07.12.2012 14:24
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Börse Frankfurt-News: Griechenland sorgt für Kursbewegung (Anleihen)

    FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 7. Dezember 2012. Griechenland, Spanien, US-Fiskalstreit - die altbekannten Themen verunsichern weiter die Investoren und treiben die Kurse deutscher Staatsanleihen auf neue Höchststände.

 

Griechische Tragödie nächster Teil, kommentiert die Baader Bank das Geschehen am Anleihemarkt der vergangenen Handelstage. Auch Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft sieht das hochverschuldete Euroland in dieser Woche einmal wieder im Fokus der Märkte: "Griechenland hat mit seinem Rückkaufangebot für eigene Staatsanleihen Bewegung in den Markt gebracht und die Anleger nutzten dies klar zum Verkauf", berichtet der Market Maker. Arthur Brunner von ICF Kursmakler bestätigt: "Hier wollen alle raus."

 

Im Rahmen eines 10 Milliarden Euro schweren Rückkaufprogramms hat Griechenland den Investoren in dieser Woche für die Bonds mit Laufzeiten von 2023 bis 2042 im Schnitt 34 Prozent des Nominalwertes geboten. "Die Ankündigung dieses Angebots hat erst einmal für Kurssteigerungen gesorgt, die dann einsetzende Verkaufswelle drückte die Kurse dann aber zeitweise unter den Angebotspreis", berichtet Brunner.

 

"Der blanke Hohn"

 

Aus Sicht der Händler sorgten unter anderem Warnungen von Anlegerschutzvereinigungen, die ihren Mitgliedern empfahlen, nicht auf das Angebot einzugehen, für den Verkaufsdruck in den griechischen Staatspapieren. "Nachdem etwa die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, DSW, vor einer Beteiligung an dem Rückkaufangebot gewarnt hat, zogen viele die Reißleine", weiß Daniel. Unter anderem warnte die DSW davor, dass Anleger die Klageberechtigung gegen den - teilweise unfreiwilligen - Schuldenschnitt Griechenlands im Falle eines Verkaufs verlieren könnten.

 

"Das Angebot mag ja mit Blick auf die aktuellen Kurse attraktiv erscheinen, aber es dürfte vielen Anlegern wie der blanke Hohn vorkommen, hatten sie doch bereits im März auf 70 Prozent ihres angelegten Kapitals verzichtet. Man stelle sich mal vor, dass ein Schuldner zu seiner Hausbank geht und vorschlägt: Ich zahle 35 Prozent meiner Schulden zurück und dann sind wir quitt", merkt Klaus Stopp von der Baader Bank zu dem Angebot der Griechen an und ergänzt, dass es zudem ein Irrtum sei zu glauben, dass dem Anleger bei Annahme des Rückkaufangebots sein Geld zurücküberwiesen werde. "Stattdessen werden ihm Zerobonds mit sechsmonatiger Laufzeit vom EFSF ins Depot eingebucht. Die Banken werden sich sicherlich mit entsprechenden Gebühren bei den Privatinvestoren 'bedanken'", erklärt Stopp.

 

Spanien enttäuscht mit platziertem Volumen

 

Neben Griechenland stand in dieser Woche mit Spanien noch ein weiteres Euro-Sorgenkind im Rampenlicht: "Bei einer Auktion von drei- bis zehnjährigen Staatsanleihen musste Spanien am Mittwoch zwar niedrigere Zinsen zahlen als bei der vorangegangenen Auktion. Das Land konnte statt dem anvisierten Volumen von 4,5 Milliarden Euro jedoch nur 4,25 Milliarden am Markt unter bringen. Das hat einige Anleger verstört", erläutert Brunner. Der Markt frage sich nun vor allem, ob es Spanien ohne Hilfsantrag bei der EU gelingen werde, den Finanzierungsbedarf im kommenden Jahr von rund 110 Milliarden Euro zu decken.

 

Für die Renditen der zehnjährigen spanischen Anleihen ist es vom Jahrestief bei 5,21 Prozent am Montag im Gefolge der Auktion auf aktuell 5,5 Prozent aufwärts gegangen. "Die in diesem Jahr erreichten Höchststände von um die 7,5 Prozent sind dank der Beruhigung von Seiten der EZB damit zwar noch in weiter Ferne, die Probleme sind damit aber noch lange nicht gelöst", zeigt sich Brunner skeptisch. So hätten die zahlreichen Sparmaßnahmen in den Euro-Krisenländern die Arbeitslosigkeit in "auf Dauer nicht tragbare" Höhen getrieben. "Das Schiff der Wirtschaft muss wieder in Gang gesetzt werden - nur Sparen ist auf Dauer keine Lösung", meint der Händler.

 

Der Markt ist zweigeteilt

 

Der vermeintlich sichere deutsche Anleihehafen profitiert nach Auskunft der Händler indes von den erneuten Verwerfungen in der Euro-Peripherie und dem anhaltenden Fiskalstreit in den USA. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen markierten in dieser Woche ein Allzeittief bei 1,287 Prozent. Aktuell liegt die Rendite noch bei 1,299 Prozent. Das Rentenbarometer Euro Bund-Future notiert am Freitagmittag bei 1,56 Prozent, verglichen mit knapp 1,43 Prozent am vergangenen Freitag.

 

"Hier zeigt sich ganz deutlich, dass der Markt aktuell zweigeteilt ist: Auf der Aktienseite herrscht angesichts günstiger Notierungen und der Geldschwemmen der Notenbanken Optimismus, während man auf der Rentenseite ganz klar sieht, dass die Krise weiter läuft", kommentiert Brunner.

 

Traumschiff-Anleihe auf Tauchgang

 

Von den Corporate Bonds sorgt laut Brunner die Erstnotiz einer Anleihe der MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft - die so genannte "Traumschiff-Anleihe" (WKN A1RE7V)  - für Aufsehen am Markt. "Die Zeichnung ist eigentlich ganz gut gelaufen. Nach einem Ausgabepreis von 100 lag die Erstnotiz heute Morgen bei 96 Prozent. Mittlerweile sind es nur noch 94 - kein besonders erfolgreiches Geschäft für die Anleger", fasst der Market Maker zusammen. Daniel macht in erster Linie Spekulanten für den Ausverkauf verantwortlich: "Nachdem zuletzt einige Zeichnungen im Mittelstandsegment überzeichnet waren, hatte hier wohl so mancher auf einen Zeichnungsgewinn gehofft. Da MS Deutschland statt der geplanten 60 Millionen Euro aber nur 50 Millionen an den Mann gebracht hat, haben schwache Hände wohl die Reißleine gezogen." Die Anleihe hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Der Kupon beträgt 6,875 Prozent.

 

© 7. Dezember 2012 / Karoline Kopp

 

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

 

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