15.02.2013 16:58
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Börse Frankfurt-News: KORREKTUR/Anleihen: Wieder in Moll

    FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - (Korrigiert wurden die Überschrift und der 3. Absatz)

 

15. Februar 2013. Schwache Wachstumsdaten aus der Eurozone lassen den jüngsten Optimismus der Anleger wieder dahin schmelzen - sichere Häfen erleben eine Renaissance. Peugeot-Anleihen werden nach Bonitätsherabstufung merklich abgestraft.

 

Es hätte durchaus eine schlechte Woche für Rentenmärkte werden können: "Mit der Rückkehr des Dax über 7.700 Punkte sah es Anfang der Woche noch so aus, als gewännen die Optimisten wieder die Oberhand", beobachtet Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Die Wachstumsdaten der Eurozone für das vierte Quartal sorgten am Donnerstag dann aber wieder für einen kräftigen Dämpfer. "Dass die Wirtschaft der Eurozone im Schlussquartal 2012 noch tiefer in die Rezession gerutscht ist als selbst von Pessimisten erwartet, macht die Märkte nervös. Und das ist auch kein Wunder, basieren die Rettungspläne der EU für die von der Schuldenkrise gebeutelten Staaten doch darauf, dass die Konjunktur demnächst wieder anspringt. Bei so negativen Zahlen wächst das Risiko, dass die Entschuldungspläne nicht greifen", erklärt der Händler.

 

Wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte, ist das Bruttoinlandsprodukt der 17 EU-Länder im vierten Quartal um 0,6 Prozent geschrumpft. Die Industrie hat ihre Produktion um rund 3 Prozent gedrosselt, die Autobranche sogar um 8 Prozent. Vor allem in Südeuropa hat sich die Rezession erneut verschärft.

 

Anleger auf Tauchstation

 

Damit ist die lähmende Unsicherheit zurück, kommentiert Klaus Stopp von der Baader Bank. "Nachdem man in den vergangenen Wochen hätte glauben können, eine Eurokrise mit wankenden Banken und überschuldeten Staaten hätte es nie gegeben, zieht die Angst die Anleihenmärkte wieder in ihren Bann. Dies hat zur Folge, dass die Investoren weitgehend auf Tauchstation gehen und ihre bisher praktizierte Rochade, bei der Bundesanleihen gegen Titel aus der Euro-Peripherie getauscht wurden, gestoppt haben."

 

So hat der Euro-Bund-Future mit Bekanntgabe der trüben Konjunkturdaten denn auch um knapp einen Punkt auf 142,9 Prozent zugelegt. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist von 1,68 Prozent am Mittwoch auf mittlerweile 1,61 Prozent gesunken.

 

"Der Bund-Future ist eindeutig wieder im Aufwärtsmodus", merkt Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft an. "Angesichts der extrem hohen Arbeitslosigkeit in den Ländern der Europeripherie ist es auch wenig verwunderlich, dass die Krise nicht quasi über Nacht verschwinden kann."

 

Rubel-Bonds auf den Einkaufslisten

 

Nachdem Investoren auf ihrer Suche nach rentablen Anlagealternativen zu den niedrig verzinslichen Titeln in Zentraleuropa bereits osteuropäische Länder wie Polen, Tschechien, Ungarn oder die Slowakei entdeckt hätten, ziehe die Karawane nun weiter nach Osten, beobachtet Stopp. "So lässt sich beobachten, dass Anleger nach ausgesuchten, auf Rubel lautenden Anleihen, Ausschau halten. Die Emittenten wie Rabobank, Europäische Investitionsbank oder KfW sind alle keine Unbekannten und die Renditen von mehr als 5 Prozent erscheinen allemal interessant", erklärt der Händler.

 

Selektiv gesucht sei ein Kurzläufer der Rabobank mit Laufzeit Februar 2014 (WKN A1GL1R), der mit rund 5,3 Prozent rentiert. Ebenso stehe eine Anleihe der KfW (WKN A1ML45), die im Juni 2016 endfällig ist und rund 5,6 Prozent Rendite aufweist, sowie ein Bond der Europäischen Investitionsbank (WKN A1G6Y8) mit Laufzeit Juli 2019 und rund 6,1 Prozent Rendite vereinzelt auf den Kauflisten. "Neben den Renditen dürfte bei diesen Investments auch die Spekulation auf Währungsgewinne beim Rubel, dem man ein gewisses Aufwertungspotenzial zutraut, eine Rolle spielen", vermutet Stopp.

 

Eher unattraktiv sind aktuell hingegen Staatsanleihen aus Jamaika, wie Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank berichtet: "Seit Donnerstag hat die bis 2014 laufende Jamaica-Anleihe (WKN A0DED9) stark im Kurs verloren - von 108,50 auf 95 Prozent auf der Briefseite - nachdem bekannt gegeben wurde, dass die Inlandsschulden zum zweiten Mal in drei Jahren restrukturiert werden sollen." Andere Anleihen aus der Karibik, bzw. Südamerika halten sich laut Hellwig bisher stabil.

 

Anleger strafen Peugeot ab

 

Von den Unternehmensanleihen stehen wie schon in der Vorwoche die Schuldtitel des französischen Autobauers PSA Peugeot Citroen auf der Abschussliste. "Die Ratingagentur Standard & Poor's hat am Donnerstagabend das Rating für Peugeot sowie deren Finanzsparte auf Ramschniveau gesenkt. Unter anderem kam daraufhin eine bis 2017 laufende Anleihe (WKN A1G3LV) deutlich unter Druck", berichtet Brunner. Bereits in der vergangenen Woche hatten die Franzosen mit schlechter als erwartet ausgefallenen Geschäftszahlen enttäuscht. "Die Abstufung ist dementsprechend keine Überraschung. Immerhin hat Peugeot im vergangenen Jahr jeden Monat 200 Millionen Euro Miese gemacht. Das Ziel für 2013 ist die Reduzierung dieses Wertes auf 100 Millionen im Monat", ergänzt Brunner.

 

Hauptproblem von Peugeot ist die starke Ausrichtung auf den europäischen Markt, der wegen der Schuldenkrise in den vergangenen Jahren eingebrochen ist. In den gut laufenden Absatzregionen Asien und USA ist das Unternehmen im Gegensatz zu einigen Wettbewerbern nur unzureichend aufgestellt. Besser läuft es etwa beim heimischen Konkurrenten Renault: Laut Hellwig ist eine bis 2017 laufende Renault-Anleihe (WKN A1G9HU) aktuell bei Privatanlegern beliebt. "In dieser Woche verzeichnete das Papier sogar einen kleinen Kursgewinn", weiß der Händler.

 

Rege gekauft wird laut Daniel eine neue Anleihe der Baumarktkette Hornbach (WKN A1RO2E). "Ein Kaufargument für Privatinvestoren ist hier sicherlich die kleine Stückelung von 1.000 Euro. Dazu kommt, dass die Leute einschätzen können, in was sie investieren - zumindest dürften so einige Anleger schon mal einen Hornbachbaumarkt von innen gesehen haben", kommentiert der Market Maker. Die Anleihe ist mit einem Kupon von 3,875 Prozent ausgestattet und wirft aktuell eine Rendite von 3,67 Prozent ab.

 

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© 15. Februar 2013 / Karoline Kopp

 

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

 

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