22.03.2013 16:44
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Börse Frankfurt-News: Zypern-Pleite unausweichlich? (Anleihen)

    FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 22. März 2013. Bislang bleibt die Lage an den Anleihemärkten relativ entspannt. Turbulenter könnte es aber schon bald werden, wenn die Banken in Zypern wieder öffnen. Ein Bank-Run sei vorhersehbar, heißt es aus dem Handel.

Gerarde ist das italienische Wahl-Chaos einigermaßen verdaut, da stürzt das kleine Zypern die Eurozone auch schon in die nächste Vertrauenskrise. "Kann eine kleine Mittelmeerinsel mit 800.000 Einwohnern und einem Bankensektor, dessen Größe weniger als ein Zehntel der Deutschen Bank ausmacht, die Eurozone ins Wanken bringen?", fragen sich da Stefan Gäde und Cyrus de la Rubis von der HSH Nordbank. Bislang sehe es zwar nicht danach aus, die Möglichkeit, dass die EZB den Banken Zyperns in der kommenden Woche den Geldhahn abdreht, bestehe aber durchaus. Entspannt zurücklehnen sollten sich Anleger daher nicht, raten die Analysten.

Und das tun sie auch nicht, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft berichtet: "Zwar ist es am Markt bisher noch vergleichsweise ruhig, Panik herrscht jedenfalls nicht. Aber der sichere deutsche Bundeshafen ist wieder zunehmend gefragt und seitdem der Euro unter die Marke von 1,30 Euro gefallen ist, hat das Anlegerinteresse an Fremdwährungsanleihen spürbar zugenommen", meldet der Händler. Am Freitagmittag notiert das deutsche Rentenbarometer Euro-Bund-Future bei 144,59 Prozent, nach knapp über 143 Prozent vor einer Woche.

Bankenkollaps in Zypern nur eine Frage von Tagen

Aus Sicht von Daniel ist das Chaos in Zypern nach der bisherigen Entwicklung bereits vorprogrammiert: "Auch wenn die jüngsten Pläne zur Besteuerung von Bankguthaben eventuell doch nicht umgesetzt werden, hat allein die Diskussion darüber in der vergangenen Woche so viel Unsicherheit geschürt, dass einem Bank-Run wohl nicht mehr zu entgehen ist. Sobald die Institute wieder öffnen, werden die Leute ihr Geld abheben oder ins Ausland überweisen." Eine Pleitewelle zypriotischer Banken erscheine daher unausweichlich, meint der Händler.

Ähnlich sieht das Arne Hellwig von der Hellwig Wertpapierhandelsbank. "Ein Bank-Run wird kaum zu vermeiden sein. Eine Öffnung der Banken wird für kommenden Dienstag erwartet. Ohne eine baldige Wiedereröffnung der Banken dürfte die Wirtschaft bald zum erliegen kommen. Die Schätzungen zum Termin der Zahlungsunfähigkeit Zyperns reichen von Mai bis Juni", fasst der Händler zusammen und ergänzt, dass ein Übergreifen der Zypern-Krise auf andere Staaten der europäischen Union bisher noch nicht am Markt eingepreist worden sei.

Märkte vertrauen auf EZB

Arthur Brunner von ICF Kursmakler bestätigt: ".Der Bund-Future konnte in dieser Woche natürlich zulegen, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen ist mit 1,34 Prozent auf Jahrestiefststand. Aber trotzdem ist von Panik keine Spur an den Märkten, hier zeigt sich das Vertrauen der Marktteilnehmer in die EZB, der man zutraut, das Problem Zypern zu isolieren und nicht auf die anderen Peripheriestaaten überschwappen zu lassen", erläutert der Market Maker. So habe Spanien diese Woche problemlos Anleihen sowohl am Geld- als auch am Kapitalmarkt platziert. "Die Tatsache, dass der Löwenanteil der Platzierung in zehnjährigen Anleihen gelaufen ist, darf als Erfolg bezeichnet werden." Auch an den Sekundärmärkten der Euro-Peripherie, die im Zuge der Schuldenkrise zum "Sorgenbarometer" avanciert sind, beobachtet Brunner bislang keine nennenswerten Renditeanstiege.

Etwas anders sieht es da schon bei den Staatsanleihen Zyperns aus, die laut Brunner teils deutliche Kursverluste hinnehmen müssen. "Beispielhaft sei hier diejenige mit Fälligkeit März 2020 (WKN A1AS1P) genannt, die von 79,5 in der Vorwoche auf 60 Prozent gefallen ist." Hellwig merkt jedoch an, dass auch bei Anleihen Zyperns bisher keine Verkaufspanik ausgebrochen sei. Die in den Jahren 2013 (WKN A1AHJL) und 2015 (WKN A1A238) fälligen zypriotischen Staatsanleihen weisen nach Auskunft des Händlers gute Umsätze bei sehr hoher Volatilität auf - eine einheitliche Richtung sei dabei aber nicht auszumachen. "Am Donnerstag verzeichnete die Anleihe mit Laufzeit 2013 zu Beginn des Handels sogar sehr starke Kurszuwächse. Vom Vortagesschluss bei 85,70 Prozent stieg der Kurs bis Mittag auf 90,10 Prozent", berichtet Hellwig.

Fremdwährungsanleihen profitieren von Verunsicherung

Bei Unternehmensanleihen sei die Lage in dieser Woche dagegen ruhig, meldet Brunner. "Die Anleger engagieren sich angesichts der Turbulenzen im Euroraum indes wieder mehr in Fremdwährungen. Insbesondere in Austral-Dollar begebenen Papier waren diese Woche gefragt, wie etwa eine Nestlé-Anleihe (A1HG8F) mit 3,875 Coupon und fünf Jahren Restlaufzeit." Daniel beobachtet zudem steigende Nachfrage nach in türkischer Lira denominierten Papieren. Gerne gekauft werde etwa eine bis 2016 laufende KfW-Anleihe (WKN A1RE8Q).

Wie Klaus Stopp von der Baader Bank berichtet, sind unter den "Trüffelsuchern" der Bond-Anleger zunehmend auch auf norwegische Kronen lautende Titel geschätzter Emittenten, wie deutschen Autoherstellern, beliebt. Unter anderem stehe derzeit eine Unternehmensanleihe der Volkswagen Financial Services (WKN A1GP33) mit Laufzeit April 2014 und einer Rendite von rund 2 Prozent auf den Kauflisten. Gefragt sei auch eine auf norwegische Kronen lautende BMW-Anleihe (WKN A1HDA4), die bis Ende 2015 läuft und mit rund 2,6 Prozent rentiert.

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© 22. März 2013 / Karoline Kopp

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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