18.01.2013 12:57
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Börse Frankfurt-News: Krise weggeredet? (Anleihen)

    FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 18. Januar 2013. Die Lage am Anleihemarkt bleibt entspannt. Risiko wird zunehmend gefragt, Sicherheit tritt in den Hintergrund. Händler warnen indes vor zu viel Optimismus.

 

Die Tendenz geht klar Richtung Risiko, kommentieren Market Maker das Geschehen im Rentenhandel. "Die Staatsschuldenkrise ist nicht mehr so präsent, zumal die Politik, die EZB und sogar die Ratingagentur Standard&Poor's zuletzt optimistischere Töne angeschlagen haben. Deutsche Bundesanleihen sind als sicherer Hafen daher aktuell wenig gesucht, genauso wie Fremdwährungsanleihen", beobachtet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft.

 

Die Erholungsphase des Euro-Bund-Futures scheint dementsprechend beendet: "Der Future hat sich abgeschwächt. Da der Widerstand bei 143,77 einem Test standgehalten hat, bleibt das technische Bild getrübt. Sowohl im Tages- als auch Wochenchart sind die Indikatoren kritisch zu beurteilen", erklärt die Helaba. Am Freitagmittag notiert der Euro-Bund-Future bei 142,81 Prozent, verglichen mit 142,50 Prozent in der Vorwoche.

 

Risiken weiter da

 

Von einem Ende der Krise kann aus Sicht der Händler jedoch keine Rede sein. "Zwar scheint an den Finanzmärkten das Schlimmste überstanden zu sein, zumindest wird von Seiten der Notenbanken und auch der Politik dieser Eindruck vermittelt, doch in der Realwirtschaft sind die Wachstumsaussichten mit enormen Risiken verbunden", erklärt Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Ein typisches Beispiel sei die Automobilindustrie, die ohne den Boommarkt China in diesem Jahr eine ganz harte Landung hingelegt hätte. "Die Grenzen dieses Wachstums wurden jüngst aber auf drastische Weise durch die Smog-Bilder aus Peking aufgezeigt", ergänzt der Market Maker mit Blick auf die massive Umweltverschmutzung in China.

 

Daniel führt zudem an, dass die Banken international weiterhin stark am Tropf der Notenbanken hingen. "Länder wie Italien oder Spanien können sich mittlerweile zwar wieder zu deutlich günstigeren Konditionen am Anleihemarkt refinanzieren, viele der neuen Bonds bleiben aber in den Büchern der Banken hängen, die auf günstiges Geld von der EZB zurückgreifen können", warnt der Händler.

 

Krise wird anders bewertet

 

Mit Skepsis beäugt auch Dietmar Blum von der Baader Bank die jüngsten Kommentare der Politik über ein vermeintliches Ende der Euro-Krise: "Auch wenn die Staatsschuldenkrise von den Anlegern anders bewertet wird als noch vor sechs Monaten, ist sie noch nicht beendet. Das zeigen auch die jüngsten Warnungen der Rating-Agenturen. Nachdem Fitch die USA erneut vor dem Verlust ihrer Top-Bonität gewarnt hat, zeigte das Institut auch Spanien die gelbe Karte", kommentiert Klaus Stopp von der Baader Bank und fügt hinzu, dass die Bonität Spaniens auch ohne Flucht unter den Euro-Rettungsschirm auf der Kippe stehe und bedenklich wackele.

 

Risiken kommen aus Sicht der Händler zudem von jenseits des Atlantiks. "Die drohende Zahlungsunfähigkeit der USA ist nicht vom Tisch. Ab Mitte Februar besteht das Risiko, dass die Vereinigten Staaten erneut an der Schuldenobergrenze von 16,4 Billionen US-Dollar stehen. Um das zu verhindern werden bereits jetzt mit den Geldern aus dem Rentenfonds für Regierungsmitarbeiter Rechnungen beglichen", weiß Stopp. Dem Land droht daher eine Abstufung der Top-Bonität, wenn mittelfristig keine Lösung gefunden wird. Dies würde mit einer Steigerung der Anleihe-Renditen einhergehen.

 

Reger Handel mit Unternehmensanleihen

 

Am Corporate Bond-Markt nutzen laut Brunner unterdessen viele Unternehmen die Gunst der Stunde, um sich günstig mit Fremdkapital einzudecken. "So günstig wie im Moment konnten sich Unternehmen im Euroraum noch nie verschulden und das wird großzügig ausgenutzt", weiß der Market Maker.

 

Unter anderem kam der Münchener Autobauer BMW am Dienstag mit zwei Tranchen einer in Euro denominierten Anleihe mit Laufzeiten von 3,75 bzw. 10 Jahren. Die Tranchen haben ein Volumen von 1 Milliarde bzw. 750 Millionen Euro. "Den Investoren zahlt BMW einen Kupon von 1,000 Prozent bzw. 2,375 Prozent. Zum Vergleich hierzu ein Blick ins Jahr 2008: Damals musste BMW für eine fünfjährige Mittelaufnahme den Investoren einen jährlichen Kupon in Höhe von 8,875 Prozent bieten. So haben sich die Zeiten geändert", kommentiert Stopp.

 

Auch Daniel berichtet von teilweise lebhaften Umsätzen am Markt für Unternehmensanleihen. Gekauft worden sei in dieser Woche unter anderem eine Continental-Anleihe (WKN A1AY2A) mit Fälligkeit im Juli 2015. Das Papier hat einen Kupon von 8,500 Prozent. Eingestiegen seien die Anleger auch in einem bis 2022 laufenden Telefonica-Papier (A1DHFE), das mit einem Kupon von 4,184 Prozent ausgestattet ist.

 

© 18. Januar 2013 / Karoline Kopp

 

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

 

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