25.01.2013 14:42
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Börse Frankfurt-News: Kaum verändert (Anleihen)

    FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 25. Januar 2013. Händler beschreiben die Woche als "lustlos", der Bund-Future trat weiter auf der Stelle. Aufregung gibt es aber bei den Unternehmensanleihen: Solarworld-Papiere werden massiv verkauft.

 

Zwar sorgt das besser als erwartet ausgefallene ifo-Geschäftsklima am heutigen Freitag für gute Laune auf dem Parkett: Der Dax springt über die Marke von 7.800 Punkten,  Bundesanleihen werden abgegeben. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schwung weg ist.

 

"Die gute Stimmung des Jahresanfangs ist verflogen", meint die HSH Nordbank. Auslöser seien die Finanzkrise Zyperns, die politische Diskussion über einen möglichen EU-Austritt Großbritanniens und schwächere Wirtschaftsdaten aus Spanien. "Hinzu kommt, dass der Internationale Währungsfonds die Konjunktur der Eurozone schlechter einschätzt als zuvor."

 

Probleme gehen nicht aus

 

Daneben steht im US-Haushaltskonflikt immer noch eine Lösung aus: "Der Kongress verabschiedete zwar ein Gesetz zur Erhöhung der Schuldenobergrenze, aber die Regelung gilt nur bis zum 19. Mai 2013." Die Diskussion zwischen Regierung und Opposition über Haushalt, Verschuldung und Sparmaßnahmen gehe also weiter.

 

Der Euro-Bund-Future notiert am Freitagnachmittag bei knapp unter 142,83 Punkten nach 143,25 vor einer Woche. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt aktuell bei 1,62 Prozent.

 

Spanien und Portugal erfolgreich

 

Gute Nachrichten kamen in den vergangenen Tagen von der iberischen Halbinsel: Wie die Hellwig Wertpapierhandelsbank meldet, haben Spanien und Portugal diese Woche erfolgreich neue Anleihen begeben. "Portugal konnte für seine fünfjährige Anleihe über 2 Milliarden Euro sogar ein Orderbuch mit circa 10 Milliarden Euro Volumen vorweisen", erklärt der Händler. "Die Anleihe war offensichtlich mit dem Kupon von 5 Prozent gut nachgefragt."

 

Der Fall Zypern - das Land hat ESM-Hilfen beantragt - bereitet Anleihegläubiger wohl keine schlaflosen Nächte: Die Papiere (WKNs A0DAA7, A1AHJL, A1A238, A1AS1P), die im Dezember kräftig im Kurs gefallen waren, haben sich klar erholt. "Anleger machen sich keine Sorgen. Die EZB unterstützt das Land ohnehin schon mit Milliardenhilfen", meint Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft und verweist auf das Emergency Liquidity Assistance-Programm (Ela).

 

Kurseinbruch bei Solarworld

 

Im Handel mit Unternehmensanleihen gibt es heute ein ganz großes Thema: Solarworld. Die Anleihen (WKNs A1H3W6, A1CR73) sind heftig unter Druck. "Nachdem das Unternehmen gestern in einer Ad hoc-Meldung notwendige Einschnitte bei den Verbindlichkeiten in Aussicht gestellt hat, verloren die Anleihen erwartungsgemäß stark im Kurs", berichtet die Hellwig Wertpapierhandelsbank. Beispielsweise sei die 6,375 prozentige Anleihe, die im Juli 2016 fällig ist, von 33 Prozent gestern auf 20,35 Prozent gefallen.

 

"Das sieht nach einem Schuldenschnitt aus", bemerkt Daniel. Auch Rainer Petz von Close Brothers Seydler berichtet von einem "massiven Einbruch". "Dabei hatten die Anleihen zuvor eine Rallye hingelegt." Das 2017 fällige Papier war etwa von 17 Prozent am 10. Dezember auf 33,5 am gestrigen Mittwoch geklettert. Solarworld kann sich den Problemen der Solarbranche nicht entziehen. Das einstige Vorzeigeunternehmen hatte daher gestern "gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten, insbesondere den ausgegebenen Anleihen und Schuldverschreibungen", angekündigt.

 

Weitere Adressen In Sippenhaft

 

Auch Anleihen anderer Solarunternehmen kommen unter die Räder, etwa verliert Centrosolar (WKN A1E85T) von gestern 47,59 auf aktuell 40 Prozent. Selbst ganz andere Branchen sind betroffen, wie Daniel festgestellt hat, etwa Anleihen der MS Deutschland-Beteiligungsgesellschaft (WKN A1RE7V) und der Alpine Holding (WKNs A1G4NY, A1GR69, A1AYFX). "Offenbar regt Solarworld zum Nachdenken über Nicht-Top-Adressen an."

 

Unabhängig davon standen Daniel zufolge in dieser Woche die bis 2015 laufende Deutsche Telekom-Anleihe (WKN A0DW8D) und im Juni dieses Jahres fällige VW-Papiere (WKN A0S73B) auf den Abgabelisten. Gekauft worden seien hingegen Peugeot- (WKN A0VSYU) und auf brasilianische Real lautende KfW-Anleihen (WKN A1RE87).

 

Singulus auf Erholungskurs

 

Aufwind erhielt in den vergangenen Wochen die Singulus-Anleihe (WKN A1MASJ): Während der Kurs im November noch unter 60 Prozent gerutscht war, sind es jetzt wieder 81 Prozent. "Singulus wird gut gekauft", meldet Petz. Der Spezialmaschinenbauer leidet derzeit unter der enttäuschenden Entwicklung im Blu-ray- und im Solargeschäft. Jetzt setzen Anleger offenbar auf eine Ertragswende.

 

Neue Mode-Anleihe

 

Weiterhin wird das günstige Umfeld rege für Neuemissionen genutzt. Etwa habe sich der Automobilzulieferer Hella (WKN A1R0V9) am Kapitalmarkt refinanziert, wie Klaus Stopp von der Baader Bank berichtet. "Das Unternehmen sammelte mittels einer siebenjährigen Anleihe 500 Millionen Euro ein." Der Kupon liegt bei 2,375 Prozent, die Mindeststückelung bei 1.000 Euro.

 

Daneben kommt eine neue Mittelstandsanleihe auf den Markt: Die Modekette Rudolf Wöhrl, Betreiber von derzeit 38 Modehäusern vor allem in Bayern, emittiert eine bis 2018 laufende Anleihe im Volumen von 30 Millionen Euro (WKN A1R0YA). Der Kupon beträgt 6,5 Prozent, die Zeichnungsfrist startet am 4. Februar. Mindestens 1.000 Euro müssen Interessenten investieren. Das Geld soll für den Erwerb und die Modernisierung von Modehäusern und zur Finanzierung des organischen Wachstums verwendet werden. Wöhrl verhandelt derzeit über den Erwerb des Konkurrenten SinnLeffers.

 

Weniger Lust auf Fremdwährungen

 

Angesichts der Entspannung in der Eurokrise und des Wiedererstarkens der Gemeinschaftswährung ist der ganz große Ansturm auf Fremdwährungsanleihen vorbei. "Anleger, die noch vor kurzem an den Zerfall des Euros glaubten, haben offensichtlich ihre Meinung geändert", erklärt Stopp. Gegenüber dem Pfund habe der Euro gerade den höchsten Stand seit zehneinhalb Monaten erklommen. Dennoch blieben Fremdwährungsanleihen eine gute Alternative zum Euro. "Zu den Favoriten zählen weiterhin die bewährten Anleihen auf australische Dollar, norwegische Kronen und türkische Lira." Jedoch rückten auch "Exoten" wie brasilianische Real und Rubel immer mehr in den Fokus.

 

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© 25. Januar 2013 / Anna-Maria Borse

 

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

 

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