Millionen Euro, wie Daniel erklärt. "Die Laufzeit beträgt fünf Jahre, der Zinssatz liegt bei 6,875 Prozent." Die Zeichnungsfrist beginnt am 5. Dezember und läuft bis zum 14. Dezember geplant. Die MS "Deutschland" -Beteiligungsgesellschaft ist Eigentümerin des Kreuzfahrtschiffes MS "Deutschland", auch als "Traumschiff" bekannt.

 

Zum anderen startet am 3. Dezember die Zeichnungsfrist für eine Anleihe der Homann Holzwerkstoffe GmbH, einem Anbieter von Holzfaserplatten für die Möbel-, Türen-, Beschichtungs- und Automobilindustrie (WKN A1R0VD). Hier liegt der Kupon bei 7 Prozent, die Laufzeit beträgt fünf Jahre.

 

PORR komplett platziert

 

Die PORR-Anleihe (WKN A1HCJJ) konnte unterdessen erfolgreich platziert werden. Das Papier des österreichischen Baukonzerns bietet einen Kupon von 6,25 Prozent und läuft bis Dezember 2016. Der Handel startete heute. "Aktuell liegt der Preis bei 99,5 Prozent, das ergibt eine Rendite von 6,4 Prozent", erklärt Rainer Petz von Close Brothers Seydler.

 

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© 30. November 2012 / Anna-Maria Borse

 

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

 

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