21.12.2012 14:51
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Börse Frankfurt-News: Von Krisen und Fortschritten (Anleihen)

    FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 21. Dezember 2012. Kurz vor Weihnachten herrscht zwar kein wirklicher Friede an den Finanzmärkten, so explosiv wie im Sommer ist die Lage aber auch nicht mehr.

 

Die nach wie vor ausstehende Einigung im US-Haushaltsstreit sowie Sorgen um Zypern lasten zwar heute auf dem Markt, die Woche insgesamt war aber durchaus von Entspannung geprägt. Gut an kam etwa die Hochstufung Griechenlands durch die Rating-Agentur Standard & Poor`s.

 

Zudem mehren sich die erfreulichen Nachrichten von Konjunkturseite. "Mit 102,4 Punkten überraschte das ifo-Geschäftsklima positiv", bemerkt die Commerzbank. Wie auch andere Frühindikatoren zeigten, verfestigten sich Signale für eine wieder zunehmende Konjunkturdynamik im kommenden Jahr - sofern sich die Staatsschuldenkrise nicht erneut zuspitze.

 

Der Euro-Bund-Future notiert am heutigen Freitag bei 144,55 Punkten und damit etwas unter dem Niveau der Vorwoche von 145,04. Wirklich weit entfernt von seinem historischen Hoch bei 146,89 Punkten hat sich das Anleihebarometer allerdings nicht. Zehnjährige Bundesanleihen werfen aktuell 1,39 Prozent ab. Brunner geht übrigens fest davon aus, dass die Zinsen hierzulande auch im neuen Jahr niedrig sein werden: "Die Geldpolitik bleibt expansiv, und nach Inflation sieht es nicht aus."

 

Zypern als neues Griechenland?

 

Die Renditeaufschläge für Peripherieländer schrumpften in dieser Woche weiter. Regelrecht abgestürzt sind allerdings Zypern-Anleihen, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft berichtet. "Die Süddeutsche Zeitung hat die Lage im Kommentar "Zypern schlimmer als Griechenland" gut beschrieben", meint der Händler. Zypern bitte die EU-Länder zwar "nur" um 17 Milliarden Euro. "Im Verhältnis zum BIP sind das aber fast 100 Prozent. Dem Land fehlt ein Geschäftsmodell, der Bankensektor ist stark aufgebläht." Nicht zuletzt spreche einiges für die Annahme, dass viele Bankeinlagen, die nun gerettet werden sollen, aus dubiosen russischen Quellen stammen.

 

Herabstufung Zyperns

 

"Politisch ist das alles extrem heikel." Wie heute bekannt wurde, hat die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Zyperns erneut um zwei Stufen gesenkt, und zwar von "B" auf "CCC+". Die bis 2014 laufende Anleihe (WKN A0DAA7) notierte vor einer Woche noch bei 89 Prozent, gestern waren es 73,5 Prozent. Heute präsentiert sich das Papier leicht erholt bei 75 Prozent. "Das ist ein Pulverfass", meint der Händler.

 

Irland gilt hingegen als Musterschüler. "Das Land ist auf gutem Weg", findet Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Im Gegenzug für die Umsetzung der Reformen wünsche sich Dublin nun niedrigere Zinsen auf die Hilfskredite. Irland hatte als erstes Land unter dem Rettungsschirm wieder langfristige Anleihen verkaufen können. "2013 soll das im regelmäßigen Turnus geschehen."

 

Hoffnung auf Ende der Krise

 

"Es war ein Jahr der Krisentreffen, der Ratingherabstufungen und der Erweiterung der Rettungsfazilitäten", kommentiert die Helaba zum Jahresausklang. 2012 sei aber auch ein Jahr der Fortschritte gewesen: "Der permanente Rettungsschirm ESM hat alle parlamentarischen und juristischen Hürden überwunden und seine Arbeit, wenn auch verspätet, aufgenommen; Griechenland hat zwei erfolgreiche Schuldenschnitte durchgeführt; die Risikoprämien der Peripheriestaaten haben sich von ihren Höchstständen deutlich entfernt." Zudem zeigten sich auch realwirtschaftlich erste Verbesserungen. "Inzwischen dominiert die Hoffnung, dass der Höhepunkt der Krise hinter uns liegt."

 

Viel Umsatz in Air Berlin-Anleihen

 

Von den Corporate Bonds wurden Daniel zufolge Air Berlin-Anleihen rege gehandelt. "Es gibt frisches Geld: Das Unternehmen verkauft sein Vielfliegerprogramm an den arabischen Partner Etihad." Die Anleihen reagierten im Kurs jedoch kaum. Das bis 2014 laufende Papier (WKN AB100C) mit einem Kupon von 11,50 Prozent notiert aktuell bei 104,70 Prozent, das ergibt eine Rendite von 8,75 Prozent.

 

Deutlich erholt von ihren Tiefstständen hat sich die Praktiker-Anleihe (WKN A1H3JZ), wie Rainer Petz von Close Brothers Seydler beobachtet hat. Während das Papier vor drei Monaten noch zu 33 Prozent über den Tisch ging, sind es heute 60,5 Prozent. Zusätzliche Unterstützung bekam die Anleihe in den vergangenen Tagen durch eine erfolgreiche Kapitalerhöhung: Mit dem Verkauf von 55 Millionen neuen Aktien verschafft sich der angeschlagene Konzern wieder ein wenig Luft. "Allerdings ist jetzt zum Jahresende vieles hoch gegangen", meint Petz.

 

Seit heute wieder gehandelt werden im Übrigen die Anleihen der Westfälischen Grundbesitz- und Finanzverwaltung WGF. Das bis 2014 laufende Papier (WKN WGFH04) kostet aktuell knapp 24 Prozent. "Der Kurs ist nicht viel anders als vor der Aussetzung des Handels", bemerkt Petz. Das Unternehmen hatte vergangene Woche Insolvenz angemeldet.

 

Mittelstandsanleihen fangen sich

 

Etwas entspannt hat sich auch die Situation bei Mittelstandsanleihen, von denen einige vergangene Woche ordentlich unter Druck geraten waren. "Anfang der Woche war die Nervosität noch hoch, dann hat sich die Lage aber etwa beruhigt", meldet Brunner. Die "Traumschiffanleihe" (WKN A1RE7V) der MS Deutschland, die im Tief bis auf 83,50 Prozent abgerutscht war, hat sich bei rund 94 Prozent stabilisiert. Die Anleihe des Reiseportalanbieters Travel24 (WKN A1PGRG), die nach der Verhaftung von zwei Managern bis auf 56 Prozent gefallen war, kostet heute 75 Prozent.

 

Eterna (WKN A1REXA) notiert wieder über Pari bei 100,4 Prozent, im Tief waren es 95 Prozent. Und die ohnehin als sehr solide geltende Karlsberg-Anleihe (WKN A1REWV) verteuerte sich auf 110 Prozent.

 

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© 21. Dezember 2012 / Anna-Maria Borse

 

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

 

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