10.09.2013 15:35
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Zwei Prozent sind immer noch zu wenig

Bundesanleihen: Zwei Prozent sind immer noch zu wenig | Nachricht | finanzen.net
Bundesanleihen
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Die Rendite heimischer Staatsanleihen ist zuletzt kräftig angestiegen. Einen Einstieg sollten sich Anleger aber nach wie vor zweimal überlegen.
Denn über kurz oder lang werden die Renditen wohl weiter zulegen. Sowohl Anleger, die die Anleihe bis zum Laufzeitende halten möchten also auch Investoren, die einen vorzeitigen Verkauf anstreben, hätten dann das Nachsehen.

Wieder über 2 Prozent. Erstmals seit rund eineinhalb Jahren rentieren zehnjährige Bundesanleihen wieder über der psychologisch wichtigen Marke von 2 Prozent. Einige Anleger könnten den Sprung über diese Hürde zum Anlass nehmen, sich nun wieder heimische Staatspapiere in ihr Depot zu legen. Schließlich liegt die deutsche Inflationsrate derzeit bei gerade mal 1,5 Prozent. Unterm Strich würden Gläubiger also einen realen Ertrag erwirtschaften.

Inflation frisst Rendite

Auf geht die Rechnung für Anleger, die den Bond bis Fälligkeit halten möchten, aber nur, wenn die Teuerungsrate auch in den kommenden zehn Jahren im Schnitt unter der 2-Prozent-Hürde verharren würde. Davon ist aber nicht auszugehen: „Dass die Inflationsrate in den kommenden Monaten kräftig anziehen wird, ist zwar eher unwahrscheinlich. Allerdings ist auch nicht davon auszugehen, dass die Teuerungsrate in den kommenden zehn Jahren im Schnitt unter 2 Prozent bleiben wird“, schätzt Thilo Heidrich, Rentenanalyst der Postbank.

Sollte die Inflation aufgrund einer dynamischeren Konjunktur Fahrt aufnehmen, könnte die Europäische Zentralbank zwar die Leitzinsen, die aktuell mit 0,5 Prozent auf historisch niedrigem Niveau verharren, erhöhen. Auf der anderen Seite bestünde dann die Gefahr, dass in der Folge der Konjunkturmotor – allen voran in den Peripherieländern der Eurozone – wieder ins Stocken gerät. „Im Zweifel wird die EZB den Leitzins wohl eher zu spät statt zu früh anheben“, so Heidrich.

EZB muss irgendwann handeln

Dies bedeutet jedoch nicht, dass die EZB auf Dauer die Zinsen nicht erhöhen wird. Sollte die Teuerungsrate über einen längeren Zeitraum über den von der EZB anvisierten Wert in Höhe von „nahe, aber unter 2 Prozent“ verharren, hätten die Notenbanker gar keine andere Wahl als die Zinsen anzuheben, anziehende Renditen inklusive. Schließlich hat die EZB – anders als etwa die US-amerikanische Fed – ausschließlich den Auftrag, die Preisstabilität zu gewährleisten.

Wie schnell die Inflation in die Höhe schießen kann, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. „Die Inflation ist tot, sie ist so tot wie ein rostiger Nagel“, erklärte 1968 der damalige Wirtschaftsminister Karl Schiller. Nur fünf Jahre kletterte die Teuerungsrate auf rund 8 Prozent. > Renditen haben immer noch Luft nach oben

Zudem besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Wirtschaft in der Eurozone recht zeitnah an Dynamik gewinnt und damit einhergehend die Kurse sicherer Anleihen unter Druck geraten, die Renditen also ansteigen. Am Rentenmarkt entwickeln sich Kurse und Renditen systembedingt entgegengesetzt. Anleger, die sich jetzt schon für zehnjährige Bundesanleihen entscheiden, hätten dann das Nachsehen. „Trotz des zuletzt kräftigen Anstiegs könnten die Renditen von Bundesanleihen auf mittlere Sicht noch Luft nach oben haben. Im historischen Vergleich weisen die Renditen immer noch ein sehr geringes Niveau auf“, erklärt Analyst Heidrich. So lag die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen Anfang 2008 – also vor dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrisen – noch bei rund 4,5 Prozent; Anfang der 1990er Jahre kassierten Anleger sogar einen jährlichen Ertrag von über 9 Prozent.

Würden die Renditen tatsächlich ansteigen – wenngleich auf kurze Sicht, beispielsweise bei einiger Verschärfung der geopolitischen Risiken, auch steigende Kurse nicht auszuschließen sind –, hätten auch Investoren, die auf Kursgewinne spekulieren das Nachsehen. So müssten Anleger bei einem Renditeanstieg von gerade mal 0,5 Prozentpunkten bei zehnjährigen Bundesanleihen einen Kursverlust von rund 5 Prozent verkraften.

Kurzum: Ganz gleich, ob Anleger ihre Papiere bis Fälligkeit halten oder vorab verkaufen möchten, zehnjährige Bundesanleihen scheinen derzeit noch nicht die richtige Wahl zu sein. Wer dennoch den sicheren heimischen Anleihehafen ansteuern möchte, sollte seinen Blick eher auf das kurze Ende richten. Aufgrund der vergleichsweise geringeren Zinssensitivität weisen Anleihen mit einer kurzen Restlaufzeit bei steigenden Renditen geringer Kursverluste auf.

Franz von den Driesch ist Chefredakteur der Webmagazine AnleihenMonitor, Ruhestandsmonitor und econoafrica. Die Portale sind redaktionell unabhängig und werden von Wirtschaftsjournalisten mit langjähriger Berufserfahrung betreut. Für die monatlich kostenlosen Newsletter der Webmagazine können sich Anleger auf www.anleihenmonitor.de, www.ruhestandsmonitor.de und www.econoafrica.de anmelden.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: einstein / Shutterstock.com

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