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aktualisiert: 05.06.2012 17:43

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BONITÄTSNOTEN

Mittelstandsanleihen: Böses Erwachen für Air Berlin & Co

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Air Berlin: Scope verpasst der Fluglinie einen weiteren Dämpfer
Die ­Ratingagentur Scope hat unbeauftragt Emittenten von Mittelstandsanleihen bewertet. Die Bonitätsnoten fallen ernüchternd aus, doch sie zeigen die Schwächen des noch jungen Marktes.

von Astrid Zehbe, €uro am Sonntag

Hartmut Mehdorn ist Kummer gewöhnt. Die verschobene Eröffnung des neuen Großflughafens Berlin ist für den Air-Berlin-Chef ein Desaster. Die gesamte Logistik hatte die Fluglinie bereits auf Schönefeld ausgerichtet. Nun kommt noch aus einer anderen Richtung Ärger: Ohne Auftrag (und damit ohne Bezahlung durch das Unternehmen) hat die Agentur Scope Credit Rating die Emittenten von Mittelstandsanleihen einer Bonitätsprüfung unterzogen. Dabei wurde die angeschlagene Fluglinie mit einem „CCC-“, der niedrigsten Bonitätsstufe, abgestraft.

Auch für andere Unternehmen gab es ein böses Erwachen. Im Schnitt lagen die von Scope vergebenen Noten unter den Bewertungen, die andere Ratingagenturen im Zuge der Anleiheemission vergeben hatten (siehe pdf-Tabelle). „Wir haben eine quantitative Finanzanalyse durchgeführt, uns also ausschließlich auf die Geschäftszahlen des jeweiligen Unternehmens gestützt“, erklärt Thomas Morgenstern, Chefanalyst und Geschäftsführer von Scope Credit Rating.

Unsicherheit über Ratingnoten
Qualitative Kriterien wie Per­sonal­­führung und Managementgüte wurden bei der Benotung außen vor gelassen. „Ich glaube nicht, dass eine Berücksichtigung solcher Unternehmensmerkmale die Bewertung wesentlich geändert hätte“, sagt Morgenstern. Schließlich mache auch bei einem Vollrating das Zahlenwerk 70 Prozent der Endnote aus. „Für Investoren sind Daten wie Eigenkapitalrendite und Liquidität wichtiger“, sagt Morgenstern. „Vor allem bei institutionellen Anlegern herrscht große Unsicherheit über die Zuverlässigkeit der bisher im Markt befindlichen Bonitätsnoten.“

Im Überblick: Die neuen Ratings von Scope (PDF)

Tatsächlich sind die Regeln für Emittenten von Mittelstandsanleihen schwer zu durchschauen. So benötigten börsennotierte Aktiengesellschaften in der Vergangenheit kein Rating, da sie sowieso regelmäßig über ihre Geschäfte berichten müssen. Von nicht börsennotierten Unternehmen hingegen wird jedes Jahr ein Folgerating verlangt, was in der Vergangenheit jedoch nicht immer eingehalten wurde.

Die Deutsche Börse will ab Juli durchsetzen, dass alle Emittenten künftig eine Bewertung vorweisen müssen. In Stuttgart wurden Risikoindizes eingeführt, um den Trans­parenzmangel zu beseitigen.

Für Scope ist das Durcheinander eine Chance, sich als neuer Player am Mittelstandsanleihenmarkt zu profilieren, glaubt Thomas Kaufmann von der Close Brothers Seydler Bank, die regelmäßig Emissionen von Mittelstandsanleihen begleitet. „Ratings kosten viel Geld. Wer das unbeauftragt für so viele Unternehmen macht, für den ist das eine Investition.“ Bislang waren die Bonitätsprüfer von Scope vor allem im Rating von Fonds, Zertifikaten und Managementgesellschaften tätig. Mit der Übernahme der Agentur PSR im Januar soll nun das Geschäft im Bereich Bonitätsbewertung von Unternehmen ausgebaut werden.

„Wir sehen Bedarf an zuverlässigen Ratings“, sagt Morgenstern. Auch wenn seine Noten schlechter ausfallen als die anderer Agenturen, geht er davon aus, dass Firmen auf ihn zurückkommen werden: „Es nützt nichts, eine gute Bewertung zu haben, wenn diese am Markt angezweifelt wird.“ Scope will darum weitere Emittenten bewerten. Für manche dürfte es dann ebenfalls ein böses Erwachen geben.

Bildquellen: Keystone

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